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Ab Montag neue Einschränkungen in Saarbrücken
Massive Kritik am Notfahrplan für die Busse

Der ab 1. Oktober geltende Bus-Notfahrplan sorgt für Ärger.
Der ab 1. Oktober geltende Bus-Notfahrplan sorgt für Ärger. FOTO: Matthias Zimmermann
Saarbrücken. Politiker beklagen verfehlte Personalpolitik und fordern Rabatte für Buskunden. Geschäftsführer: Reduzierte Preise sind nicht drin. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Gestrichene Busverbindungen: Davon ist ein Drittel des Saarbrücker Liniennetzes betroffen. Am Montag, 1. Oktober, soll dieser zeitlich begrenzte Notfallfahrplan in Kraft treten, um gegen die massiven Fahrtausfälle und Verspätungen der vergangenen Monate anzukämpfen (wir berichteten). Ursache dafür ist nach Angaben der Unternehmenssprecherin Ulrike Reimann der erhebliche Fahrermangel, der nicht auf die Schnelle beseitigt werden könne. Doch auch der Ersatzplan sorgt für mächtig Ärger.


Von einer „Bankrotterklärung der politisch Verantwortlichen“ spricht die Linke im Landtag. Sie sieht diese Entwicklung als Folge jahrelanger Fehlplanung. Deren verkehrspolitischer Sprecher Jochen Flackus schreibt in einer Mitteilung: „Es ist ja nicht so, dass der Personalmangel auf einmal so vom Himmel gefallen wäre.“ Diesen führt der Landespolitiker auf „immer schlechter werdende Arbeitsbedingungen und einen andauernden Kürzungskurs“ bei dem Betrieb der Landeshauptstadt zurück. So hätten auch Gewerkschaft und Personalvertreter schon lange davor mit Blick auf zunehmend schlechtere Löhne und Arbeitsbedingungen gewarnt. Dennoch sei nicht gegengesteuert worden. Saarbahn-Geschäftsführung, Verwaltungsspitze im Rathaus sowie Landesregierung macht Flackus dafür verantwortlich. Um den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) landesweit wieder in den Griff zu bekommen und attraktiver zu machen, fordert er einen einzigen Landesbetrieb. Der Saarbahn-Notfallplan sei „ein Schlag ins Gesicht“ der Kunden.

Ähnlich äußert sich Julien François Simons, Landeschef der Jungliberalen (Julis). So hätten die Busausfälle in Saarbrücken „ein hinnehmbares Maß schon längst überschritten“, sagt der Vorsitzende der FDP-Nachwuchsorganisation. Simons nennt damit den Notfahrplan, nachdem 16 von 42 Verbindungen betroffen sind, eine „Kapitulation“. Dies sei auf „mehrere fragwürdige Entscheidungen“ insbesondere von SPD, Grünen und Linken im Saarbahn-Aufsichtsrat zurückzuführen. Auch Simons kritisiert in diesem Zusammenhang die Arbeitsbedingungen. Außerdem stellt er die „mittelfristige Personalplanung“ als unzureichend infrage. Die CDU im Saarbrücker Stadtrat fordert, dass „die Fahrpreise ab dem 1.10.2018 entsprechend abgesenkt“ werden. Zudem verlangt deren Fraktionsvorsitzender Uwe Conradt einen Bonus für Monats- und Jahreskarten als Wiedergutmachung.



Verständnis für die „nachvollziehbare Kritik der Bürgerinnen und Bürger“ wegen der Ausfälle, aber Unverständnis, was die teils harschen Reaktionen aus dem Stadtrat auf die „vorübergehende Notlösung“ betrifft, kommen von Philipp Schneider. Denn die Saarbahn-Geschäftsführung habe den Aufsichtsrat darüber informiert. „Hier waren alle Fraktionen durch ihre Aufsichtsratsmitglieder vertreten. Der Fahrplan kam nicht überraschend“, sagt der ÖPNV-Sprecher der SPD-Fraktion, zugleich Vize-Aufsichtsratschef der Saarbahn GmbH. Unabhängig davon fordere er nach den Herbstferien eine Aufsichtsrats-Sondersitzung. Währenddessen erwarte Schneider Informationen über die Erfahrungen mit dem Notfallplan. Außerdem will er wissen, wie die weiteren Pläne aussehen.

Unterdessen verteidigt Saarbahn-Chef Peter Edlinger die Entscheidung, den Fahrplan bis Ende Januar auszudünnen. Es sei sehr schwierig, Fahrer zu rekrutieren. So ergehe es Unternehmen bundesweit. Reduzierte Preise seien nicht möglich, da die Tarife landesweit im Verbund festgelegt würden. Gleichwohl arbeite die Saarbahn-Gesellschaft daran, Fahrer zu gewinnen. Die eigene Fahrschule ermögliche es Seiteneinsteigern, sich in rund drei Monaten zum Busfahrer ausbilden zu lassen. Neuerdings in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur.

16 von 42 Linien sind ab Montag, 1. Oktober, vom Notfahrplan betroffen. Dies sind: 101, 102, 104 bis 107, 109, 120 bis 126, 128, 137. Schulbusse (800er-Linien) sind ausgenommen.