Kinder lassen Schlag für Schlag die Wut raus

Viele Kinder können nicht mit Enttäuschungen umgehen. Das macht sie aggressiv. Im Kinderhaus Malstatt lernen Jungen und Mädchen, ihre Wut kontrolliert rauszulassen. Damit nicht andere Kinder leiden.

Ungewöhnliche Laute dringen aus einem der Hausaufgabenräume des Kinderhauses Malstatt . Sechs Kinder halten lange Stöcke, rammen sie auf den Boden und rufen laut immer wieder: "Nein!" Peter (Name geändert) ist an diesem Dienstagnachmittag besonders wütend und schon voller Aggressionen ins Kinderhaus gekommen. Also darf er in der nächsten Übung als Erster auf die Bratze, das Schlagkissen, hauen. Ein anderes Kind hält die Bratze fest. Der erste Schlag ist noch etwas zögerlich. Nach einigen Versuchen sitzen die Treffer. Peter wirkt nun gelöster.

"Die Kinder sollen lernen, ihre Grenzen zu entdecken und ihre Wut zu regulieren", sagt Marion Backes, Trainerin für "Konzentrative Bewegungstherapie ". "Die Übungen sind bei vielen unserer Kinder sehr hilfreich", sagt Kinderhaus-Leiter Carsten Freels. Sie könnten nicht offen mit Nöten und Ängsten umgehen, was oft zu aggressivem Verhalten führe. Diese Therapieform soll daher in einem geschützten Raum das Selbstbewusstsein der Kinder stärken.

Therapie nutzt bislang allen

Die "Konzentrative Bewegungstherapie " im Kinderhaus des Diakonischen Werkes an der Saar hat als Sponsor die Victors Unternehmensgruppe. Seit 2010 finanziert Victors zum einen die Miete für das Kinderhaus. Zum anderen ermöglichte das Unternehmen ein Kochbuch, in dem die Lieblingsgerichte der Kinder gesammelt sind. So können die Familien die gesunden Gerichte, die es im Kinderhaus gibt, auch zu Haus nachkochen. Der Nebeneffekt: Die Kochbücher wurden auch in Hotels und Seniorenresidenzen verkauft. Mit dem Erlös können nun besondere Angebote im Kinderhaus finanziert werden.

Doch zurück zu Peter: Weil er mit seiner Wut nicht umgehen konnte, nimmt er sich auf Anregung von Marion Backes eine Auszeit in der Gemütlichkeitsecke. "Die Kinder haben hier die Möglichkeit, einen guten Umgang mit ihren Gefühlen zu lernen", sagt die Trainerin. Rasch hat Peter sich beruhigt und kann wieder mitmachen. Langfristig sei bei allen Kindern in der Therapie ein besseres Verhalten zu bemerken, sagt Freels. Und das freue besonders sie selbst.

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HintergrundAls Modellprojekt ist das Kinderhaus des Diakonischen Werkes an der Saar vor zehn Jahren in Malstatt gestartet. Ziel ist, Kinderarmut zu bekämpfen, Kinder zu fördern, Fehlentwicklungen vorzubeugen, damit Probleme erst gar nicht entstehen und das Jugendamt nicht eingreifen muss. Das Kinderhaus ist nach Ansicht der Diakonie als Anlaufstelle und Treffpunkt etabliert. Es fördert Kinder für bessere Bildungschancen. Sie können spielen, malen, basteln, gestalten, musizieren und vieles mehr. Dazu tragen der Regionalverband und zahlreiche Sponsoren bei. red