Ilga Röder, „Minn Kaschballe“ und viele andere Projekte Bei ihr sind sogar die Katzen mehrsprachig

Saarbrücken · Sie malt, spricht mehrere Sprachen, übersetzt und schreibt Gedichte. Eine Begegnung mit Ilga Röder, bei der es auch um Katzen geht.

 Ilga Röder malt, spricht mehrere Sprachen, übersetzt und schreibt Gedichte.

Ilga Röder malt, spricht mehrere Sprachen, übersetzt und schreibt Gedichte.

Foto: Sebastian Dingler

Was für Schabernack Hauskatzen so den lieben langen Tag treiben, sofern sie nicht ihrer Lieblingsbeschäftigung namens Schlafen nachgehen, kann man sich in unzähligen Videos auf der Internet-Plattform YouTube anschauen.

Aber auch in der Literatur spielen die charakterstarken Vierbeiner eine große Rolle: Das geht vom gestiefelten Kater über T. S. Eliots Sammlung von Katzenversen (Old Possum’s Book of Practical Cats), die Grundlage des Musical Cats ist, bis hin zu Akif Pirinçcis Katzenromanen („Felidae“).

Doch dreisprachig dürfte bisher noch keine Katzenliteratur herausgebracht worden sein: Dieses Kunststück haben die Forbacher Schriftstellerin Annette Philipp und ihre Freundin, die Saarbrücker Autorin und Übersetzerin Ilga Röder fertiggebracht. „Minn Kaschballe“ („Mein Kasperle“) heißt der Band mit 20 Katzengeschichten, die dort auf Forbacher Platt, Hochdeutsch und Französisch nachzulesen sind.

Darin sind solch typische Anekdoten zu finden wie etwa, als die Autorin stricken möchte und das Kasperle diesen Plan torpediert. Oder wie die Katze auf die Fernbedienung springt und damit das Fernsehen ausschaltet.

Geschrieben sind die Geschichten hauptsächlich in Dialogform: Annette Philipp weiß offenbar genau, was ihre Katze denkt. Sie verstehe auch sehr genau das Forbacher Platt, erzählt Ilga Röder. Die Übersetzerin kam zu dem Buch, weil beide Freundinnen beschlossen hatten, unbedingt mal wieder etwas zusammen zu machen.

Kennengelernt hatten sich beide 2004, als die Autorin Dolly Hüther französische Malerinnen mit deutschen Autorinnen zusammenbrachte. Röder hat „Minn Kaschballe“ auf Hochdeutsch übertragen, wahrscheinlich eine ihrer leichtesten Übungen. Das Forbacher Platt ist ja vom Saarbrücker Platt nicht weit entfernt.

Da hat sich die Saarländerin schon mit ganz anderen Sprachen auseinandergesetzt. Röder ist Dolmetscherin für Französisch und Englisch, darüber hinaus besitzt sie ein Zertifikat in Russisch. Heute sagt sie, dass sie Französisch und Englisch spricht ohne überlegen zu müssen.

Für Russisch und Spanisch müsse sie ein wenig überlegen, verständigen könne sie sich in Chinesisch, Sanskrit, Japanisch, Finnisch und Idonesisch. Dazu kämen noch zwei Semester Griechisch und Türkisch.

Deshalb schreibt Ilga Röder ihre Gedichte auch in vielen Sprachen. „Meine Haiku-Bücher sind zum Teil auch auf Japanisch, aber ich habe mir das von meiner Freundin korrigieren lassen“, erzählt sie.

Mit dem Gedichte schreiben begann Röder schon im Alter von zwölf Jahren. Aber erst in den Achtzigerjahren sei sie von Dolly Hüther ermutigt worden, auch mal etwas vorzutragen. Das habe sie dann gerne und immer öfter getan, meist mit der zusätzlichen Begleitung von Livemusik.

Röder hat vier Gedichtbände veröffentlicht und war in zehn Anthologien vertreten. Zwei der eigenen Bände bestehen aus den schon angesprochenen Haikus.

2017 erschien „Von einem anderen Stern“, eine Hommage an Dean Reed, der als „der rote Elvis“ in die Geschichte einging. Der von Röder bewunderte US-Amerikaner siedelte als überzeugter Kommunist erst in die Sowjetunion und dann in die DDR über, wo er 1986 wohl Selbstmord begang. „Er hat sich nicht nur feiern lassen, sondern sich für arme Leute engagiert“, begründet Röder ihre Faszination für den Sänger.

Gerade ist ihr neuer Gedichtband herausgekommen. Er trägt den Titel „Escales“, französisch für „Zwischenhalte“. Das bezieht sich auf die lange Reise, die Röder mit ihrem Sohn Stefan im Jahr 2006 gemacht hat: Damals fuhren die beiden mit dem Zug bis nach Shanghai, wobei ein Teilstück auch mit dem Flugzeug bewältigt werden musste. Zwischenhalte gab es in Moskau, am Baikalsee, in der Mongolei und in Peking.

Während die meisten Leute nach so einem Bahnmarathon zurückfliegen, fuhr Röder auch mit dem Zug zurück – die Strecke Peking-Moskau am Stück. „Reisen verbindet. / Unterwegs viele Gesichter, / Neue Gespräche“, so lautet ein dazu passender Dreizeiler. Ansonsten enthält der Band viele Liebesgedichte: „Neben dir atmen / Ich spüre deinen Herzschlag / Meinen Schlaf begleiten“. Die Autorin hat das 124 Seiten lange Büchlein im Selbstverlag herausgebracht.

Mit 71 Jahren hat sie ihr schillerndes Berufsleben längst beendet: Als Sekretärin oder mit einer eigenen Imbissbude hielt sie sich über Wasser, da die Kunst (sie malt auch und spielt mehrere Instrumente) nicht zum Leben gereicht hätte. Zuletzt arbeitete Röder als Altenpflegerin bei der Caritas. Die soziale Ader ist ihr geblieben: Sie engagiert sich ehrenamtlich bei der Obdachlosenzeitung Guddzje.

Ilga Röders Bücher „Minn Kaschballe“ und „Escales“ können über Ilga Röders Webseite bezogen werden: ilga-roeder.de

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