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Michael Hess lässt seine Krimi-Leser rätseln

Autorinnen und Autoren in der Region : Bei diesem Mann wird meistens zum Essen gemordet

Michael Hess denkt sich für „Criminal Dinners“ schaurige Geschichten aus. Die Begeisterung dafür entdeckte er schon als Kind in Klarenthal.

Michael Hess verführt Tausende Menschen dazu, bei seinen Kriminalgeschichten mit zu rätseln und mit zu fiebern, obwohl es seine Krimis nicht als Buch gibt. Denn der Autor aus Klarenthal schreibt Geschichten für „Criminal Dinners“, Veranstaltungen, bei denen die Besucher neben einem guten Essen auch eine Kriminalgeschichte vorgespielt bekommen. „Und manchmal spiele ich auch mit“, erklärt Michael Hess lachend.

Die Agentur „Erlebnisraum“, die er  gemeinsam  mit Julian Blomann betreibt, hat ihren Sitz im frisch renovierten „Zum Hirsch“ in St. Arnual, dem ehemaligen Theater Blauer Hirsch. Dort finden auch die Veranstaltungen statt. Daneben organisieren die beiden und ihr Team von mittlerweile 16 Mitarbeitern, darunter allein vier Schauspieler als Kommissare, ihre Krimi-Abende auch überregional. „2019 hatten wir 410 Veranstaltungen in Deutschland, Frankreich, Schweiz, Österreich und Luxemburg“, berichtet Hess.

Dass er einmal als Krimiautor und Veranstalter arbeiten würde, lag zwar nicht gerade nah, aber die Weichen wurden schon früh gestellt. „Meine Eltern haben mich schon als Kind in Klarenthal mit Abenteuer- und Fantasy Büchern versorgt. Und als ich noch in der Grundschule war, durfte ich den Film „Tanz der Vampire“ schauen.“  Ein weiterer Film, der ihn sehr beeindruckt hat, war „Der Hund von Baskerville“. „Von da an hatte ich ein Faible für Gruselgeschichten“. Da wundert es nicht, dass er in der siebten Klasse für eine selbstgeschriebene Gruselgeschichte sehr gelobt wurde.

Nach dem Abitur studierte er in Saarbrücken Bio-Geographie, denn Natur, Umwelt und Reisen waren Themen, die ihn ebenfalls sehr interessierten. „Ich habe schon mit 18 Jahren private Reisen organisiert. Damals ging es auf die britischen Inseln, zu den Steilküsten und Mooren. Eines meiner Lieblingsreiseziele bis heute.“

Nach seinem Studium machte er eine Weiterbildung zum Reiseverkehrskaufmann, arbeitete von 2002 bis 2008 bei einer Eventagentur in Heidelberg. „Ich habe ab den 1990er Jahren an Live-Rollenspielen teilgenommen. Dabei handelt es sich um eine Art Improvisationstheater, bei dem man für mehrere Tage in eine Rolle schlüpft. Atmosphärische Spielorte wie Burgen und ein entsprechendes Kostüm sind dabei sehr wichtig“, erklärt er.

Bei einem dieser Events hat er Julian Blomann kennengelernt. Gemeinsam bauten sie die „Agentur Erlebnisraum“ auf. „Wir haben uns die Events ausgedacht und organisiert. Das waren zuerst Live-Rollenspiele. Aber auch da mussten Geschichten geschrieben werden. Und das übernahm ich.“

So wurde Michael Hess im Laufe der Zeit zum Autor der Live-Rollenspiele, ab 2005 kamen die Krimis für die „Criminal Dinner“ hinzu. Bisher hat Michael Hess elf Krimigeschichten geschrieben, die es zwar nicht als Buch zu lesen, dafür aber live zu erleben gibt. Seine Geschichten sind meist humorvoll, eine Leiche kommt immer vor, manchmal sogar zwei, und häufig sind die Geschichten regional eingefärbt. „Bei den Geschichten denke ich mir nicht nur die Handlung aus, sondern auch die Dialoge, die Charaktere, die Requisiten und Kostüme“.

Sein erster Krimi wurde 2005 in der Cristallerie Wadgassen aufgeführt. Seither haben pro Jahr um die 30 000 Gäste bei den Criminal Dinners teilgenommen, der erfolgreichste Fall, „Das tödliche Vermächtnis“, kommt dabei auf 18 000 Gäste pro Jahr. Gerne würde der eine oder andere bestimmt auch die Krimis von Michael Hess lesen. Zumindest ein paar Geschichten gibt es jetzt immerhin gedruckt. „Christian von Aster ist ein Schriftsteller aus Leipzig, sehr renommiert in der „schwarzen Szene“, erzählt Hess. Aster hatte die Idee, zu jedem der Objekte des Abenteuermuseums des legendären  Saarbrücker Weltenbummlers Heinz Rox Schulz eine Geschichte zu schreiben. Einige der Exponate zierten nämlich bereits das Café „Baker Street“, das die Agentur in der Mainzer Straße führte, und sind  nun  mit nach St. Arnual umgezogen. „Daher handelt meine erste Geschichte, die gedruckt wurde, von dem Kompass von Heinz Rox Schulz“. Eine weitere Geschichte von Hess,  „Paradiesvogel“, ist in einer Anthologie zu lesen. Und eine dritte mit dem Titel „Eis“ wurde just in den „Basement Tales“, der kultigen Heftchen-Reihe des Saarbrücker „The dandy is dead“-Verlags gedruckt.

Gerade ist außerdem der zwölfte Fall fürs „Criminal Dinner“ fertig. „Das Geheimnis des roten Diamanten“ hat am 18. September im Wintringer Hof Premiere. Und dann verrät Michael Hess am Ende des Gesprächs, dass er schon länger an einem Buch schreibt. „Es ist eine Geschichte, die in den 20er Jahren spielt“, sagt er nur. Und sie ist – natürlich ein Krimi. 
https://criminal-dinner.de/