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Ludwigspark
Ein Stadion, das doch fast nur Fans hat

 Baustelle Ludwigsparkstadion, hier ein Blick auf die Osttribüne, aufgenommen am 13. Februar. 
Baustelle Ludwigsparkstadion, hier ein Blick auf die Osttribüne, aufgenommen am 13. Februar.  FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Mehrheit im Stadtrat macht Weg frei für weiteren Umbau des Ludwigsparks. Aber noch fehlen zwei Millionen Euro. Von Patric Cordier

Am Ende waren im Stadtrat alle irgendwie schon immer für den Umbau des Ludwigsparks. Selbst jene, die sich in der Sondersitzung am Dienstag der Stimme enthielten oder gar gegen die von der Stadtverwaltung vorgelegten Finanzierungspläne für das mittlerweile auf 38 Millionen Euro angewachsene Projekt stimmten (wir berichteten). „Für uns ist eine finanzielle Grenze überschritten. Unsere Ablehnung richtet sich nicht gegen den Ludwigspark, den 1. FC Saarbrücken oder die Bürger der Landeshauptstadt“, begründete José Maicas von den Grünen die Ablehnung durch seine Fraktion. „Die CDU im Land hat die Stadt im Stich gelassen. Man hätte sicher den ein oder anderen Scheck ausstellen können. Das können sie ja sonst auch gut.“


Das Land hatte zu Beginn des Projekts erklärt, es werde wegen europäischer Richtlinien das Vorhaben mit höchstens 15 Millionen Euro fördern. Inzwischen ist diese Fördergrenze auf 30 Millionen Euro erhöht.

Die angesprochenen Christdemokraten machten mit ihrer Enthaltung bei den notwendigen Änderungen im Haushalt den Weg frei für die Ausschreibung der Stadiondächer. „Die rot-rot-grüne Koalition im Stadtrat ist faktisch am Ende. Sie hat keine eigene Mehrheit mehr“, sagte Oberbürgermeister-Kandidat Uwe Conradt (CDU). Er versuchte offenbar, auch bei den gut 30 anwesenden FCS-Fans mit dem legendären 6:1 über Bayern München vom 16. April 1977 zu punkten: „Jeder in dieser Stadt weiß, was da gewesen ist. Am Ende hat das Saarland gegen Bayern gewonnen. Es geht um Strahlkraft für unser Land.“



SPD-Amtsinhaberin Charlotte Britz sagte am Dienstag versöhnlich: „Fast alle im Rat haben Verantwortung übernommen. Wir haben den Ministerpräsidenten angeschrieben und gute Gespräche geführt“, sagte Britz und verwies auf die Vorgänger von Tobias Hans: „Bei Peter Müller hieß es, es gibt mehr Geld. Bei Kramp-Karrenbauer dann weniger. Vor der letzten Landtagswahl hat sich niemand zu dem Projekt bekannt, und darum musste man die Ausschreibung stoppen.“

Die Stadtverwaltung bemühte sich zu betonen, dass alle Maßnahmen, die wegen der Stadionfinazierung verschoben worden seien, zu einem späteren Zeitpunkt doch noch kommen. Wie zum Beispiel die Sanierung der Luisenbrücke, die nun für 2021 vorgesehen ist.

So sahen letztlich viele der Beteiligten die Sondersitzung als Erfolg. Doch es blieben Fragen offen. Noch sind erst 36 Millionen Euro durchfinanziert, die fehlenden beiden Millionen gilt es, bis zum Sommer über Investoren, Sponsoren, Vermarktung oder eben doch mit Hilfe des Landes sicherzustellen. Dabei ist nicht sicher, ob die 38 Millionen ausreichen. Denn schon oft haben Ausschreibungen nicht in den Rahmen gepasst. Und selbst wenn der Endpreis nun gehalten und die Baumaßnahme im Mai 2020 abgeschlossen wird, bleibt die Forderung, zu ermitteln, wo die Gründe und die Verantwortung für die Kostenexplosion denn nun gelegen haben. „Es geht um Steuergelder“, sagte Patricia Schumann von den Linken.