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Leben ohne Plastik
Netzwerk gibt Tipps zu fairem Konsum

Melanie Malter-Gnanou (links) und Ulrike Dausend vom Netzwerk Entwicklungspolitik packen eine plastikfreie Kiste für die Montessori-Schule in Friedrichsthal, wo die Kinder bis Ostern auf Plastik verzeichten.
Melanie Malter-Gnanou (links) und Ulrike Dausend vom Netzwerk Entwicklungspolitik packen eine plastikfreie Kiste für die Montessori-Schule in Friedrichsthal, wo die Kinder bis Ostern auf Plastik verzeichten. FOTO: Heiko Lehmann
Saarbrücken. Initiative in Saarbrücken erklärt unter anderem, wie man Plastikmüll im Alltag vermeiden kann. Von Heiko Lehmann

  Kerzen auf alten Flaschendeckeln, Fotos, die auf Pappe geklebt sind, und Tragetüten, die aus alten Zeitungen gebastelt wurden – beim Netzwerk Entwicklungspolitik in Saarbrücken wurde gestern eine große Kiste ganz ohne Plastik zusammengestellt. „Die Kiste ist für die Montessori-Schule in Friedrichsthal. Die Kinder machen dort bis Ostern Plastikfasten und wir unterstützen sie mit Tipps und Ideen“, sagt Melanie Malter-Gnanou. Sie ist ein Teil des Netzwerkes Entwicklungspolitik im Saarland (NES). Ulrike Dausend ist seit dem Jahr 2009 Geschäftsführerin des NES, das ein Dachverband für 42 Mitgliedsvereine und 70 Einzelpersonen ist.


„Im Prinzip wollen wir, dass die Menschen verstehen, wie das globale Netzwerk funktioniert. Fairtrade ist dabei ein wichtiges Thema, weil es eben sehr griffig ist und in aller Munde“, sagt Ulrike Dausend, die aber auch weiß: „Alle Länder sind noch sehr weit davon entfernt, nachhaltig zu agieren. Viele Menschen wissen noch gar nicht, wie sie mit ihrem Verhalten dazu beitragen, dass es anderen Menschen auf der Welt schlecht geht“, erklärt die NES-Geschäftsführerin.

In Geschäften hierzulande ist oft sehr gut gekennzeichnet, welche Produkte von ihrer Entstehung bis zum Konsumenten fair gehandelt wurden, sodass Menschen bewusst diese Produkte kaufen können. Aber der Fairness-Gedanke ist weitaus komplexer. Ulrike Dausend gibt Beispiele: „In Südamerika werden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, damit große Konzerne an die Lithium-Abbaugebiete kommen. Lithium ist für jedes Handy zwingen notwendig. Jetzt stellt sich die Frage, ob wir wirklich immer das neueste Handy auf dem Markt brauchen und so diese Menschenvertreibung durch unser Handeln immer mehr forcieren“, sagt die 51-Jährige, die das Handy-Beispiel sinnbildlich für die gesamte Elektrobranche ins Feld führt.



Zehn Angestellte und 15 Honorarkräfte hat das NES, das sich aus Geldern des Bundes, des Landes und von Stiftungen finanziert. Im Jahr 2017 besuchte das NES etwa 700 Schulen und konfrontierte die Kinder mit der Konsumrealität und zeigte ihnen Verbesserungsvorschläge.

Auch die Städte und Kommunen nimmt Ulrike Dausend dabei in die Pflicht. „Von ihnen geht eine große Signalwirkung auf die Menschen aus. Kommunen, die beispielsweise nur fair gehandelten Kaffee ausschenken, werden auch darüber nachdenken, umweltfreundliches Papier in ihren Drucker zu verwenden. Und so wird dieser Umweltgedanke mit der Zeit immer größer.“

Für Erwachsene bietet das NES ebenfalls Vorträge an, zum Beispiel zu den Themen Landwirtschaft oder Konsum. Jeden letzten Samstag im Monat gibt es vom NES in Saarbrücken einen konsumkritischen Stadtrundgang, bei dem die Konsumprobleme der Gesellschaft direkt vor Ort aufgedeckt und angesprochen werden. Auch einzelne Gruppen können sich für einen solchen Stadtrundgang anmelden. „Wir hatten sogar schon eine Geburtstagsgesellschaft, die sich angemeldet hat. Insgesamt hat sich das Bewusstsein der Menschen hin zu Fairtrade oder fairem Konsumverhalten schon sehr verbessert, aber es gibt immer noch jede Menge zu tun“, so Dausend.