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Sicherheit in Saarbrücken
Mehr Messerattacken: Oberbürgermeisterin fordert erneut zusätzlich Polizei

Zahl der Messerattacken ist gestiegen, besonders in Saarbrücken. Das ruft die Politik auf den Plan (Symbolbild).
Zahl der Messerattacken ist gestiegen, besonders in Saarbrücken. Das ruft die Politik auf den Plan (Symbolbild). FOTO: picture-alliance/ dpa / Ingo Wagner
Saarbrücken . Die Zahl der Straftaten, bei denen ein Messer zum Einsatz kam, ist nach statistischen Angaben besonders in der Saarbrücker Innenstadt gestiegen. Hier konzentrierten sich die Fälle. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Mehr Polizeipräsenz in den Nachtstunden: Diese Forderung hat Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) wiederholt. Anlass ist die Sonderauswertung des saarländischen Innenministers Klaus Bouillon (CDU) zu Straftaten mit Stichwaffen und Messern. Demnach gab es zwischen Januar 2016 und Ende April 1141 Anzeigen wegen des Einsatzes oder Mitführens von Messern. Die Tendenz: steigend. 70 Prozent der Straftaten gehen demzufolge auf Deutsche zurück.


Charlotte Britz (SPD, Bildmitte) forderte bereits vor wenigen Tagen mehr Polizei am Abend und während der Nacht.
Charlotte Britz (SPD, Bildmitte) forderte bereits vor wenigen Tagen mehr Polizei am Abend und während der Nacht. FOTO: Iris Maria Maurer

Schwerpunkte: Bahnhof, Kaiserviertel, Johanneskirche



Dabei konzentrierten sich die Fälle auf die Saarbrücker City: Hauptbahnhof, Kaiserviertel und Johanneskirche. Britz fühlt sich durch diese Auswertung in ihrer subjektiven Wahrnehmung bestätigt. Das hatte sie einige Tage zuvor bereits bei einem Gespräch mit dem SZ-Ältestenrat gesagt.

Saarbrückens SPD-Fraktionschef Mirco Bertucci: mehr Polizei ja, Kritik an Videoüberwachung.
Saarbrückens SPD-Fraktionschef Mirco Bertucci: mehr Polizei ja, Kritik an Videoüberwachung. FOTO: Robby Lorenz

Verstärkt abends und nachts Kontrollen

Die Rathauschefin geht davon aus, dass dieses Problem zu bewältigen sei. Allerdings verlangt sie dazu: „Wir benötigen vor allem mehr Polizistinnen und Polizisten in der Innenstadt und insbesondere in den Abend- und Nachtstunden.“

Kritik an ausufernder Videoüberwachung äußert Grünen-Vizefraktionchef José Ignacio Rodriguez Maicas.
Kritik an ausufernder Videoüberwachung äußert Grünen-Vizefraktionchef José Ignacio Rodriguez Maicas. FOTO: http://creativecommons.org/licen / bartjez photography berlin

Oberbürgermeisterin: Bereits erste Erfolge

Zwar habe Innenminister Bouillon die Polizeipräsenz als Teil der Sicherheitspartnerschaft mit der Stadt tagsüber „sichtbar verstärkt“. Zudem kümmere sich eine neue Fahndungs- und Aufklärungseinheit Straßenkriminalität (FASt) darum, Straftaten vorzubeugen und aufzuklären. Das Sicherheitsgefühl der Saarbrücker gewinne indes mit mehr Polizeipräsenz abends und nachts an neuralgischen Stellen.

Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU) wiederholte nach der Präsentation der Kriminalitätstatistik zu Messerangriffen seine Forderung nach Kameraüberwachung an neuralgischen Plätzen.
Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU) wiederholte nach der Präsentation der Kriminalitätstatistik zu Messerangriffen seine Forderung nach Kameraüberwachung an neuralgischen Plätzen. FOTO: dpa / Oliver Dietze

SPD: Gegenwehr zur Videoüberwachung

Bouillon hält indes an der geplanten Videoüberwachung an Brennpunkten wie Johanneskirche und Bahnhofsvorplatz fest. Kritik dazu kommt von Mirco Bertucci, SPD-Fraktionschef im Saarbrücker Stadtrat. Zwar sei eine Videoüberwachung „nie unser Herzensthema“ gewesen, schreibt er in einer Mitteilung. Jedoch: „Wir haben in den letzten Jahren viele Ankündigungen und Konzepte von Bouillon gehört. Was wir aber dringend brauchen sind Taten.“ Innerhalb zwei Jahren habe er es nicht hinbekommen, seine beiden Kamerastandorte in Saarbrücken umzusetzen. Ursprünglich habe er weitere Standorte vorgesehen.

Unterstützung für Oberbürgermeisterin

Gleichzeitig unterstreicht Bertucci die Forderung der Oberbürgermeisterin nach mehr Polizisten am Abend und in der Nacht. Denn: „Abends und nachts ist die Lage aber nach wie vor schwierig. Hier gibt es Bedarf.“

Innerstädtische Wachen erhalten

Zusätzliche Planstellen bei der Saar-Polizei sowie dem Erhalt der Wache in der Karcherstraße statt „ausufernder Videoüberwachung“ verlangen die Grünen im Stadtrat. „Der saarlandweite Anstieg von Messerattacken im öffentlichen Raum macht deutlich, dass die Polizeipräsenz vor Ort, vor allem in den Abend- und Nachtstunden, intensiviert werden muss“, heißt es in einer Mitteilung des Vize-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, José Ignacio Rodriguez Maicas. Wegen der aus seiner Sicht dringend erforderlichen Vor-Ort-Präsenz halte seine Partei an der Dienststelle in der Karcherstraße fest — auch nach dem Bau der Großinspektion in der Mainzer Straße, die mehrere bisherige Dienststellen in der Innenstadt zusammenfassen soll (wir berichteten).

Kritik am Wegzug der Bereitschaftspolizei

Kritisch sieht er den geplanten Wegzug der Bereitschaftspolizei aus St. Arnual nach Kirkel. Dies hatte auch Oberbürgermeisterin Charlotte Britz zuletzt bei der SZ beanstandet. Stattdessen setze der Grünen-Politiker auf sichtbare Präsenz: „Wir brauchen generell mehr Fußstreifen, die von ausgebildeten Polizeibeamtinnen und -beamten zu leisten sind.

Grüne: Kameras Eingriff ins Grundrecht

Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen „mag zwar die Aufklärungsquote ein Stück weit verbessern und auch präventiv wirken. Demgegenüber stellt sie jedoch einen erheblichen Grundrechtseingriff dar und erzeugt den Eindruck, dass wir unter einer ständigen Bedrohung leben“.