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Manuel Krass lässt Grenzen in der Kunst keinen Platz

Musikerinnen und Musiker im Regionalverband : Kreativer Kopf zwischen den Kunstformen

Manuel Krass lässt Grenzen in der Kunst keinen Platz.

„Mein Credo liegt im Interdisziplinären: Ich bin der festen Überzeugung, dass Grenzen gerade in der Kunst keinen Platz haben. Innerhalb der Musik vermischen sich die Genres ohnehin, und im Zusammenführen verschiedener Kunstformen liegt ein enormes Potential, das ich erforschen möchte.“

Das sagt der Saarbrücker Jazzpianist und Bühnenkünstler Manuel Krass, Jahrgang 1988, der sich als „kreativen Kopf im Raum zwischen den Kunstformen“ sieht. Entsprechend zieht es den Absolventen der Hochschule für Musik Saar (HfM) in den Sparten-übergreifenden Bereich: „Schauspiel und Musik kann ich anbieten, aber wenn das durch Video-Kunst, Installation, Tanz, Licht oder digital-interaktive Konzepte erweitert wird, entstehen wundervolle Dinge“, schwärmt Krass. Bekannt wurde er mit seinem Trio „Krassport“; er gewann den „Grand Prix“ und den „Prix du public“ beim Internationalen Wettbewerb „Tremplin Jazz d’Avignon“ in Südfrankreich wie auch den Förderpreis des Internationalen Jazzfestivals St. Ingbert.

Aus der Feder des Tausendsassas, der in der freien Szene als Komponist, Arrangeur, Bühnenmusiker und Schauspieler in Erscheinung tritt, floss bereits auch eine Ballettmusik (zu „Silent Mov(i)e“) für die Donlon Dance Company des Saarländischen Staatstheaters (SST).

Seit 2012 erfüllt Krass einen Lehrauftrag für Jazzpiano, Ensemble, Harmonielehre und Gehörbildung an der HfM und hat die hauseigene Bigband, das HfM Jazz-Orchestra, unter seinen Fittichen.

Für den Sohn eines Berufsmusikers war „Musik praktisch immer da“, erzählt Krass: „Ich erinnere mich dunkel, dass ich als vermutlich Dreijähriger mit einer roten Plastikklarinette in irgendeinem Musikverein, den mein Vater dirigiert hat, ‚mitgespielt‘ habe.“

Ab fünf folgten dann mehrere Jahre lang klassische Klavierstunden: „Wirklich froh gemacht hat mich das aber nicht; ich habe mit dem Unterricht aufgehört und mich dann etwa mit elf dem Jazz zugewandt, da war ich weitgehend Autodidakt, aber in verschiedenen Bands unterwegs – bis ich mit dem Studium begonnen habe.“

Bereits während der Ausbildung an der Musikhochschule stellten sich internationale Erfolge mit „Krassport“ ein, das Debütalbum des Dreiers wurde für den Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert und in der „Frankfurter Allgemeinen“ und dem „New York Cadence Magazine“ positiv besprochen.

Als eine seiner zentralen aktuellen Unternehmungen nennt der Tastenkönner „BLANKX“, ein elektronisches Groove-Improvisationsduo mit dem Luxemburger Schlagzeuger Michel Meis. „Vor allem sind die meisten meiner Projekte aber inzwischen nicht mehr rein musikalisch“, sagt Krass: „Ich arbeite schon seit einigen Jahren mit hiesigen Theaterakteurinnen und -akteuren wie Eveline Sebaa, Petra Lamy oder Martin Huber und bin dort meist in einer Doppelrolle als Musiker und Schauspieler eingespannt.“

Ins Schauspiel sei er „irgendwie reingerutscht“, bekennt der Musikus, der obendrein bei der aktuellen Performance des Ensembles „Die Redner“ mitwirkt und hier aus dem Bordbuch des Christoph Columbus rezitiert.

Neben den „klassischen Brot-und-Butter-Kategorien, also Konzerten, Aufführungen und Unterrichten“, habe er „viele kleinere Einnahmequellen: „Ich spreche Werbung und Off-Texte zum Beispiel für Imagefilme ein, notiere für Verlage Musik aus handschriftlichen Manuskripten, mache Auftrags-Arrangements für verschiedene Besetzungen und noch vieles mehr.“

Dass er so breit aufgestellt ist, kommt Krass nun in der Corona-Krise zugute: „Ich habe im Großen und Ganzen Glück gehabt. In der letzten Woche, bevor die Theater und Clubs geschlossen wurden, habe ich noch einen Workshop gemacht und drei Aufführungen in der Alten Feuerwache gespielt. Dann hat die Soforthilfe des Landes überbrückt, und aktuell kann ich zumindest an der HfM etwas arbeiten, auch wenn das die laufenden Kosten bei weitem nicht deckt. Es ist ein Flickenteppich, und Existenzangst ist ein echtes Thema“, sagt der Profi.

„Gleichzeitig weiß ich aber auch um Kolleginnen und Kollegen, die viel stärker auf den Dienstleistungs-Sektor wie Musik für Hochzeiten et cetera setzen und denen die komplette Saison ersatzlos weggefallen ist.“

Was würde er von der öffentlichen Hand wünschen? „Eine klare Ansage, eine mittelfristige Perspektive und eine Form der Unterstützung, die nicht an der Realität vorbeigeht.“

Ein Manko sei: „Beispielsweise darf die Soforthilfe des Bundes auch von freiberuflichen Künstlern nicht zur Deckung der Lebenserhaltungskosten genutzt werden, sondern nur für betriebliche Ausgaben, die die allerwenigsten KünstlerInnen nennenswert haben. Und das Corona-Kultur-Stipendium des Ministeriums für Bildung und Kultur dürfen nur die beantragen, die weder vom Land noch vom Bund Soforthilfe bekommen haben – ich persönlich kenne keinen selbstständigen Kulturschaffenden, auf den das zutrifft.“

Glücklich schätzt sich Krass, dass „ein nicht unerheblicher Anteil meines pädagogischen Schaffens an der Musikhochschule passiert. Das ist eine enorm schöne Arbeit, die mich erfüllt; und die Zusammenarbeit mit Oliver Strauch, dem aktuell einzigen Professor der Jazz-Studiengänge, ist eine sehr fruchtbare“.

Und sogar für ein Steckenpferd bleibt dem Vielseitigen Zeit: „Das ist auch recht wichtig, finde ich: Wenn man sein Hobby zum Beruf macht, ist selbst der Traumjob manchmal einfach ein Job. Als Ausgleich zur Bühne bin ich passionierter Lego-Bauer. Inzwischen hat Lego die Produktpalette mit Blick auf Erwachsene erweitert; und mich bringt das in einen super Entspannungsfluss, wenn ich Steine aufeinanderstecke.“

Dass einer wie Krass „trotz Corona neue Projekte und Stücke in der Pipeline“ hat, versteht sich fast von selbst. Am Samstag, 20. Juni, um 20 Uhr lässt er sich mit der Berliner Sängerin Vasiliki Roussi und dem Akkordeonisten Vassily Dück mit einem Edith-Piaf-Programm im Autokino am Merziger Zeltpalast hören.

www.manuelkrass.de