Norbert Hartmann engagiert sich für alte Musik im Saarland

Saarbrücker Betriebswirt bringt Schwung ins Musikleben : Pendler zwischen Wirtschaft und Musik

Als Wirtschafts-Mann hat Norbert Hartmann Karriere gemacht. Doch der Musik, seiner ersten Liebe, ist er treu geblieben. Ihr widmet sich der heute 80-Jährige nun in der Stiftung für Alte Musik im Saarland. Ruhestand? Fehlanzeige.

Sie haben Charme, die kleinen Straßen am Saarbrücker Rotenbühl. Historische Stadthäuser, gepflegte Vorgärtchen, kein Durchgangsverkehr – hier ist gut wohnen. Norbert Hartmann ist die beliebte Adresse quasi zugefallen: „Wir mussten dieses Haus nehmen, wir kamen gar nicht umhin“, sagt er mit verschmitztem Lächeln, „es ist das Elternhaus meiner Frau.“

Er selbst, Jahrgang 1938, ist ein, zwei Straßen weiter aufgewachsen. Die Mutter Klavierlehrerin, der Vater neben dem Fotografen-Beruf begeisterter Hobby-Geiger: Kein Wunder, dass auch der Sohn Zuneigung fasste zur Musik. Norbert Hartmann entschied sich für die Geige. Und hat sich mittlerweile große Verdienste erworben um das Musikleben in der Region – dafür hat Kulturminister Ulrich Commerçon ihn jüngst mit einem Titel ausgezeichnet: Hartmann ist Ehren-Professor an der Musikhochschule des Saarlandes. Der Grund: Norbert Hartmann engagiert sich seit langen Jahren in der Akademie für Alte Musik im Saarland und in der zugehörigen Stiftung. Sehr wirkungsvoll. Und ehrenamtlich.

Wobei er Musik auch mal zum Beruf machen wollte. „Nach dem Abitur hatte ich keine Ahnung, was ich machen sollte“, sagt er. Da er nun mal Geige spielte (plus ein bisschen Klavier) und Konzertmeister im Schulorchester war, bekam er den Rat, Musik zu studieren. Er begann, in Saarbrücken. Und zweifelte bald an seinem Talent.

Schlüsselerlebnis, erzählt er, war ein Sommerkurs in Weikersheim. Diese Kurse gibt es noch heute, die Teilnehmer bekommen ihre Plätze im Kurs-Orchester nach einem Vorspiel zugewiesen; „da bin ich am letzten Pult der zweiten Geige gelandet“, sagt Hartmann. „Die anderen kamen mit Brahms- und Mendelssohn-Konzerten, sie konnten viel mehr als ich.“

Er sattelte kurz entschlossen um, studierte in Köln und Saarbrücken Betriebswirtschaft, setzte 1967 noch eine Promotion in Volkswirtschaft obendrauf. Nach ein paar Jahren in verschiedenen Unternehmen startete er sein eigenes, beriet Firmen in Versicherungs-Fragen, „das war damals noch neu“. Und offenbar erfolgreich. Drei Jahre später verkaufte Hartmann seine Firma an eine weitaus größere, heuerte selbst dort an und machte Karriere, „bis zur Firmenspitze“. Manager-Alltag mit langen Arbeitstagen, ständigen Reisen – Stress, den er sich irgendwann nicht mehr antun wollte. Er nahm mit Anfang 60 Abschied vom Berufsleben.

Aber nicht vom Engagement – jetzt für alte Musik in historischer Aufführungspraxis. Die war damals im Saarland noch ein sehr zartes Pflänzchen, gepflegt nur von einigen wenigen Musikern. Es fehlte an Organisationsstrukturen, an kundigen Lehrern, an Geld, an Förderern. Norbert Hartmann packte die Geige wieder aus. Und er packte an, mit seinen Management-Erfahrungen und seinem über Jahre geknüpften Wirtschafts-Netzwerk. 1993 war er Mit-Gründer der Akademie für Alte Musik, übernahm den Vorsitz, nach einem Interim erneut – bis heute.

Das Amt würde er ja gerne Jüngeren übergeben, sagt er mit einem Seufzer, aber bisher habe das nicht geklappt. Auch sein Plan, mit der 2009 ins Leben gerufenen Stiftung für Alte Musik eine Nachfolge-Regelung zu schaffen, sei bislang nicht aufgegangen. Doch die Stiftung sei ein Erfolg bei der Beschaffung historischer Instrumente, die Musikern zur Verfügung gestellt werden. Stolz präsentiert Hartmann eine Broschüre, die das klingende Stiftungs-Eigentum auflistet – da ist inzwischen einiges zusammengekommen. Und das Geldvermögen der Stiftung sei trotz aktueller Niedrigzinsphase so angelegt, dass es wenigstens genug abwerfe für die Instrumenten-Versicherung.

Als Musiker ist Hartmann nach wie vor dabei, er spielt mit im Akademie-Projektorchester, das den schönen Namen „con affetto“ trägt. „Puh, vier Stunden Probe, das ist ganz schön anstrengend!“, sagt er. Und lacht: Großen Spaß macht’s ihm trotzdem. Auch wenn die musikalischen Anforderungen im Lauf der Zeit gewachsen sind: „Angefangen habe ich mal als Stimmführer der zweiten Geigen. Das mache ich nicht mehr, heute haben wir in allen Orchestergruppen Profis an den ersten Pulten sitzen.“

Bleibt das Nachfolge-Problem, noch ungelöst. Akademie und Stiftung bräuchten neben Musikern halt auch Leute, die sich mit Steuer-, Finanz- und Management-Themen auskennen, sagt Norbert Hartmann. Und die sich auf dem Wirtschafts-Parkett bewegen können („Sponsoring hat mit Vertrauen zu tun, damit, dass man einander kennt“). So jemand sei bisher nicht in Sicht.

Das charmante Rotenbühl-Haus aus dem Jahr 1925 fungiert also vorerst weiter als saarländisches Zentrum für Alte Musik. Es gebe offenbar unterschiedliche Menschen-Typen, sinniert Hartmann lachend. Auch solche, die bei Ehrenämtern schwer Nein sagen könnten; so einer sei er wohl.

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