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So macht Deutsch lernen Spaß

Malstatt. Seit drei Jahren lernen Frauen aus Malstatt im Kinderbildungszentrum (Kibiz) neben der Kirchbergschule gemeinsam Deutsch. Auch dadurch, dass sie sich gegenseitig mit den Nationalgerichten ihrer Länder bekochen. Dörte Grabbert

Lautes Frauenlachen und Stimmengewirr schallen aus der Küche des Kinderbildungszentrums (Kibiz) in Malstatt . Es duftet nach Zwiebeln, Fleisch und Minze. Es ist Mittwochvormittag, die Frauen des Deutschkurses im Kibiz haben sich zum Kochen verabredet.

Chefin im Kochring ist Djuaida Moula. Sie erteilt kurze Anweisungen an die anderen Frauen , fragt hier nach einem Backblech, erklärt dort, welches Kräutlein gehackt werden soll und wirbelt wieder herum, um den Teig für das Fladenbrot zum dritten Mal durchzukneten. Denn heute gibt es Gerichte aus ihrem Heimatland Algerien : Schorba Frik (Fleisch-Gemüsesuppe mit Kichererbsen und Weizenschrot/Frik), Bourek (Teigtaschen mit Hackfleisch), Fladenbrot, gebratene Pepperoni und einen sündhaften Pudding als Dessert.

Seit drei Jahren lernen die Frauen aus China, Südkorea, Russland, Polen, Algerien , Marokko , Spanien und Pakistan jeden Mittwochvormittag im Kibiz kostenlos Deutsch. In den drei Jahren haben sie sich schätzen gelernt, Freundschaften sind entstanden und daraus die Idee, füreinander eine Spezialität des jeweiligen Landes zu kochen - und dabei Deutsch zu lernen, ergänzt Sprachlehrerin Gisela Dobmann. Von Juni bis November kochten sie einmal im Monat reihum Leckeres aus ihrer Heimat. Daraus entstanden ist das Kochbuch "Rezepte und Geschichten - Kulinarische Reise um die Welt". Unterstützt wurde das Projekt mit 550 Euro vom Zuwanderungs- und Integrationsbüro der Landeshauptstadt. Der Rest des Geldes stammt aus Spenden und vom Diakonischen Werk an der Saar. 700 Euro hat allein der Druck der 250 Exemplare gekostet, sagt Anna Witkowska, Mitarbeiterin im Kibiz. Dazu kommt noch das Geld für die Zutaten.

Das Projekt war für die Frauen ein voller Erfolg, hat sie noch mehr zusammengeschweißt. Denn Kochen verbindet und macht in der Gruppe mehr Spaß als alleine zuhause.

"Ich hasse kochen", platzt es dann auch aus Kochchefin Djuaida Moula heraus. "Aber es schmeckt so gut", schiebt sie noch schnell hinterher. In Algerien werde jeden Tag frisch gekocht, zwei Stunden mindestens dauert die Zubereitung der unterschiedlichen Speisen. "Zwei Tage hintereinander dasselbe essen, das geht bei uns nicht", ergänzt Aisha Asmane, ebenfalls Algerierin.

Von Kochfrust ist in der Kibiz-Küche allerdings nichts zu spüren. Die Frauen lachen, scherzen, erzählen, schnippeln mit Eifer. Djuaida Moula nimmt das dritte Fladenbrot aus dem Ofen, es duftet nach Anis. Yamina Alla aus Marokko frittiert derweil die Teigtaschen (Bourek) in einer Pfanne und brät die Pepperoni. Amina Daas aus Algerien püriert die Suppe. Am Schluss wird noch der Pudding gestürzt.

Das Tagwerk kann sich sehen lassen. Stolz präsentieren die Frauen ihre Arbeit. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass es vorzüglich schmecken wird. Denn auch Essen macht genau wie Kochen und Deutsch lernen in großer Frauenrunde mindestens doppelt so viel Spaß.


Zum Thema:

Auf einen BlickDas Kochbuch "Rezepte und Geschichten - Kulinarische Reise um die Welt" gibt es für vier Euro im Kinderbildungszentrum (Kibiz) Malstatt , St.-Josef-Straße 11, Tel. (06 81) 4 16 30 00, E-Mail: kibiz-malstatt@dw-saar.de. Mit dem Geld werden Projekte des Kibiz unterstützt, auch die zweite kulinarische Weltreise, die im zweiten Halbjahr 2015 geplant ist. Träger des Kibiz ist das Diakonische Werk an der Saar.Rezepte im Buch: Dolma aus Algerien , Borschtsch aus Russland, Bigos aus Polen, Biryani und Korma aus Pakistan, Tajine und Grießbrot aus Marokko , Pi Pimpap aus Südkorea, Rinderrouladen mit Schneebällchen und Rotkraut. dög