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Poetry-Slam: Nachwuchs-Poeten überzeugen auf der Bühne 

Poetry-Slam : Nachwuchs-Poeten überzeugen auf der Bühne 

Die Gesamtschule Rastbachtal hat ihren ersten Poetry- und Science-Slam veranstaltet. 20 Schüler haben mitgemacht.

„Zu selten“ heißt der Text, den Carina Cremers gerade vorträgt. Zu selten mache sich die moderne Gesellschaft Gedanken über die wichtigen Probleme des Lebens, zu oft werde sich auf Lifestyle und Status konzentriert. Die 17-Jährige spricht sich aus gegen die Oberflächlichkeit der Generation Snapchat, und das in Form eines lyrischen Vortrages. Damit ist sie hier genau richtig, beim ersten Poetry- und Science-Slam an der Gesamtschule Rastbachtal. Doch was ist das überhaupt? Ein Poetry-Slam ist ein Dichterwettstreit, bei dem die Autoren ihre selbst verfassten Texte in einer bestimmten Zeit vor dem Publikum vortragen müssen, und das Ganze ohne Hilfsmittel. Bei den Themen gibt es keine Vorgaben; sie können witzig, nachdenklich oder traurig sein. Beim Science-Slam ist es ganz ähnlich, dort sind es statt Dichtern allerdings (Nachwuchs-)Wissenschaftler einer bestimmten Fachrichtung. Diese stellen die Ergebnisse ihrer Forschung zu einem bestimmten Thema dar. Allerdings nicht in verstaubten Fachbegriffen, sondern unterhaltsam und verständlich, so dass auch ein fachfremdes Publikum die Ergebnisse ohne Probleme verstehen kann. Dabei sind Hilfsmittel, wie Präsentationen, allerdings erlaubt. Bei beiden Slams entscheidet zum Schluss eines jeden Vortrages das Publikum. Wer den meisten Applaus bekommt, gewinnt.

Gewinner und Verlierer gibt es bei der Veranstaltung im Rastbachtal allerdings nicht. „Dabei sein ist alles“ lautet hier das Motto. Wer sich mit den Themen so stark auseinandergesetzt hat, für den ist das Gelernte Lohn genug. Ins Leben gerufen wurde der Slam von Mathe- und Physiklehrer Florian Kern. Der 27-jährige war zum Ende seines Studiums selbst Science-Slammer. Mit seinen Beiträgen zur digitalen Bildverarbeitung reiste er durch ganz Deutschland und stand überall auf Bühnen. „Viel Überzeugungsarbeit musste ich für meine Idee an der Schule nicht leisten“, sagt er. Auch nicht bei den Schülern. Über 20 Schüler und Schülerinnen nahmen ihren Mut zusammen und trugen ihre Texte auf der Bühne vor, von Klassenstufe 6 bis 13. Zwei Schüler der Klassenstufe 13 konnte Florian Kern dazu bewegen, einen wissenschaftlichen Slam-Beitrag zu übernehmen. Die beiden 18-jährigen Martin Maurer und Daniel Melchior wollten eine App entwickeln, mit der sich Fotos mit verschiedenen Filtern bearbeiten lassen. Ganz geklappt hat das nicht, einiges über Mathematik und Physik haben die beiden trotzdem gelernt. Auch wie man eine Präsentation vor einer vollen Aula hält.

Lehrer Florian Kern hat es zwar mit seinen Wissenschaftsbeiträgen sogar ins Finale nach Berlin geschafft, ihren Anfang nahm seine Slam-Karriere trotzdem hier in Saarbrücken beim Dichterdschungel in der Camera Zwo. Dort möchte in Zukunft auch Carina Cremers auftreten. Ihr Auftritt hier in der Schule war so etwas wie ihre Generalprobe. Dass sie eigentlich total nervös ist bei solchen Auftritten, ist ihr egal. „Ich war zwar so nervös, dass ich sogar gezittert habe“, sagt sie. „Aber das habe ich einfach ausgeblendet, weil mir das, was ich mit meinen Texten sagen will, einfach wichtiger ist.“