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Lärm und Gestank
Nadelöhr A 620: Skepsis, rasch Lösung zu finden

Nicht nur zu Hauptverkehrszeiten wie auf diesem Archivbild stören sich Saarbrücker an der Stadtautobahn. Lärm und Abgase sorgen bei Kritikern für Unbehagen. Abermals wurde deswegen der Vorschlag laut, die verkehrslastige Tangente in einen Tunnel zu verlegen.   
Nicht nur zu Hauptverkehrszeiten wie auf diesem Archivbild stören sich Saarbrücker an der Stadtautobahn. Lärm und Abgase sorgen bei Kritikern für Unbehagen. Abermals wurde deswegen der Vorschlag laut, die verkehrslastige Tangente in einen Tunnel zu verlegen.   FOTO: BeckerBredel / BeckerBredel/ck
Saarbrücken. Ein generelles Nein, die Stadtautobahn in einem Tunnel verschwinden zu lassen, bleibt aus. Aber wie und wann das Projekt starten könnte, darauf will sich keiner festnageln lassen. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Tunnel, Röhre, Deckel – die Vorschläge, wie die innerstädtische Autobahn als wichtige Verkehrsachse erhalten und zugleich aus dem Blickfeld verschwinden könnte, sind mannigfaltig. Zuletzt setzte das Saarbrücker Bürgerforum auf eine Art Glasschlauch, der weniger Geld als bei bisherigen Ideen verschlingen soll. Doch was diese preisgünstigere Variante genau kosten könnte, bleibt in diesem Stadium offen. Und auch, ob diese überhaupt zu realisieren ist.


Daran hat Torsten Reif erhebliche Zweifel. Denn der Chef der Grünen-Stadtratsfraktion habe sich bereits bei Genehmigungsbehörden umgehört. Dort sollen ihm Mitarbeiter klipp und klar zu verstehen gegeben haben: „Dieser Plan ist nicht genehmigungsfähig.“ Grund für diese negative Ersteinschätzung: Der Bürgerplan sehe bei Saar-Hochwasser Klappen vor, damit die Fluten auf die A 620 ausweichen können. „Die sind wie Brückenpfeiler Hindernisse, in denen sich Treibgut bei Hochwasser verfangen kann“, erläutert der Kommunalpolitiker.

Gleichwohl sehe er die Notwendigkeit, „die Belastung der Innenstadt durch Lärm und Umweltbelastung zu reduzieren“. Dabei sei eine „Einhausung“, wie er es nennt, ideal. Doch statt solch eines rasch forcierten Bauprojektes sei der bessere erste Schritt ein Tempolimit. Seine Partei wolle dafür die Lärm- und Schadstoffbelastungen entlang der Autobahn messen lassen.



Gedämpfte Reaktionen auf den jüngsten Bürgerplan kommen auch von der SPD. Obwohl deren neuer Fraktionschef Mirco Bertucci vorausschickt: „Grundsätzlich begrüßen wir den Vorschlag und haben schon Kontakt mit dem Bürgerforum aufgenommen.“ Ebenso wie die Kollegen von der CDU. Deren bau- und verkehrspolitischer Sprecher Hermann Hoffmann hält sich bis zu diesem Termin allerdings mit öffentlichen Stellungnahmen zurück. „Wir werden uns gemeinsam mit der Idee beschäftigen, bevor wir an die Presse treten.“

Anders Bertucci. Er hält den neuerlichen Entwurf für einen „ganz interessanten Ansatz, der auch sicherlich günstiger ist“ als der einstige bislang verworfene Tunnelplan. Dabei sieht er mehrere Partner in der Verantwortung: Stadt, Land und Bund müssten gemeinsam agieren, schon allein wegen der Finanzen. Zudem gebe es einen weiteren Beweggrund, warum dies nicht in der alleinigen Verantwortung Saarbrückens liegen könne: „Die Stadtautobahn gehört trotz des Namens nicht Saarbrücken. Wir haben da wenig Möglichkeiten.“ Es bleibe eine Bundesautobahn.

Ähnlich sieht es Peter Buwen, Geschäftsführer bei der Linken-Fraktion. „Hier muss Hilfe aus Berlin kommen, das kann die Stadt nicht allein stemmen.“ Dabei sieht er Versäumnisse der vergangenen Jahre, entsprechende Umbaupläne in den Bundesverkehrswegeplan für das Saarland aufzunehmen.  Hochwasser-, Lärmschutz sowie eine verbesserte Aufenthaltsqualität müssten in das Vorhaben einfließen.

Ablehnend steht indes die Fraktion der Liberal-Konservativen Reformer (LKR) einer Tunnellösung gegenüber. Fraktionschef Sven Wagner  sieht das Projekt gestorben. Zuerst müssten Brücken saniert und als Umgehung für den Schwerlastverkehr die Südtangente realisiert werden. Erst dann sei es sinnvoll, wieder darüber nachzudenken. Sonst drohe ein Verkehrschaos.

Mit dem neuerlichen Vorstoß, die A 620 einzupacken, will die Bürgerinitiative die Lebensqualität und das Erscheinungsbild am Fuße der Schlossmauer verbessern (wir berichteten).