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Der Kultur-Newsletter kann den Kakadu nicht ersetzen
„Natürlich fehlt uns der Kakadu!“

Die Titelseite der vorletzten Ausgabe des Kakadus. Das Heft war für viele freie Künstlerinnen und Künstler eine wichtige Werbequelle.
Die Titelseite der vorletzten Ausgabe des Kakadus. Das Heft war für viele freie Künstlerinnen und Künstler eine wichtige Werbequelle. FOTO: stadt saarbrücken
Saarbrücken. Vor eineinhalb Jahren wurde der Kulturkalender Kakadu durch einen E-Mail-Newsletter ersetzt. Damals gab es einige Proteste aus der freien Szene. Wir haben nachgehört, wie die Situation heute ist. Von Susanne Brenner

Der Kakadu ist in Saarbrücken ausgestorben. Vor eineinhalb Jahren hat die Stadt ihr legendäres gedrucktes Kulturheft eingestellt. Seither soll ein Newsletter die kulturelle Szene mit ihren Konzerten, Theaterstücken, Performances, Kabaretts etc. spiegeln.


Dieser Kulturnewsletter kann auf der Internetseite der Stadt abonniert werden. Er erscheint monatlich und informiert über ausgewählte Veranstaltungen – durchaus mit einem gewissen Schwerpunkt auf den stadteigenen Angeboten.

Einen täglichen Kalender, der auch etwa interessante Termine in Merzig, Trier oder Luxemburg auflistet, gibt es nicht.



Obwohl es ruhiger geworden ist: Wirklich abgerissen ist die Kritik an der Abschaffung des Kakadu nicht. Wer sich in der Szene umhört, stellt fest, dass sich allenfalls eine gewisse resignierte Stille eingestellt hat. Wir haben nachfragt, ob denn der Newsletter den Kakadu ersetzen kann und überwiegend negative Reaktionen bekommen.

„Ich bin immer noch sehr verärgert wegen des unbegründbar dummen und auch faktisch unnötigen Kakadu-Endes“, sagt etwa der Countertenor Ralf Peter, einer der engagierten Vertreter der hiesigen freien Musik-Szene. Und er ergänzt: „Der Newsletter ist von der Wirksamkeit her ein Witz, und man kommt auch nicht automatisch rein“.

Als Beispiel nennt er ein ambitioniertes Bühnenprojekt mit Ausschnitten der im Saarland noch nie gespielten Oper „Die Gezeichneten“ von Franz Schreker, das er im letzten Jahr konzipiert hat. Der Kakadu sei für solche Produktionen stets ein gutes Schaufenster gewesen. „Im Newsletter tauchten wir, warum auch immer, nicht auf – so brachen mir die Zuschauer auf etwa die Hälfte des sonst üblichen ein“. Gerade für ambitionierte freie Projekte bedeute das „eine Marginalisierung bis zur Unsichtbarkeit“.

„Der Kakadu fehlt!“, sagt auch Veronika Haefele-Zumbusch vom Theater im Viertel (TiV). „Wir haben den Kulturnewsletter auch abonniert, er ist besser als nichts, gibt aber nur einen kleinen Überblick“. Auch werde nur der Saarbrücker Raum „bedient. „Der Kakadu gab eine Übersicht aller Veranstaltungen saarlandweit und darüber hinaus“.

Hinzu kam, meint auch sie, dass der Kakadu, weil er in Kneipen und an anderen öffentlichen Orten auslag, auch immer Menschen „en passant“ informierte. „Spielorte, Veranstaltungen wurden dabei oft nebenher entdeckt“, meint Haefele-Zumbusch und erklärt deutlich: „Der Newsletter ist in keiner Weise ein Ersatz. Der Kakadu hat die Stadt im Grunde nichts gekostet und man kann nicht nachvollziehen, warum er eingestellt wurde. Viele Künstler haben vom Kakadu als Veranstaltungskalender profitiert. Ein gewisser Rückgang an Zuschauern ist seit der Einstellung des Kakadu eigentlich nicht zu leugnen“.

Das findet auch die Mezzosopranistin Claudia Kemmerer, die unter anderem auch im Netzwerk Freie Szene aktiv ist. „Natürlich fehlt der Kakadu!“, sagt auch sie. „Der Newsletter nimmt ja nur wenige Veranstaltungen auf, viele fallen ganz unter den Tisch. Ich bin z. B. an der jährlichen Organisation der Tage Alter Musik beteiligt. Die ausgewählte Veranstaltung ist dann zwar prominent platziert, aber die anderen fallen unter den Tisch“.

