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Ausstand im Tarifstreit
Nicht alle Kitas sind wegen Streiks geschlossen

Streik: Die Kindertagesstätte Rußhütte im Saarbrücker Stadtteil Malstatt blieb am Donnerstag geschlossen.
Streik: Die Kindertagesstätte Rußhütte im Saarbrücker Stadtteil Malstatt blieb am Donnerstag geschlossen. FOTO: Matthias Zimmermann
Saarbrücken. Von 20 Kindertagesstätten in Saarbrücken hatten vier komplett zu. Die Gewerkschaft fordert mindestens 200 Euro mehr im Monat. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Mehr Lohn und Gehalt fordern die Gewerkschaften  für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Seit Februar laufen die Verhandlungen mit den Arbeitgebern und werden von Warnstreiks begleitet. Am Donnerstag sollten nach einem Aufruf zum Ausstand der Mitarbeiter flächendeckend kommunale Kindertagesstätten (Kita) in Saarbrücken betroffen sein. Vor Tagen hatte die Landeshauptstadt auf die zu erwartenden Ausfälle hingewiesen. Dies war jedoch nicht flächendeckend der Fall. Von 20 Einrichtungen waren nach Auskunft der Stadtpressestelle lediglich vier geschlossen und konnten wegen der Arbeitsniederlegung des Personals keinen Notdienst gewährleisten.


Unter anderem betraf dies in Rußhütte das städtische Montessori-Kinderhaus. Der Kindergarten war geschlossen, niemand zu erreichen, die großen Tore zum Gelände verriegelt. Kein Transparent weit und breit zu sehen, das von Gewerkschaftsseite auf den Streik aufmerksam macht. Kein Hinweis seitens der Leitung, die Eltern darauf aufmerksam machte. Das war bereits tags zuvor geschehen, damit sich die Erziehungsberechtigten anderweitig umsehen konnten, um ihren Nachwuchs in Obhut zu geben.

Ein ganz anderes Bild kurz vor acht an der Kindertagesstätte Bruchwiese in St. Johann. Dort war einige Tage zuvor ebenfalls angekündigt worden, dass es zu Ausfällen ohne Notdienst kommen könnte. Von der Arbeitsniederlegung war jedoch nichts zu spüren. An der Tür sagte eine Mitarbeiterin, während im Hintergrund Kinder zu hören waren: „Bei uns läuft alles normal.“

Komplett dicht waren nach dem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) neben Rußhütte die Kitas in Klarenthal, Pfaffenkopf (Burbach) und in der Dudweiler Rehbachstraße. Eingeschränkten Dienst mit Notdienst oder verkürzten Öffnungszeiten verrichteten Mitarbeiter bei der Kinderkrippe Franzenbrunnen (Alt-Saarbrücken), Kirchberg und Lindenhof (beide Burbach).

Kundgebungen seitens der Gewerkschaften standen in Saarbrücken am Donnerstag nicht an. Verdi hatte in Saarlouis zu Protestaktionen aufgerufen. Dort standen ebenfalls Warnstreiks an. Des Weiteren betroffen waren Völklingen und Quierschied.



Worum geht es bei den Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern? Während der zurzeit laufenden Tarifverhandlungen vertreten seit dem Auftakt im Februar folgende Gewerkschaften die Interessen der Beschäftigten: die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), Beamtenbund und Tarifunion (DBB, bis 2003 Deutscher Beamtenbund), die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Auf der Gegenseite sitzt die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Dabei handelt es sich um den Dachverband der Städte, Gemeinden, Landkreise und deren Betriebe, unter anderem Krankenhäuser, Entsorgungsunternehmen, Sparkassen und Verkehrsbetriebe. Sie sind bundesweit für mehr als zwei Millionen Beschäftigte verantwortlich.  Die Stadt Saarbrücken hat nach eigenen Angaben knapp 2500 tariflich Beschäftigte. Einzelne Forderungen der Gewerkschafter: sechs Prozent mehr Gehalt, mindestens ein monatliches  Plus von  200 Euro, Ausbildungs- und Praktikantenentgelte sollen um 100 Euro monatlich steigen. Beim Zusatzurlaub verlangt die Arbeitnehmerseite für Schichtarbeiter statt bislang vier sechs Tage.  Bei Samstagsarbeit wird ein Zuschlag von 20 Prozent angestrebt. Die einstige Regel, Auszubildende nach ihrem Abschluss zu übernehmen, soll wieder gelten.

Die kommunalen Arbeitgeber wehren sich gegen diesen Forderungskatalog. Sie begründen dies damit, dass mit einem Abschluss auf sie zusätzliche Kosten von 6,4 Milliarden zukämen. Außerdem bedeute die 200-Euro-Pauschale in einigen Tarifgruppen ein Plus von über elf Prozent. Das werde als unverhältnismäßig abgelehnt.