Manfred Ziegler aus Güdingen ist Ehrenpräsident der Saarraketen

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht hält jung : Mit 81 ist noch lange nicht Schluss

Die Fastnacht hält Manfred Ziegler von den Güdinger Saarraketen in Schwung. Seine Frau brachte ihn zur Narretei.

Mucksmäuschenstill war es am vergangenen Montagabend in der Güdinger Festhalle. Eine Computerstimme zählte von zehn auf null rückwärts, dann gab es einen lauten Knall, und unterlegt mit  irischer Volksmusik öffnete sich der große Vorhang der Bühne. Zum Vorschein kam ein wunderbares Bühnenbild im irischen Stil mit allerlei spannenden Einzelheiten. Was die Güdinger Saarraketen in jedem Jahr mit ihrem Bühnenbild veranstalten, ist einmalig.

Viele Vereine schmücken die Bühne in ein paar Stunden. In Güdingen dauert das Wochen. „Man muss ehrlicherweise dazu sagen, dass uns die Festhalle seit Weihnachten zur Verfügung steht und wir sehr viel Zeit zum Arbeiten haben“, erklärt Manfred Ziegler. Er ist Ehrenpräsident der Güdinger Karnevalsgesellschaft Saarraketen und verteilte am Montag beim Ordensabend die neuen Sessionsorden an die Mitglieder.

„Bei uns ist das relativ einfach. In jedem Jahr haben wir montags vor unserer ersten Kappensitzung den Ordensabend. Das ist schon seit Jahren so und hat sich prima eingebürgert“, sagt Manfred Ziegler. Bei den Saarraketen herrschen klare Strukturen und Ordnung. Ein Verdienst des 81-Jährigen, der 40 Jahre lang Elferratspräsident in Güdingen war (vermutlich Saarlandrekord). 13 Jahre war er Präsident des Gesamtvereins. Seine Frau hat ihn vor 46 Jahren mit zu den Saarraketen geschleppt. Manfred hatte gar keine andere Chance, als auch Mitglied zu werden. „So war das damals, Aber ich bereue es keinen Tag. Die Fastnacht ist etwas ganz Tolles, jede Veranstaltung macht großen Spaß“, sagt der Ur-Güdinger. Seine Arbeit lag neben dem Moderieren der Sitzungen in der Organisation und in der Verwaltung.

Als Ulknudel oder bei Tänzen stand Manfred Ziegler nie auf der Bühne. „Ich bin ehrlich. In der Bütt und bei Tänzen bin ich eine absolute Null. Das war nie was für mich. Ich habe geholfen, die ein oder andere Büttenrede zu schreiben, aber damit war es dann auch gut“, erzählt der ehemalige Lehrer an den Saarbrücker Wirtschaftsschulen.

Er hat in den 1980er-Jahren Sitzungen mit 400 Leuten in der Güdinger Festhalle erlebt. Damals waren die Hallen noch von Zigarettenrauch gefüllt. Jeder, der Lust hatte, rauchte, und auf dem Tisch lagen Papiertischdecken. „Es ist nie etwas passiert. Heute dürfen wir aus Brandschutzgründen nur noch 260 Gäste pro Kappensitzung reinlassen“, sagt der Ehrenpräsident. Auch die Musik ist teurer geworden. „Wir bezahlen 457,38 Euro pro Kappensitzung an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema). Wir haben drei Sitzungen, das ist viel Geld“, sagt Ziegler. Doch die Saarraketen haben alle Verwaltungshürden genommen und präsentieren dem Publikum in jedem Jahr aufwändig gestaltete Sitzungen. So auch in diesem Jahr: Am heutigen Freitag, am 8. und am 15. Februar. Am 2. Februar ist Seniorensitzung, und am 23. Februar ist Kindermaskenball. Bei allen Veranstaltungen ist Manfred Ziegler dabei und hilft mit 81 Jahren noch, wo er kann. „Die Sitzungen sind doch die Höhepunkte der Session, und die lasse ich mir nicht entgehen. Ich bin zwar nicht mehr an vorderster Front tätig, aber dabei bin ich immer“, sagt die Obersaarrakete.