Verbraucherzentrale: Hilfe und Beratung für die Verletzlichen

Verbraucherzentrale : Hilfe und Beratung für die Verletzlichen

Die Verbraucherzentrale hat in Malstatt ein Büro eingerichtet, um die Menschen mit ihren Angeboten zu erreichen.

Es sind die „verletzlichen Verbraucher“, um die sich die Verbraucherzentrale Saarbrücken nun verstärkt kümmern will. „Verletzlich“ sind diejenigen, die besonders alt oder besonders jung sind, Menschen mit Beeinträchtigungen oder solche, die einen Migrationshintergrund haben wie etwa Flüchtlinge. Um ihnen zu helfen, hat die Verbraucherzentrale in der Josefstraße 1 gegenüber vom  Malstatter Markt seit Ende März eine Außenstelle eingerichtet, wo Werner Neumann und Bettina Zeller auf die Sorgen und Nöte von Verbrauchern eingehen. Etwa 40 Personen haben seitdem ihre Dienste in Anspruch genommen.

Die Außenstelle gehört zum Projekt „Verbraucher stärken im Quartier“, die der Bundesverband Verbraucherzentrale mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und den anderen landesweiten Verbraucherzentralen ins Leben gerufen hat. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt und wird mit 16 Millionen Euro vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat aus dem Programm „Soziale Stadt“ gefördert.

Grundlage ist der aktuelle Koalitionsvertrag von Union und SPD, in dem angekündigt wird, „die Initiative des aufsuchenden Verbraucherschutzes weiterzuentwickeln“.

Das ist, was Neumann und Zeller nun tun. Auf die Menschen vor Ort zugehen, die nicht den Weg in die Zentrale in der Trierer Straße finden – aus welchen Gründen auch immer. Gerade bei älteren Menschen spiele Scham eine große Rolle, wie aus der Expertenrunde zu hören war, die im Kultur- und Bürgerzentrum in der Breite 63 das Projekt vorstellte. „Wie erreiche ich die Menschen?“ sei eine der zentralen Fragen des Projekts, wie Martin Nicolay, der künftige Leiter der Verbraucherzentrale, sagt. Er wird bald auf Jürgen Zimper folgen, der die Verbraucherzentrale in Saarbrücken jahrelang geleitet hat.

Jugendliche seien zum Beispiel schwer zu erreichen, „wenn die sich in ihrem Jugendzentrum treffen, dann wollen sie dort auch ihre Privatsphäre haben“. Darum kooperiert die Außenstelle mit Kitas, Schulen, Vereinen. Und auch Kontakte zu den Kirchen sind geplant. Zu rund 40 Partnern habe man schon Kontakt aufgenommen, weitere 40 sollen folgen, sagt Neumann.

Dass Hilfe nötig ist, belegt eine Abzockmasche, die immer wieder beobachtet wird. Zurzeit werbe ein Internetunternehmen in Malstatt massiv an den Haustüren, damit die Menschen Verträge abschließen. Haben sie sich erst einmal Zutritt verschafft, schwatzen sie den Verbrauchern oft noch einen Stromvertrag auf. Oft sind die überteuert.

Auch Flüchtlinge werden schnell Opfer von Abzockern. „Gerade in den ersten Monaten nach ihrer Ankunft schließen viele jede Menge Verträge ab, zum Beispiel Versicherungen, manche brauchen sie gar nicht, andere sind völlig überteuert.“ Das erläutert Carina Lichtenberg von der Projektleitung auf Bundesebene. Genau diese Erfahrungen hätten zwei Projekte in Köln gezeigt, die sie betreut habe. „Abzocke, Unwissenheit und kulturelle Unterschiede“ führten dazu, dass Migranten übers Ohr gehauen würden.

Hermann Neumann und Bettina Zeller kümmern sich in der Außenstelle der Verbraucherzentrale um Menschen mit Problemen. Foto: verbraucherzentrale

Aber auch Deutsche tappen in die Falle, was häufig zu einer Überschuldung führt. „Etwa ein Drittel der erwachsenen Malstatter ist überschuldet“, sagt Neumann. Überschuldung gebe es aber nicht nur in Malstatt und Burbach, sagt die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), das kenne man auch aus anderen Stadtteilen. Man sollte sich nicht immer auf Malstatt und Burbach als Problemviertel fixieren. Ihren Segen für das neue Projekt hat die Verbraucherzentrale jedenfalls. „Ich finde es sehr gut, dass man hier auf die Menschen zugeht. Das Projekt gefällt mir sehr, sehr gut.“

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