Neue Radfahrstreifen auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke sind kaum genutzt

Radwege in Saarbrücken : Nur die Wenigsten nutzen die neuen Radwege

Radler können seit einem halben Jahr die roten Streifen auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke befahren. Viele verzichten lieber darauf.

Ein halbes Jahr sind die neuen Radspuren auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke jetzt schon befahrbar. Von Anfang an gab es Bedenken wegen der Sicherheit der neuen Spuren, die unter anderem der ADAC äußerte (die Saarbrücker Zeitung berichtete). Gerade das Abbiegen auf die A 620 Richtung Saarlouis wurde kritisch gesehen, da Autos und Busse dafür die Fahrradspur kreuzen müssen. Nutzen die Radfahrer die viel diskutierten Spuren ein halbes Jahr nach deren Öffnung trotzdem?

Ein nicht-repräsentativer Test der Saarbrücker Zeitung hat ergeben, dass die Mehrheit der Radfahrer mittags an einem normalen Arbeitstag lieber die Gehwege statt der neuen Radspuren nutzt. Nur 25 der 61 überquerenden Fahrradfahrer nutzten die Radspuren. Thomas Fläschner, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Saar, kann das „gut nachvollziehen.“ Die Nutzung entspreche den Erwartungen des ADFC. Solange sich die Radfahrer auf den Gehwegen an die Schrittgeschwindigkeit halten, spreche nichts gegen die Nutzung, meint Fläschner. Man könne nicht von jedem Fahrradfahrer erwarten, sich sicher genug für die Radwege zu fühlen.

Er selbst habe beim täglichen Überfahren der Brücke „keine gefährlichen Situationen erlebt.“ Auch Harald Kreutzer vom Saarbrücker Radelkollektiv ist mit den neuen Wegen zufrieden. Negative Erfahrungen von Leuten, die die Spuren nutzen, seien ihm nicht bekannt: „Ich erlebe die Autofahrer alle als sehr rücksichtsvoll.“ Dass viele Radfahrer weiterhin die Gehwege nutzen, sieht er indes als „stadtweites Problem, das nicht an der Wilhelm-Heinrich-Brücke liegt“. Die meisten Fahrradfahrer würden sich dort schlicht sicherer fühlen und Radwege generell kaum nutzen.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) im Saarland sieht sich derweil in seiner ursprünglichen Kritik an den neuen Fahrradwegen bestätigt. Als „nicht gegeben“ hatte Wilfried Pukallus, Vorstand für Verkehr des ADAC Saar, die Sicherheit der Radfahrer auf der Brücke im Oktober des letzten Jahres bezeichnet.

„Aus der Tatsache, dass jeder zweite Radfahrende lieber den Gehweg“ nutzt, schließt er, dass seine damalige Einschätzung „von rund der Hälfte der auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke fahrenden Radfahrern geteilt wird“. Eine statistische Erfassung würde den „Konfliktbereich Kraftfahrzeuge – Radfahrende“ nicht umfassend abbilden, da „Beinahe-Unfälle, Gefährdungen und Behinderungen“ nicht in Unfallstatistiken einfließen würden. Wenn Radfahrer nun überwiegend den Gehweg nutzen, stütze das seine Einschätzung daher besser „als jede andere Statistik.“

Dass die Stadt Saarbrücken mit den Radfahrstreifen „die Verkehrswende vorantreiben“ möchte und eine vermehrte Nutzung alternativer Verkehrsmittel anregen will, unterstütze der ADAC aber grundsätzlich. Gerade die Verbindung zwischen der HTW in Alt-Saarbrücken und dem Universitäts- und Wissenschaftscampus im Stadtwald mache die neuen Radwege sinnvoll, sagt Pukallus weiter. Bezüglich der Anbindungen seien die Radwege aber noch ausbaufähig, meinen sowohl Fläschner als auch Kreutzer. „Radwege, die im Nichts enden“, würden laut Fläschner auch zu einer geringeren Nutzung der Spuren auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke führen. Verlängerungen in die anliegende Hohenzollernstraße und die Heuduckstraße bezeichnet deshalb auch Kreutzer als „wünschenswert.“

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