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Interview Mirko Welsch
„Jacky Süßdorf warf sich mir dabei an den Hals“

Mirko Welsch (FBL): Der Dudweiler will Oberbürgermeister in Saarbrücken werden.
Mirko Welsch (FBL): Der Dudweiler will Oberbürgermeister in Saarbrücken werden. FOTO: Mirko Welsch
Saarbrücken. Der Oberbürgermeister-Anwärter, sein Verhältnis zu NPD-Frontfrau und seine Rolle als Homosexuellen-Sprecher bei der AfD. Dort war er bis zu seinem Austritt im März vergangenen Jahres aktiv. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Der Dudweiler Mirko Welsch (41) will zur Oberbürgermeisterwahl kommendes Jahr in Saarbrücken antreten. Und schon im Vorfeld sorgt der Kommunalpolitiker, der für die Freie Bürger-Liste (FBL) im Dudweiler Bezirksrat sitzt, für Diskussionsstoff. AfD-Vergangenheit und seine Haltung gegenüber der NPD spielen dabei eine Rolle. Die SZ hat Welsch dazu schriftlich befragt.


Wie bewerten Sie heute das Foto von 2014 mit Ihnen und der Saarbrücker NPD-Funktionärin Jacky Süßdorf? In welchem Zusammenhang ist es dazu gekommen?

Mirko Welsch: Wie viele Leser wissen, hatte Jacky Süßdorf vor vielen Jahren das Bahnhofslokal City Train. Nach einem gemeinsamen Abend mit zwei schwulen Freunden, die politisch links stehen, sind wir zum Abschluss dort noch zu dritt rein. Jacky Süßdorf warf sich mir dabei an den Hals und busselte mich. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich mit dem Outfit einem Foto und der Veröffentlichung zugestimmt hätte? Und da wäre mir egal gewesen, wer da welche Gesinnung hätte. Zumal ich es erstaunlich finde, dass die Saarbrücker Zeitung 2016 diese eigentlich drei an dem Abend entstandenen Fotos, zeitgleich zur Bild-Zeitung zu veröffentlichen, ablehnte. Zumal ich nicht gedacht hätte, dass ich inzwischen so wichtig bin, dass man hier eine solche Belanglosigkeit von 2014 zum Anlass nimmt, einen solch unseriösen Zeitungsartikel zu veröffentlichen.



War Ihnen damals nicht bewusst, zu welcher politischen Ausrichtung sie sich zählt?

Welsch: Jacky Süßdorf bezeichnete sich als rechtskonservativ und weltoffen. Gerade auch im Hinblick ihrer damaligen Mitarbeiter (Migranten und einen Homo- sowie eine Transsexuelle). Später wurde ich damit aufgezogen, dass ich sie offenbar so schlecht geküsst habe, dass sie danach zu den Nazis geflüchtet ist. Hier habe ich als Demokrat offenbar auf voller Linie versagt, eine Frau im demokratischen Spektrum zu halten. Die Aussage „Ich bin ein konservativer, schwuler Patriot“ trifft auch heute noch selbstverständlich zu. Denn Patriotismus ist nicht der Hass gegen andere Völker, sondern die Liebe zum eigenen.

Wie steht es um das Heute-Show-Interview mit Lutz van der Horst? Waren Sie vorgewarnt, dass es sich dabei um die Produktion eines Satiremagazins handelt?

Welsch: Jeder, der Lutz van der Horst kennt, der kennt auch die Heute-Show. Und weiß, dass das eine Satire-Sendung ist und keine tiefgründige Politik-Talk-Sendung. Offenbar hatte er lange auf diese Möglichkeit, mich zu interviewen, gewartet, weil er eben diese Frage für mich explizit auf einem Zettel vorbereitet hatte.

Warum sind Sie in die AfD eingetreten, obwohl es damals schon bekannt war, dass sich diese Partei unter anderem gegen die Ehe für alle wendet? Wie kam es, dass Sie deren Sprecher für homosexuelle Belange wurden? Von wann bis wann übten Sie diese Funktion aus?

Welsch: In die AfD bin ich 2013 eingetreten, weil ich gegen die Euro-Zockerbanken-Rettung um Griechenland und für bundesweite Volksentscheide war. Gleichzeitig habe ich innerhalb der AfD – auch gemeinsam mit Alice Weidel – für die Gleichberechtigung homosexueller Paare geworben. Die derzeitige Einführung der Homo-Ehe aber war von SPD, Grüne und Linke nur parteipolitisch gegen Merkel durchgeführt worden. Denn wenn man es wirklich ernst gemeint hätte, dann wäre dies mit einer Verknüpfung der Abschaffung des Ehegatten- hin zum Familiensplitting verbunden worden, was ich als damaliger Bundessprecher der AfD-Homosexuellen bereits ein Jahr zuvor gefordert hatte. Denn dies hätte der Akzeptanz im konservativen und rechtskonservativen Spektrum geholfen. Am 9. März 2017 bin ich ausgetreten. Der rückwirkende Ausschluss vom 10.März 2017 wurde im Sommer vom Bundesschiedsgericht der AfD einkassiert.

Worin unterscheidet sich Ihre heutige politische Arbeit von der damaligen?

Welsch: In der AfD war ich überwiegend bundespolitisch tätig. Jetzt bin ich kommunalpolitisch aktiv. Und diesen Rückschritt genieße ich, weil ich dadurch mehr Lebensqualität gewonnen habe. Zu AfD-Zeiten hatte ich insgesamt elf Morddrohungen und vier Mordaufrufe von überwiegend linksradikalen Typen, die sich auch teilweise gegen meinen damaligen Lebenspartner richteten. Nun habe ich genug Kraft gesammelt, damit ich Dudweiler und die Außenbezirke stärker im Stadtrat vertreten kann. Und auch für eine Ablösung von Charlotte Britz. Entweder als Oberbürgermeisterin oder zumindest als Chefin des Aufsichtsrats der Saarbahn. Hier brauchen wir Fachkompetenz statt Parteipolitik.

Die Fragen stellte
Matthias Zimmermann