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Leben in Vielfalt
„Man darf nicht alles schönreden“

Mit Plakat-Aktionen in Saarbrücken machten Marie Gottfried, Bettina Ney und Mathias Schwemm auf das Projekt Patchworkcity aufmerksam. 
Mit Plakat-Aktionen in Saarbrücken machten Marie Gottfried, Bettina Ney und Mathias Schwemm auf das Projekt Patchworkcity aufmerksam.  FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Mit dem Projekt Patchworkcity will die Stadt eine Debatte über das Zusammenleben in Saarbrücken anstoßen. Von Alexander Stallmann

Wie multikulturell Saarbrücken tatsächlich ist, verrät ein Blick in die Statistik. Menschen aus rund 150 Nationen leben in der Stadt. Jeder Fünfte hat einen ausländischen Pass; jeder Dritte einen Migrationshintergrund. Verschiedene Sprachen, Religionen und Gewohnheiten treffen täglich aufeinander. „Das Zusammenleben in einer solchen Vielfalt ist eine Herausforderung“, sagt Veronika Kabis, Leiterin des Zuwanderungs- und Integrationsbüros der Stadt. Und mit der Frage, wie Saarbrücken und seine Bewohner diese Herausforderung stemmen können, beschäftigt sich das groß angelegte Projekt Patchworkcity. Es gehe darum, wie der Zusammenhalt in der Zivilgesellschaft gestärkt werden kann, so Kabis. Auf über 40 Veranstaltungen sollen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen in den kommenden Monaten miteinander ins Gespräch kommen. An diesem Samstag, 14. April, um 16 Uhr ist die Auftaktveranstaltung im Rathaus. Sie ist für alle Bürgerinnen und Bürger offen. Rund 50 Einrichtungen, Initiativen und Kulturschaffende beteiligen sich bereits an der Kampagne. Weitere Einrichtungen und Privatpersonen sind willkommen.


Das Projekt Patchworkcity begann 2017. Es läuft über drei Jahre. Der Bund fördert es mit insgesamt 100 000 Euro. „Wir haben im Jahr 2015 ämterübergreifend überlegt, was wir tun können, weil wir schon wussten, dass die Zuwanderung eine große Herausforderung wird“, sagt Frank Schmitz vom Amt für soziale Angelegenheiten der Landeshauptstadt. Glücklicherweise habe es damals auch gerade ein entsprechendes Förderprojekt des Bundes gegeben.

„Natürlich sind Migration und Integration die ganz großen Themen“, sagt Veronika Kabis. Aber Patchworkcity sei nicht darauf begrenzt. Es gehe auch um die Themen Behinderung, Religion, Alter und Geschlecht. Es wird etwa Veranstaltungen geben, bei denen die Teilnehmer Saarbrücken im Rollstuhl oder mit verbundenen Augen erkunden. Außerdem gibt es Veranstaltungen über Religion, bei denen jeder mitdiskutieren kann, und eine Aktionswoche zum Thema Vielfalt in der Stadtbibliothek.



Einmal in der Woche treffen sich alle, die mitmachen wollen, im Garelly-Haus in der Saarbrücker Eisenbahnstraße. Im Laufe der Woche zeigten sich die Macher der Kampagne immer wieder in der Öffentlichkeit. Sie hielten Schilder am Straßenrand hoch und verteilten Zettel mit knappen Parolen. Man wolle die Menschen auf diese Weise neugierig machen. Es sei beabsichtigt, dass die Aktion im Vorfeld ein wenig geheimnisvoll und verschleiert war, sagt Frank Schmitz.

Man dürfe sicherlich nicht alles schönreden, sagt Veronika Kabis. Die Vielfalt in Saarbrücken wirke auf einige befremdlich und löse bei manchen auch Ängste aus. Aber letztlich müsse man mit der Situation umgehen, wie sie ist. Die Menschen müssten irgendwie miteinander klarkommen, so Kabis. Mit den Veranstaltungen von Patchworkcity wolle man einen Beitrag dazu leisten, Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander zu zubewegen.

Weitere Informationen zur Kampagne Patchworkcity und zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es im Internet.