Mit 70 ist noch lange nicht Schluss

Saarbrücken. Nicht alltäglich, dass man heute nach einem aufreibenden Arbeitsleben mit 65 in die Politik einsteigt, quasi das parlamentarische Geschäft von der Pike auf lernt. Er ist das persönliche Abenteuer eingegangen, hat im vorgerückten Alter noch die politische Schulbank gedrückt: Saar-Linken-Chef Rolf Linsler, der heute 70 Jahre alt wird

Saarbrücken. Nicht alltäglich, dass man heute nach einem aufreibenden Arbeitsleben mit 65 in die Politik einsteigt, quasi das parlamentarische Geschäft von der Pike auf lernt. Er ist das persönliche Abenteuer eingegangen, hat im vorgerückten Alter noch die politische Schulbank gedrückt: Saar-Linken-Chef Rolf Linsler, der heute 70 Jahre alt wird. Und er hat gleich eine dreifache Aufgabe geschultert: Parteivorsitzender, Vizepräsident im saarländischen Landtag und Fraktionschef im Saarbrücker Stadtrat. Die Frage, ob er sich nicht vielleicht etwas zu viel zumute, winkt Linsler gelassen ab. Natürlich mache das eine Menge Arbeit, aber so lange er sich gesund und munter fühle, es ihm Spaß mache und er draußen im Land bei den Bürgern aller Altersgruppen gut ankomme, bleibe er politisch am Ball.Der jung gebliebene Siebzigjährige, der in den 80er und 90er Jahren als ÖTV- und später Verdi-Landeschef die Gewerkschaftsarbeit an der Saar prägte, hat sich durch die politischen Führungsämter nicht verbiegen lassen. Sympathisch-bodenständig ist er geblieben, ein kumpelhafter Typ, der seine gewerkschaftlichen Wurzeln nie verbergen konnte und wollte. Eine Fünf auch mal gerade sein lassen, das kann Linsler. Man kennt ihn aber auch hinter den Kulissen als hartnäckigen Verhandlungspartner. Das muss selbst sein politischer Mentor und ehemalige Ministerpräsident Oskar Lafontaine erfahren, als es im Januar 1995 um Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst geht und der damalige Verdi-Vormann zu großem Kampfesmut aufläuft.

Wechsel zu den Linken

Eine Zäsur im politischen Leben Linslers gibt es im Jahre 2007, als er nach 35-jähriger Parteizugehörigkeit den Sozialdemokraten den Rücken kehrt. Schröders Agenda-Politik mit seinen Hartz-IV-Verwerfungen sind für den Gewerkschaftsmann mit dem sensiblen Gespür für Gerechtigkeit nicht mehr akzeptabel. Lange überlegt er, dann wendet er sich den Linken um Oskar Lafontaine zu, der bereits 2005 sein SPD-Parteibuch abgab. Der profilierte Gewerkschaftler ist dort höchst willkommen. Sorgt der Wechsel doch für Wirbel im Lager der Sozialdemokraten, zumal in der Zeit danach zahlreiche Genossen es Linsler gleichtun.

Viele Hände wird der Politiker und achtfache Großvater heute schütteln und gute Wünsche entgegennehmen. Der Familienmensch Linsler weiß auch dann wieder seine Frau Ursula an seiner Seite. Und sie wird - wie so oft in der Vergangenheit - mal wieder die Aufgabe eines Chauffeurs gerne übernehmen. gp

Foto: Silz/dapd