Leere Läden nerven die Molschder

Der Handel im oberen Malstatt hat schon bessere Zeiten gesehen. Vor ein paar Jahrzehnten gab es dort fast alles. Entlang der Lebacher Straße und am Pariser Platz hatten die Ober-Molschder die Quahl der Wahl zwischen Fachgeschäften und Supermärkten. Heute sind in der Lebacher Straße so viele Ladenlokale verwaist, dass die Leerstände viel Diskussionsstoff boten. Und zwar beim ersten Bürgerforum in diesem Jahr des Vereins Malstatt gemeinsam stark (Mags).

Schauplatz war am Dienstag die italienische Mission auf dem Gelände der Pfarrgemeinde St. Paulus. Professorin Eva Hartnack, Expertin für Stadtplanung und Architektur von der HTW, referierte.

Wichtig für eine florierende Geschäftswelt sind demnach Läden, die zum Hineinschauen einladen, und eine Straße, auf die ein Blick aus diesen Geschäften sich lohnt. "Sieht man durch das Schaufenster die Auslage einer Bäckerei und die Leute darin, und blicken die aus dem Geschäft auf die Straße, dann wirkt das positiv."

Wenn das Café dann auch noch einen Außenausschank hat, sei das umso besser. Das Gegenteil bewirken Hartnack zufolge Läden, die solche Ein- und Ausblicke nicht bieten, etwa Spielhallen. Schlecht für eine Geschäftsstraße seien zu lange Passagen mit Wohnungen. Wenn dann noch Mülleimer auf dem Bordstein stehen, sei das der Atmosphäre-Killer.

Hinzu kommt der dichte Verkehr auf der Lebacher Straße: Morgens gelangen umzählige Pendler per Pkw in die Stadt, abends wollen sie wieder raus. Die Saarbahn, bequemes Transportmittel sowohl ins Zentrum als auch ins Umfeld, hat Folgen für die Lebacher Straße. Zusammen mit den Fahrbahnen für die Autos zerschneiden die Gleise das Quartier in zwei Teile. Einen weiteren Nachteil nennt Werner Lorscheider vom Stadtteilbüro: "Was hatten wir früher für breite Bordsteine. Da konnte man sich auch mal aufhalten und sprooche. Seit die Saarbahn da ist, sind die Bürgersteige doch sehr schmal geworden." Auch die Umwandlung der nicht mehr zu vermietenden Ladenlokale in Wohnraum sei nicht das Allheilmittel, sagte Eva Hartnack: "Denn das wird oft nur irgendwie gemacht, ohne den Umbau in die Fassade zu integrieren."

Da gibt Hartnack doch schon eher einer künstlerischen Nutzung den Vorzug. Die wäre auch für kleinere Brachen möglich, so wie vergangenen Sommer am ehemaligen Kiosk unterhalb der Leipziger Straße zu erleben - und bei den Forumsbesuchern noch immer in guter Erinnerung.

In dieser Zeit ist allerdings für die Vermieter nur wenig bis nichts am Ladenlokal zu verdienen. Das gilt auch für die Nutzung, für die der Verein Mags sich immer wieder gern entscheidet. Er nutzt leere Geschäftsräume, um darin Veranstaltungen und Ausstellungen für die Molschder zu inszenieren. So, wie es eine der Arbeitsgruppen am Dienstagabend ausgearbeitet hat. Demnach wird die ehemalige Reinigung an der Ecke Lebacher Straße/Im Knappenroth demnächst für einige Wochen zur Mags-Heimat, wie der Vorsitzende Siegfried Gress zum Abschluss des Forums ankündigte.

Mehr über die Aktivitäten der Malstatt-Förderer im Internet. malstatt-gemeinsam-stark.de