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Neues Gemälde vom Saarbrücker Ehrenbürger Willi Graf
Mutiger Kämpfer gegen die Nazis

Ein Portrait des Widerstandskämpfers und Saarbrücker Ehrenbürgers Willi Graf wurde im Festsaal des Saarbrücker Rathausesvorgestellt. Im Bild: Künstlerin Juliana Hümpfner mit dem Gemälde.
Ein Portrait des Widerstandskämpfers und Saarbrücker Ehrenbürgers Willi Graf wurde im Festsaal des Saarbrücker Rathausesvorgestellt. Im Bild: Künstlerin Juliana Hümpfner mit dem Gemälde. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Er war einer der mutigsten Saarbrücker. Bis heute ist Willi Graf Vorbild für Menschen, die sich gegen Diktatur und Gewalt wehren. Jetzt hat die Stadt Saarbrücken ihrem Ehrenbürger ein Gemälde gewidmet. Von Becker & Bredel

() Er war Mitglied der Widerstandsgruppe Die Weiße Rose und wurde von den Nazis hingerichtet. Der Saarbrücker Willi Graf ist Vorbild für viele und Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Seit Dienstag hängt nun auch sein Porträt in der Galerie der Ehrenbürger in der Nähe des Rathaus-Festsaals. Die Künstlerin Juliana Hümpfner hat es gemalt im Auftrag der Stadt Saarbrücken.


Im Rahmen einer Feierstunde im Festsaal stellte am Dienstag Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, gemeinsam mit Juliana Hümpfner und dem Willi Grafs Neffen Joachim Baez das neu geschaffene Portrait vor.

Das 100 x 80 Zentimeter große Gemälde zeigt Willi Graf im Halbportrait mit Pfeife im Mund. „Um sich in die weiteren Portraits einzureihen sollte neben der Vorgabe der Größe das Bild nicht nur den Kopf sondern auch einen Teil des Oberkörpers zeigen“, erklärte Juliana Hümpfner.

Als Vorlage diente ein Foto Willi Grafs aus dem Bayrischen Landesarchiv. Dabei war es gar nicht so einfach ein passendes Bild zu finden, denn es sollte kein Bild in Uniform oder aus der Gefangenschaft als Vorlage dienen.

„Mit der Pfeife tat ich mich anfangs schwer. Erst war sie auf dem Bild, dann wieder weg“, erzählte Hümpfner bei der Feier. „Als ich dann aber sah, dass alle männlichen Mitglieder der weißen Rose Pfeife rauchten war für mich klar, dass sie auf das Bild gehört.“



Charlotte Britz würdigte in ihrer Rede das konsequente und furchtlose Eintreten Willi Grafs gegen den NS-Staat und seinen aktiven Widerstand gegen die NS-Diktatur: „In Saarbrücken erinnern viele Hinweise an Willi Graf, dem mutigen Widerstandskämpfer. Er ist im Gedächtnis der Menschen in seiner Heimatstadt fest verankert“.

Nach Willi Graf sind in Saarbrücken zwei Schulen benannt. Im Stadtteil St. Johann trägt eine Straße seinen Namen. Seit September 2013 heißt die untere Berliner Promenade im Bereich von der Congresshalle bis zum Beginn des Stadens Willi-Graf-Ufer. Am Johannishof in der Mainzer Straße, dem Ort, an dem er viele Jahre seiner Kindheit und Jugend verbrachte, wurde eine Gedenkplatte angebracht. „Das nun geschaffene Gemälde ist ein weiteres Zeugnis für sein konsequentes und furchtloses Eintreten gegen den NS-Staat und seinen aktiven Widerstand gegen die NS-Diktatur“, so Britz.

Der Widerstandskämpfer Willi Graf wurde am 2. Januar 1918 in Kuchenheim bei Euskirchen geboren. Zusammen mit seinen Eltern kam er als Kind 1922 nach Saarbrücken, besuchte hier die Schule und legte 1937 am Ludwigsgymnasium sein Abitur ab. Danach absolvierte er den Reichsarbeitsdienst in Dillingen/Saar und begann mit dem Medizinstudium in Bonn.

Nach der Zwangsauflösung der bisherigen Jugendverbände unter dem Nazi-Regime war Willi Graf dem „Grauen Orden“, einem Zusammenschluss konfessionell geprägter Jugendlicher, beigetreten. Als die Gestapo den „Grauen Orden“ entdeckte, wurde Graf für einige Wochen inhaftiert.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er als Sanitätssoldat auf verschiedenen Kriegsschauplätzen eingesetzt. Zur Fortsetzung seines Medizinstudiums wurde er im April 1942 zu einer Studentenkompanie nach München abkommandiert. Hier schloss er sich der „Weißen Rose“ an, einer studentischen Widerstandsgruppe um Hans und Sophie Scholl und Alexander Schmorell, in der Hoffnung, die Grausamkeit des Krieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vorzeitig beenden zu können.

Nach dem Abwurf von Flugblättern am 18. Februar 1943 wurden zuerst Hans und Sophie Scholl verhaftet, am Abend des gleichen Tages auch Willi Graf und seine Schwester Anneliese. Nur vier Tage später wurden die Geschwister Scholl verurteilt und hingerichtet. Willi Graf wurde nach 250 Tagen in der Todeszelle des Gefängnisses München-Stadelheim am 12. Oktober 1943 mit dem Fallbeil enthauptet.

Am 12. Oktober 2003 wurde Willi Graf posthum zum Saarbrücker Ehrenbürger ernannt. Seine durch Spenden finanzierte Büste befindet sich im Treppenaufgang des Rathauses St. Johann. 2010 wurde ein viel beachteter Film veröffentlicht, der sein Leben nachzeichnet: „Willi Graf – Zivilcourage und Widerstand“. Die Landeshauptstadt Saarbrücken pflegt sein Grab auf dem alten Friedhof St. Johann. Jedes Jahr wird an seinem Todestag dort ein Kranz mit weißen Rosen niedergelegt.

Im Jahr 2018 gedenkt die Landeshauptstadt ihres Ehrenbürgers mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Anlass sind die Jahrestage seines 100. Geburtstags und des 75. Todestages. Am Willi-Graf-Gedenkjahr beteiligen sich zahlreichen Institutionen. Die Willi-Graf-Schulen, das Dekanat Saarbrücken, die Katholische Kirchengemeinde St. Johann, die Kirche der Jugend eli.ja (Pfarrhaus St. Elisabeth), der Welt:raum am St. Johanner Markt und das Café Exodus-Café für Jugendkultur widmen Willi Graf in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen im Willi Graf-Gedenkjahr und eine Broschüre mit biografischen Informationen gibt es im Internet unter www.saarbruecken.de/willigraf.