Michael Firmont: Ein junger Saarbrücker will Filmmusiker in Los Angeles werden

Porträt : Bei Filmen mag er „das Große, Pompöse“

Michael Firmont aus Homburg war mal Krankenpfleger, wurde dann Musiklehrer und geht nun als Filmmusik-Komponist nach L.A.

Seine Schüler werden es ihm schwerlich glauben, aber Musik hatte er selbst als Schüler abgewählt. „Ich galt als unmusikalisch und war in dem Fach der Schlechteste in meiner Klasse“, sagt Michael Firmont lachend. Dabei hat er nun ein Jahr selbst als Musiklehrer an der Montessori-Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal unterrichtet und dabei offenbar besseren Unterricht gemacht, als er selbst genossen hat: Seine Schüler schätzen ihn, und auch die Schulleitung lässt den Quereinsteiger nur ungern gehen.

Zumal Musiklehrer rar und händeringend gesucht sind: Bislang hat die Schule immer noch keinen Nachfolger gefunden, weshalb Firmont zumindest die angehenden Abiturienten noch bis November betreut. Aber dann wirft er hier alles hin und zieht nach Los Angeles, um dort weiter zu studieren und seine Karriere als Filmkomponist zu verfolgen.

Wie aber kommt‘s, dass ausgerechnet ein als hoffnungslos unmusikalisch Gescholtener zum erfolgreichen Musikpädagogen und zunehmend international gefragten Filmkomponisten avanciert? Zumal, wenn er nach dem Abi erst mal Krankenpfleger gelernt und anschließend fünf Jahre lang in der Onkologie eines großen Klinikums in Kaiserslautern gearbeitet hat?

Eine geradlinige Biographie kann man dem 1987 geborenen Firmont, aktueller Wohnsitz Homburg, nun wirklich nicht vorwerfen. „Ich habe immer schon intensiv Musik gehört, aber nie ein Instrument gespielt“, erzählt er. „Von meinem ersten Ausbildungsgehalt hab ich mir dann aber eine E-Gitarre gekauft. Und damit nahm das Elend seinen Lauf.“ Denn seine Leidenschaft für die sechs Saiten wuchs, und nach ungefähr zwei Jahren übte Firmont wie ein Besessener – bis zu neun Stunden am Tag, trotz Beruf.

Und nach vier Jahren, in denen er sich das Gitarrespielen – rein autodidaktisch, wohlgemerkt – selbst beigebracht und auch schon selbst Gitarre unterrichtete hatte, beschloss er, Profimusiker zu werden. Sehr zum Leidwesen seiner entsetzten Mutter.

Nur was genau er studieren wollte, dass wusste er zunächst nicht. Gitarre? Komposition? Schließlich machte Filmkomposition das Rennen, und 2013 setzte Firmont zum ersten Mal seine sichere Existenz aufs Spiel: Er quittierte den Dienst im Krankenhaus, absolvierte ein Vorstudium in Bonn und wechselte danach ans ArtEZ Konservatorium im holländischen Arnheim.

Das Ganze finanzierte er über Auslands-Bafög – und über erste Projekte, die er am PC mit virtuellen Instrumenten realisierte und deren Honorare er wiederum in weiteres teures Hard- und Software-Equipment investierte.

Wie aber kommt man als angehender Filmkomponist an Aufträge? Indem man, berichtet Firmont, auf zahlreiche Veranstaltungen und Festivals geht, Kontakte knüpft und CDs mit Arbeitsproben verteilt. Indem man tollkühn sämtliche Professoren an allen Filmmusik-Fakultäten weltweit anschreibt.

Und indem man fleißig alle verfügbaren Social Media Kanäle nutzt: „Ich bin über Facebook an unglaubliche viele Sachen ran gekommen, sogar an ganze Spielfilme“, sagt Firmont.

Beim Studium lernte er auch seinen Kompagnon Lars Hempel kennen, mit dem er eine Art „überörtliche Kompositionspraxis“ betreibt – Hempel wohnt in Hamburg und geht nun zum Weiterstudieren nach London. Zusammen decken Hempel & Firmont eine große stilistische Bandbreite ab; sie vertonen Kurz- und Langfilme verschiedener Genres, Computerspiele und Dokus und konnten schon einige größere internationale Projekte in Deutschland, Kalifornien, England und Asien an Land ziehen. Dass beide jetzt schon einer aufstrebenden Filmkomponistin in LA assistieren, sei bei der Acquise durchaus hilfreich, meint Firmont.

Seinen Bachelor machte er mit Auszeichnung und gewann allein in diesem Jahr gleich drei Preise, zuletzt beim slowakischen FMC (Film Music Contest). Zu seinen musikalischen Vorlieben zählen Metal, Fusion, Klassik und Jazz. Bei Filmmusiken liebt er „das große Pompöse“, etwa die Kombination von Orchestralem mit Heavy Metal. „Bei John Williams geht mir das Herz auf!“ strahlt Firmont.

Über das Arbeitspensum und den Schlafmangel, die ihn in Kalifornien erwarten, macht er sich keine Illusionen – Bereitschaftsdienst kennt er ja aus dem Krankenhaus, aber der sei in der Filmbranche noch viel krasser: „Der Stress ist weitaus schlimmer als der, den ich als Krankenpfleger oder Lehrer erfahren habe“, sagt Firmont. Dennoch: „Ich kann mir für mein Leben nichts anderes vorstellen!“

Deshalb verlässt er nun die Montessori-Schule, wenn auch nur sehr schweren Herzens. Eigentlich war die Stelle, die er recht flott über eine Initiativbewerbung ans Bildungsministerium ergatterte, lediglich als sinnvolle Überbrückung und Verdienstmöglichkeit zur Finanzierung des teuren Studiums in Los Angeles gedacht. Aber dann fand Firmont viel Spaß daran, bei den Kindern und Jugendlichen unentdeckte Potenziale frei zu schaufeln: „Niemand ist unmusikalisch!“, bekräftigt Firmont. „Freude und Leidenschaft sind das Wichtigste, was es zu vermitteln gilt.“

Eigentlich, bekennt er, sei die Arbeit an dieser Schule ein Traumjob: „Nette Schüler, liebe Kollegen – es gab keinen Tag, an dem ich nicht gern hingegangen bin.“ Dagegen ist das Abenteuer LA der Sprung ins kalte Business-Wasser eines Haifischbeckens. Firmont: „Das Wasser ist relativ klar, aber tief.“

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