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Plage in Saarbrücken
Jäger: Urwald treibt Wildschweine in die Stadt

Vagabundierende Wildschwein-Rotten gefährden mittlerweile auch den Straßenverkehr in der Saarbrücker Innenstadt. Unser Foto entstand im südbrandenburgischen Senftenberg. 
Vagabundierende Wildschwein-Rotten gefährden mittlerweile auch den Straßenverkehr in der Saarbrücker Innenstadt. Unser Foto entstand im südbrandenburgischen Senftenberg.  FOTO: dpa-Zentralbild / Z1050 Steffen Rasche
Saarbrücken. Kritik an Jagdverbot vor den Toren Saarbrückens. Jäger Robert Leppert: Natur reguliert sich nicht mehr selbst. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Wildschweine rücken Städtern auf die Pelle. In Saarbrücken klagen Menschen zunehmend über Rotten, die gepflegte Gärten in durchfurchte Äcker verwandeln. Gefährlich wird’s, wenn Tiere plötzlich Autobahnen überqueren – auch in der City.


Einen Auslöser für die enorme Zunahme an Schwarzkitteln, die zumeist in der Nacht durch die Landeshauptstadt streifen, sieht Robert Leppert im Urwald vor den Toren der Stadt. Denn dort dürfen er und seine Kollegen nicht mehr jagen. Das beklagt der Stadtjäger. „Die Natur wird sich dort selbst überlassen“, sagt er. In der Hoffnung, dass sie sich selbst reguliert. Dies allerdings sei ein fataler Irrglaube. Leppert: „Dafür hat der Mensch bereits zu stark eingegriffen.“ So gebe es in dem seit Anfang der 2000er geschützten Areal keine natürlichen Feinde, die die Wildschweinpopulation im Zaum hält. Die Zahl der Borstentiere steige seitdem kontinuierlich. Und weil es ihnen im Urwald zu eng werde, suchten sie Platz in benachbarten  Revieren wie Sulzbach, Quierschied und eben in Saarbrücken. Er bezeichnet darum den Urwald als das „Kernproblem“.

„Das ist wie bei den Krähen, die unter Naturschutz stehen“, kritisiert der 42-Jährige. Sie würden nun zur Plage unter anderem für Feldhamster und Singvögel, dürften aber weiterhin nicht gejagt werden.



Was den Abschuss von Wildschweinen in städtischen Gebieten betrifft, seien aus gutem Grund enge Grenzen gesetzt. In „befriedeten Gebieten wie Gärten und Straßen“ dürfe zum Schutz der Menschen kein Tier mit dem Gewehr erlegt werden. „Ich überlege mir an den Orten, wo es erlaubt ist, wie am Eschberg jeden Schuss ganz genau“, sagt Leppert. So könne es passieren, dass eine das Ziel verfehlende Kugel auf einen Stein trifft und abgelenkt wird. Das müsse ein Jäger sehr wohl in Betracht ziehen, wenn er Wildschweine in der Stadt erlegen will.

Zusätzliche Probleme bereite die Jagd im Wald. Da die Tiere nachtaktiv sind und im Sommer Bäume mit ihrem Laub auch bei Vollmond wenig Licht durchlassen, klappe die Jagd nur mit einer Taschenlampe. Aber: „Die Schweine gewöhnen sich daran und wissen bald, was ihnen blüht, wenn sie das Licht bemerken. Dann hauen sie sofort ab.“ Deshalb setze die Vereinigung der Jäger des Saarlandes darauf, dass das Saarland Nachtsichttechnik zulässt. Zurzeit bestehe dazu ein Pilotprojekt in Bayern, um den Einsatz zu proben. Die Jägerinnung verhandle zurzeit mit dem Saarland darüber. Eine Entscheidung stehe noch aus.

Wer sein Grundstück wildschweinsicher machen will, dem bleibt aus Lepperts Sicht nichts anderes übrig, als bis zu 15 Zentimeter im Boden eingelassene Gatterzäune, damit die Wildschweine nicht aufs private Terrain gelangen. Wegen des hohen Energiebedarfs lehnt er Elektrozäune zur Abwehr ab. Diesen Vorschlag hatte eine Sprecherin des Saar-Umweltministeriums zuletzt unterbreitet. Grundsätzlich bleibe Leppert dabei: „Wir müssen die Population mit Effektjagd begrenzen.“ Nur so bekomme Saarbrücken die Lage wieder in den Griff.

Stadtjäger 
Robert Leppert.
Stadtjäger Robert Leppert.