Weniger Probleme mit dem Ende des Kakadu hat die Jazz-Sängerin Annika Jonsson: „Ich hatte den Kakadu irgendwie nie auf dem Schirm. Wenn ich auf wichtige Konzerte aufmerksam machen möchte, schreibe ich an die SZ, hänge Poster auf und poste auf Facebook, je nach Genre und Auftrittsort. Den Kulturnewsletter kannte ich noch gar nicht“, meint sie.

Und auch die Tanzpädagogin Seraina Stoffel (Plattform 3) sagt „den Kakadu vermisse ich nicht, ich habe ihn kaum genutzt bzw. angeschaut. Ich fand ihn nicht mehr aktuell und altmodisch“. Den Kulturnewsletter hatte sie allerdings bis zur SZ-Nachfrage noch gar nicht gekannt. Nachdem sie ihn dann gelesen hatte, meinte sie „ich finde ihn attraktiv und zeitgemäß. Also ich würde ihn nutzen, auch als Möglichkeit eigene Veranstaltungen zu platzieren“.

Da ist Barbara Scheck vom Theater Leidinger ganz anderer Meinung. „Vom Newsletter halte ich gar nichts, denn da werden nur vom Kulturamt handverlesene Veranstaltungen reingeschrieben“. Sie hat auch einen Extra-Tipp: „Das plurio.net des Kultusministeriums wäre optimal, wenn es bekannter wäre und man auch im Netz darauf stieße, wenn man nach etwas sucht. Ich hab‘s probiert, aber es funktioniert leider nicht“.

 Der Jazz-Posaunist Christof  Thewes bläst sozusagen ins selbe Horn: „Da ich, was Printmedien angeht, ein sehr konservativer Mensch bin, fehlt mir der Kakadu sehr. Ich habe ihn als Informationslektüre immer sehr genossen, weil nunmal Zeitschriften, Zeitungen und Bücher viel schöner sind als die digitalen Informationsmöglichkeiten“. Und er hat dazu ein gewichtiges Argument fürs Gedruckte: „Die digitalen Informationen, die extrem leicht herzustellen und zu verschicken sind, tauchen in einer so großen Menge auf, dass man sie sowieso nicht mehr liest“.

Papier ist Christina Tsiakiris, Sängerin und Konzertveranstalterin (Café de Paris) nicht so wichtig. Sie wirbt für einen „digitalen Kakadu“. „Ich fand am Kakadu gut, dass man einen gesammelten Überblick über die Veranstaltungen der Großregion hatte, das wäre wichtig“. Ob das auf Papier oder digital ist, wäre ihr egal.

Lothar Bayer vom Kunstwerk Malzeit meint kurz und knapp: „Es ist schon ein bissl armselig das Kulturangebot und damit auch die vielschichtige Kulturszene der Landeshauptstadt in einem Newsletter zu präsentieren“.

Auch der Kantor der Basilika St.  Johann und Chef der Musikfestspiele Saar, Bernhard Leonardy ist kein Fan des Kulturnewsletters. „Ein Newsletter, wie beispielsweise bei uns bei den 1000 Mitgliedern der Musikfestspiele, informiert sozusagen immer nur intern, die Insider und Freaks. Quereinsteiger, die für den guten Besuch einer Veranstaltung absolut unerlässlich sind, werden nicht erfasst. Wir leben nicht in einer Millionenmetropole, Zusammenarbeit der Kulturanbieter zumindest in einer kooperativen Broschüre tut daher Not.“ Leonardy hat sogar einen konkreten Vorschlag: „Vielleicht wäre es eine Überlegung, die wichtige Aufgabe eines Kakadu einer Mitarbeiterin unserer Musikfestspiele bei einem kleinen Zuschuss der öffentlichen Hand mit zu übertragen“. Dazu argumentiert er sogar vogelkundlich, denn (vgl. Wiki): „Die Arten sind durch Lebensraumvernichtung bedroht. Ursache von Bestandsrückgängen kann der Rückgang an geeigneten Brutbäumen sein. . . .“.

Den Kulturnewsletter findet man im Internet unter www.saarbruecken.de/kultur. In der rechten Leiste gibt es dort einen Link, unter dem man sich anmelden kann. Dann bekommt man die Info automatisch monatlich gemailt.