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Digitalisierung
Hoher Besuch an der Bruchwiesenschule

 EU-Kommissarin Marya Gabriel (Mitte) und Christine Streichert-Clivat vom saarländischen Bildungsministerium schauten den Schülern beim Lernen über die Schulter.
EU-Kommissarin Marya Gabriel (Mitte) und Christine Streichert-Clivat vom saarländischen Bildungsministerium schauten den Schülern beim Lernen über die Schulter. FOTO: Tobias Ebelshaeuser
Saarbrücken. Marya Gabriel, die EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft, hat sich in Saarbrücken informiert, wie Schüler Software zum Lernen einsetzen. Von Tobias Ebelshäuser

15 Jahre alt ist das Projekt „Lernwelt Saar“ mittlerweile. Das Projekt und die dazugehörige Software wurden seit dem Jahr 2004 an der Gesamtschule Bruchwiese in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Technologieriesen Microsoft entwickelt. Sie ermöglicht den Lehrern und Schülern, Lernthemen kreativ zu behandeln und dadurch spielerisch zu lernen. Und das sprach- und grenzübergreifend: Schüler von französischen, englischen, spanischen oder deutschen Schulen können so sehr einfach gemeinsam an Projekten arbeiten.


Wie das in der Praxis aussehen kann, davon machte sich Mariya Gabriel aus Bulgarien, seit Juli 2017 EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, am Dienstag selbst ein Bild. Vor ihrer Parlamentssitzung in Straßburg folgte sie einer Einladung an die Gesamtschule Bruchwiese in Saarbrücken.

In einem Klassensaal sitzen Schüler an Laptops, sie präsentieren dem hohen Besuch aus Brüssel, wie sie  im Unterricht die Lern-Software einsetzen. Eine der Schülerinnen ist Cindy Tai, die 17-Jährige besucht die 11. Klasse der Oberstufe.



Im Fach Geschichte lernten sie und ihre Mitschüler und Mitschülerinnen mithilfe der Lernwelt-Plattform alles zum Thema Erster Weltkriegs kennen. Trockene Fakten werden dort verpackt in spielerische Anwendungen wie Kreuzworträtsel und virtuelle Quizshows.

Fehler der Schüler werden so direkt angezeigt und können beim Lernen korrigiert werden. Am Ende des Projekts stand ein Aufsatz über den berühmten Weihnachts-Frieden von 1914, bei dem deutsche und britische Soldaten zu Weihnachten die Kämpfe einstellten. Dieser wurde in Deutsch und Französisch veröffentlicht, er entstand zusammen mit dem Lycée Henri-Nominé in Saargemünd.

Im Fach Politik vertieft die Klasse um Cindy Tai momentan die gelernten Grundlagen zum Thema Europäische Union, derzeit aber noch analog, ohne Lern-Software. Dass die EU-Kommissarin so nah an die Schüler herantritt und das Projekt der Schule so weit präsentiert wird, freut die 17-Jährige sehr. Auch weil sie selbst überzeugte Befürworterin der Europäischen Union  ist. Denn sie und ihre Mutter besitzen selbst nur einen portugiesischen Pass. „Trotzdem darf ich hier leben und zur Schule gehen“, sagt sie.

„Genau solche Projekte braucht Europa, wenn wir den Weg in die digitale Welt schaffen wollen“, sagt Mariya Gabriel in fließendem Französisch, ins Deutsche übersetzt von ihrer Dolmetscherin. Vier Sprachen spricht die Bulgarin.  Sie zeigt sich sichtlich überzeugt vom Projekt „Lernwelt Saar“. „Die Digitalisierung verändert jeden Bereich unseres Lebens“, sagt sie, „und statt auf den Zug dieses Verwandlungsprozesses nur aufzuspringen, sollten wir als Europa ihn selbst lenken.“

Auch wenn es der erste Besuch der EU-Kommissarin an der Saarbrücker Schule ist, ganz fremd ist Mariya Gabriel hier nicht. Christine Streichert-Clivot, Staatssekretärin im saarländischen Bildungsministerium, kennt Mariya Gabriel noch aus Studientagen. Im Jahr 2001 besuchten die beiden im Rahmen eines Erasmus-Jahres zusammen das „Institut d’études politiques“, eine Universität im französischen Bordeaux. „Sie ging danach den europäischen Weg“, sagt Streichert-Clivot. Dass ihre ehemalige Kommilitonin nun eine Schule in Saarbrücken besucht, sieht sie jedenfalls als ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit, die das Saarland in Sachen Digitalisierung leistet.