| 20:28 Uhr

Eiskalt erwischt
Mit Eislauf-Ikone auf abschüssiger Bahn

Marina Kielmann braucht den Pinguin natürlich nicht wirklich, um auf dem Eis zu tanzen.  Sie ist schließlich Profi-Eisläuferin.
Marina Kielmann braucht den Pinguin natürlich nicht wirklich, um auf dem Eis zu tanzen.  Sie ist schließlich Profi-Eisläuferin. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Ein Besuch im „Eispalast“ am Saarbasar. Trotz schlechten Wetters kommen viele Läufer. Im nächsten Winter soll es weitergehen.  Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Schlittschuhlaufen – ein Vergnügen, das für die meisten Saarländer seit Jahren mit Aufwand verbunden ist. Denn wer auf Kufen seine Bahnen übers Eis ziehen will, muss  jenseits der Landesgrenze unterwegs sein, zu den nächstgelegenen Hallen entweder nach Luxemburg (Remich) oder in die Pfalz nach Zweibrücken ausweichen.


Ansonsten können Eislaufsportler, wenn sie denn in ihrem Heimatland dem Hobby frönen wollen, nur auf mobile Eisbahnen setzen. Die sind jedoch eher rar gesät. Wie zurzeit das als  „Eispalast“ titulierte Angebot auf dem Parkplatz vor dem Saarbrücker Saarbasar. Die Anlage auf Zeit steht noch bis einschließlich 18. Februar bereit.

Dass es keine ständige Einrichtung, keine funktionierende Eissporthalle mehr im kleinsten Flächenbundesland Deutschlands gibt, bedauert Eiskunstläuferin Marina Kielmann außerordentlich. „Der Nachwuchs muss ins Nachbarbundesland ausweichen. Das ist wirklich kaum zu glauben.“ Die Strecken, die Saarländer gezwungenermaßen zu den Hallen in Kauf nehmen müssen, schränkten die Nachwuchsförderung ein, meint  die Sportlerin.

Kielmann, die 1979 in Saarbrücken deutsche Jugendmeisterin wurde, ist heute Eiskunstlauftrainerin und setzt  auf junge Talente. Die hätten es aber schwer, seit die Eishalle in Saarbrücken 2005 dicht gemacht hat. Und für die letzte verbliebene in Dillingen sieht es ebenfalls schlecht aus. Sie ist seit dem Vorjahr geschlossen. Ob sie je wieer als Eisarena öffnet, ist wegen erheblicher Sanierungskosten aktuell ungewiss.

Dabei gebe es durchaus Potenzial, wie auch ihr Bruder Sven Kielmann registriert. Er ist für die Technik der Eislaufbahn vor dem Saarbasar verantwortlich und der Grund dafür, warum die Olympiateilnehmerin in Saarbrücken übers Eis gleitet. „Wenn hier Schulklassen oder Hobbymannschaften sind, haben die Läufer unendlich viel Spaß“, berichtet der Experte, der selbst einst Eiskunstläufer war. Menschen bewegten sich, täten so  spielerisch etwas für ihre Gesundheit, ergänzt seine Schwester. „Und Eislaufen geht bis ins hohe Alter“, ist sie überzeugt.



Dass es trotz anfänglichen  Holperns Spaß bereitet, beweist ein Mädchen, das sich zum ersten Mal auf die rutschige weiße Fläche wagt. Ines Gherradi ist gerade mal fünf Jahre und hält sich an einem Stützpinguin fest, den sie vor sich herschiebt. Er soll ihr Halt bieten. Doch da hauen ihre Beine ab – plumps, fällt sie auf die Knie, fängt sich mit den Händen ab. Es dauert nicht lange, da lächelt sie und lässt sich von Papa Ihsane aufhelfen. Was nun ihn zu Boden reißt. Wie ein Käfer liegt er von einer Sekunde auf die andere auf dem Rücken. „Ja, ich stehe heute auch zum ersten Mal auf Schlittschuhen“, sagt der junge Mann, als  er sich aufgerappelt hat. Dennoch hat er seine Tochter aufs Glatteis geführt. „Am Mittag, wenn noch nicht so viele Menschen da sind, um sich nicht zu blamieren“, ergänzt er und blickt schelmisch drein.

Profi Marina Kielmann schaut den Beiden aus Saarbrücken  zu und lässt sich behutsam zu ihnen treiben. Sie beugt sich zu der Kleinen runter und gibt ihr Tipps, wie sie am besten vorwärts kommt. In diesem Augenblick gerät der Papa wieder aus der Bahn. Abermals grüßt er den kalten Untergrund.

Mit den Ratschlägen der einstigen Eiskunstlauf-Wettkämpferin legt Ines  los, traut sich innerhalb kürzester Zeit immer mehr zu. Während Papa Ihsane die Bande als rettenden Anker vorzieht und aus sicherer Entfernung zuschaut.

Und jetzt legt auch Kielmann los. Sie hebt mit Leichtigkeit ein Bein wie bei einer kunstvollen Darbietung. Nur mit dem klitzekleinen Unterschied: Sie albert für die Fotoaufnahmen, stützt sich dabei ebenfalls auf einen Rutschpinguin für blutige Anfänger. Ohne sich abzustoßen, beginnt sie, wie von Geisterhand angetrieben, aus dem Stand über die Bahn zu gleiten. Sie lacht und ruft über die Fläche: „Ich möchte nur noch Eisbahnen mit Gefälle.“ In der Tat: Die Saarbrücker Bahn ist ein wenig abschüssig. Was aber dem Spaß auf dem Eis keinen Abbruch tut.

Das sollen auch die Besucherzahlen beweisen, wie Saarbasar-Manager Fabian Stölzle berichtet. „Trotz des Wetters waren seit dem Start am 19. Januar mehr als 2000 Gäste da.“ Denn an vielen Tagen bestimmten Sturm und Regen das Bild, was eher nicht zum Schlittschuhlaufen einlud. Gleichzeitig seien für die Jahreszeit zu hohe Temperaturen eine logistische Herausforderung. Dennoch ist der Cheforganisator zufrieden.  Auch wenn er bei diesem Marketing-Angebot drauflegen wird – er rechnet mit Kosten in sechsstelliger Höhe und mit einem Zuschussgeschäft –, soll das Eislaufangebot keine Eintagsfliege bleiben. „Ja, wir wollen eine Eisbahn im nächsten Jahr wieder anbieten“, kündigt Stölzle an, während auch er sich aufs Glatteis traut. Ganz bedächtig.

Kaum spricht er’s aus, fängt es schon wieder an zu regnen. Für Marina Kielmann der Zeitpunkt, ihre Schuhe in den Koffer zu packen. „Ich werde jetzt kochen“, kündigt sie an. Für ihren Bruder und sich selbst. „Kochen ist so etwas Schönes“, sagt sie leidenschaftlich. Und es gibt einen triftigen Grund: Der einstige Eislaufstar feiert just an diesem Tag Geburtstag, den 50.

Öffnungszeiten: bis Sonntag, 18. Februar, täglich von 11 bis 21 Uhr.  Schlittschuh-Verleih wird auch angeboten.

FOTO: Iris Maria Maurer
SZ-Redakteur Matthias Zimmermann wagte sich auch selbst aufs Eis – unterstützt von Marina Kielmann.
SZ-Redakteur Matthias Zimmermann wagte sich auch selbst aufs Eis – unterstützt von Marina Kielmann. FOTO: Iris Maria Maurer
FOTO: Iris Maria Maurer
FOTO: Iris Maria Maurer
FOTO: Iris Maria Maurer