Laszive Blicke: Neuer Ärger um Saarbrücker Bordell-Reklame

Laszive Blicke : Neuer Ärger um Saarbrücker Bordell-Reklame

Nicht zum ersten Mal: Freudenhaus-Betreiber ecken mit großflächigen Plakaten in der Landeshauptstadt an.

Auf laszive Art, mit eng anliegendem, weißem Oberteil nur allzu knapp bedeckt und offenem, wallendem Haar: So zeigt sich eine junge Frau braun gebrannt auf einem Werbeplakat und blickt von dort mit pechschwarzen Augen auf den Betrachter. Daneben das Versprechen in englischer Sprache: totale Befriedigung. Im Namen eines Bordells. In Trier.

Überall in Saarbrücken sind diese Werbetafeln aktuell zu entdecken, unter anderem in Scheidt, Brebach, Burbach, auf der Strecke zwischen Sulzbach und Dudweiler. Nicht nur in den einschlägigen Randzonen stehen sie. Sogar mitten in der City lenken sie die Blicke auf sich, wie beispielsweise in der Dudweilerstraße. An dieser Stelle machte jemand seinem Unmut  Luft. Er sprühte mit hellblauer Farbe „Moderne Sklaverei“ darüber.

Bernd Stein ist die Reklame auch aufgefallen, und er findet sie alles andere als angebracht.  Der Dudweiler (75) wundert sich: „Ich dachte eigentlich bisher, dass es in Saarbrücken Puffs in Hülle und Fülle geben würde“, schreibt er. „Aber anscheinend ist die Nachfrage doch größer als das hiesige Angebot.“ Er sei gewiss „kein prüder Typ“, aber diese Banner gehörten hier nicht hin.

Ein ähnlicher Fall hatte bereits im September vergangenen Jahres für Ärger in der Landeshauptstadt gesorgt, damals für ein hiesiges Freudenhaus. Die Dame auf jenen großflächigen Plakaten war noch spärlicher bekleidet. Seitdem habe sich an der Ausgangssituation nichts geändert, seien die Einflussmöglichkeiten aus dem Rathaus darauf recht begrenzt, bestätigt Pressesprecher Ingo Beckendorf. Abgesehen von den Werbepartnern, die für die Vermarktung der öffentlichen Flächen verantwortlich sind, „haben wir rechtlich keinen Einfluss“. Nur dann, wenn die Darstellung „grob anstößig“ sei, wie es im Juristendeutsch heißt, drohe ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer Ordnungswidrigkeit. Im akuten Beispiel allerdings sei der Stadtverwaltung bislang keine Beschwerde bekannt.

Trotz der eingeschränkten Handhabe sei Saarbrücken auf die beiden Unternehmen Werbe-Fabry und Wall/JC Decaux zugegangen, als im Vorjahr große Plakate mit halbnackten Tatsachen für ein Bordell in Burbach  für Aufsehen sorgten.  Beckendorf in einer schriftlichen Mitteilung am Donnerstag:  „Der führende Anbieter von Werbeflächen im Saarland, Werbe-Fabry, hat der Landeshauptstadt auf deren Initiative hin mitgeteilt, dass auf seinen gesamten Flächen in Saarbrücken eine Produktsperre für Werbung im Bereich Bordelle und Prostitution installiert wird.“

Und warum sind jetzt dennoch  Botschaften fürs horizontale Gewerbe in Trier hier zu erspähen? Saarbrücken hatte sich nach Beckendorfs Auskunft nicht nur an einen Anbieter gewandt, „sondern auch über den Fachverband Außenwerbung an alle weiteren privaten Werbeflächenanbieter in Saarbrücken, in der Erwartung, dass diese dem Beispiel von Werby-Fabry folgen“.

Ein Trugschluss, wie sich herausstellen sollte. Ein Wettbewerber scherte sich offensichtlich nicht darum und plakatierte ordentlich kreuz und quer in der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Auch wenn es rechtlich offensichtlich keine Bedenken gibt, bleibt Bernd Stein dabei: „Schön finde ich das nicht.“

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