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Diskussion in der Schule
Schüler begeistern US-Diplomatin

Die Schüler steuerten kluge Fragen zum Gespräch mit der Generalkonsulin bei. Entsprechend fruchtbar war die Diskussion.
Die Schüler steuerten kluge Fragen zum Gespräch mit der Generalkonsulin bei. Entsprechend fruchtbar war die Diskussion. FOTO: Tobias Ebelshäuser / Tobias Ebelshaeuser
Saarbrücken. Neue Generalkonsulin der Vereinigten Staaten ist bei Antrittsbesuch im Saarland Gast der Gesamtschule Rastbachtal. Von Tobias Ebelshäuser

Eine der Schülerinnen sortiert ihre Karteikarten. Biologie, Genetik, es geht um Pflanzen-Kreuzungen. Später steht eine Klausur an. Doch erst einmal steht Weltpolitik auf dem Lehrplan. Patricia Lacina, die neue Generalkonsulin der USA, ist aus Frankfurt angereist, aus dem größten Generalkonsulat der Welt. Die Diplomatin ist zuständig für Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und das Saarland.


Hier ist Lacina unter anderem zum Antrittsbesuch bei Ministerpräsident Tobias Hans, inklusive Führung durch Alt-Saarbrücken. Doch erst ist sie früh am Morgen in der Gesamtschule Rastbachtal zu einer Lehrstunde in Politik und Diplomatie. Patricia Lacina war schon Diplomatin während der Präsidentschaften von George Bush, Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama, und Donald Trump ist mittlerweile ihr fünfter Präsident.

Davor hatte sie als Lehrerin gearbeitet. Unter anderem in Südamerika, wo sie ihren Ehemann kennenlernte, einen Kolumbianer, der heute ebenfalls Diplomat ist. Sie erzählt gern von ihrer Familie, von ihrer Tochter und davon, welche Chancen es für diese brachte, an Schulen voller Vielfalt im Ausland zu lernen.



Weil die Rastbach-Schülerschaft genauso vielfältig sei, besuche sie genau diese Schule. Wahrscheinlich sucht sie aufgrund ihres ehemaligen Berufes immer das Gespräch mit jungen Menschen.

Es sei wichtig, wie sich die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland entwickeln. Denn ändern könne sich das ganz schnell. Und entscheiden müssten das schließlich die jungen Leute. Also müsse man sie jetzt fragen und nicht erst, wenn sie zu alt sind. Deshalb empfängt sie nach ihrer knappen Vorstellung die Fragen der Klassenstufen 12 und 13 der Gesamtschule Rastbachtal zu genau diesem Thema.

Doch wo fängt man da an? Die deutsch-amerikanischen Beziehungen wirken strapaziert, Donald Trump scheint in Deutschland die Schlagzeilen für sich gepachtet zu haben. Eine Schülerin erzählt, sie habe immer davon geträumt, in die USA zu ziehen, wolle das jetzt aber nicht mehr. Und zwar wegen Trump, seiner Regierung und der tiefen Spaltung, die er vorantreibe.

„Dann ist es jetzt umso wichtiger, dass du dort hingehst“, entgegnet die Diplomatin der Schülerin. Denn für den Fortschritt müsse die junge Generation selbst kämpfen. Außerdem solle sie nicht den Fehler machen, Menschen in Amerika mit den amerikanischen Politikern zu verwechseln. Das Land habe 300 Millionen Einwohner. „Es gibt nichts, was du dort nicht finden wirst“, sagt sie.

Die Schüler kritisierten sehr, wie sich die amerikanische Gesellschaft entwickelt. Sie hatten Fragen zur Krankenversicherung, forderten schärfere Kontrollen von Waffenbesitzern, kritisierten Rassismus, Polizeigewalt, Sexismus. Außerdem standen die Frauenrechte ebenso auf dem Themenzettel wie die geplante Mauer zu Mexiko.

Patricia Lacina ist die Erfahrung aus drei Jahrzehnten im diplomatischen Dienst anzumerken. Die Fragen beantwortet sie diplomatisch schließlich vertritt sie ihr Land, ihre Regierung und ihren Botschafter – nicht nur ihre eigene Meinung.

Doch die Generalkonsulin der Vereinigten Staaten bleibt ihren jungen Gesprächspartnern auch Antworten schuldig. Warum Rassismus in den USA noch so ein großes Problem ist, will eine Schülerin wissen. Lacina sagt betrübt: „Ich weiß es selbst nicht.“ Als die Letzten gehen, ist der Diplomatin die Begeisterung anzusehen. Dass die Schüler so gut Englisch sprechen und ihre Fragen auf guten Vorkenntnissen fußen, hat sie wohl ein wenig überrascht. „Wahnsinn“, sagt sie. „Die geben mir echt Hoffnung für die Zukunft.“