Er leidet täglich unter dem Lärm der Brummis

Autos, Lkw und Saarbahn: Die Lärmbelastung durch den Verkehr ist in der Lebacher Straße sehr hoch. Anwohner Joachim Junker und ein Verein in Malstatt wollen das nicht länger hinnehmen.

Eine Blechlawine quält sich an diesem Nachmittag durch die Lebacher Straße in Richtung Innenstadt. Rote Ampeln zwingen die Autofahrer immer wieder zum Anhalten. Auch große Lastwagen stehen in der Schlange. In der Gegenrichtung ist ebenfalls viel Verkehr. Für Joachim Junker ist das Alltag. Er wohnt in der Lebacher Straße und leidet täglich unter Lärm und Abgasen - und zwar von morgens bis abends, sagt er. Dazu kommt noch die Saarbahn. Junker: "Die rattert schon frühmorgens hier durch." Am schlimmsten sei aber der Schwerlastverkehr . "Die Lkw rollen auch nachts hier entlang." Neben ihm steht Guido Vogel-Latz, 2. Vorsitzender des Vereins "Malstatt gemeinsam stark", und früherer Fraktionschef der Grünen im Stadtrat. Sie sind sich einig: "Diese permanente Belastung nervt furchtbar. Es wird höchste Zeit, dass hier etwas passiert." Der Schwerlastverkehr müsse raus aus der Lebacher Straße.

Eigentlich sollen die Lkw gar nicht hier durchfahren, sondern über die A 623 und A 8, sagt Vogel-Latz. Doch das würden viele Lkw-Fahrer ignorieren. Dabei leite ein Schild die Lkw am Ludwigsbergkreisel in Richtung A 623. Viele Brummifahrer wüssten wohl auch gar nicht, dass sie eine qualvolle Stop-and-go-Fahrt durch die Lebacher Straße erwartet, ergänzt Junker. Er berichtet über Erschütterungen, die zu Rissen in einer Wand in seiner Wohnung geführt haben. Die zeigt er mir auch. Schallschutzfenster hat er einbauen lassen, die den Lärm erträglicher machen. Erholung findet Junker auf dem Balkon auf der Rückseite des Hauses. Größer könnte der Kontrast nicht sein: Im Garten zwitschern die Vögel. Trotzdem engagiert er sich in dem Verein "Malstatt gemeinsam stark", der jetzt eine Arbeitsgruppe zum Thema Schwerlastverkehr einrichtet. Der Verein will selbst die Brummis zählen sowie eine Unterschriftenaktion starten, erklärt Vogel-Latz. Er glaubt, dass Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer ein Lkw-Verbot unterstützen würde. Vogel-Latz hat ein mulmiges Gefühl, wenn er zu Fuß in der Straße unterwegs ist und mal wieder ein Laster vorbeidonnert: "Dann nehme ich meine Kinder ganz fest an der Hand."

Für ihn ist klar, dass eine neue Umgehungsstraße nicht nötig ist, sondern ein Lkw-Verbot, das, wenn es kommt, auch kontrolliert werden müsste. "Ohne die Landesregierung geht's aber nicht", meint Vogel-Latz. Denn es handelt sich um eine Bundesstraße. Er suche nun Verbündete in der Verwaltung und den Fraktionen, um dann gemeinsam auf die Landesregierung zuzugehen. Auch die Verwaltung beschäftigt sich mit dem Lärmproblem und hat kürzlich einen Lärmaktionsplan vorgestellt (siehe Artikel unten).

Dass die Stadt das Thema erkannt hat, findet Junker gut. Doch am Lkw-Verbot führe kein Weg vorbei. Er betont: "Eine Klage könnte das forcieren." Auch diesen Aspekt will Vogel-Latz in der Arbeitsgruppe besprechen und juristische Schritte nicht ausschließen. Er findet es sehr wichtig, dass es nun einen Verein gibt, der Lobbyarbeit macht - für Malstatt und für eine Lebacher Straße ohne Brummis.
"Tempo 30 besser als Fahrverbot"

Stadt möchte Verkehrslärm zwischen Cottbuser Platz und Rheinstraße senken


Die Stadtverwaltung setzt beim Kampf gegen den Lärm auf mehr Tempo-30-Zonen und den sogenannten "Flüsterasphalt". So steht es in einem Aktionsplan, den die Stadt kürzlich vorgestellt hat. In einer Prioritätenliste hat die Verwaltung die Straßen aufgeführt, wo sie den größten Handlungsbedarf sieht - darunter auch die Lebacher Straße zwischen Cottbuser Platz und Rheinstraße. "Hier sind rund 200 Anwohner einem 24-Stunden-Mittelwert von 74 Dezibel ausgesetzt", teilt Pressesprecher Thomas Blug mit. In diesem Abschnitt der Lebacher Straße sei die Lärmbelastung am höchsten. Nach Angaben der Verwaltung steigt ab 70 Dezibel das Herzinfarkt-Risiko. Allerdings bringe Tempo 30 in der Lebacher Straße mehr als ein Lkw-Fahrverbot, ergänzt Thomas Bouillon vom Umweltamt. Mit Tempo 30 sinke der Lärm um drei Dezibel. Das sei mehr, als durch ein Lkw-Verbot zu erreichen wäre. Dazu kommt, dass der Lkw-Anteil im erwähnten Abschnitt bei fünf Prozent liege. "Die Lärmminderung durch Lkw-Verbote ist nur dort deutlich wahrnehmbar, wo der Lkw-Anteil besonders hoch ist (über zehn Prozent)." Dies sei hier nicht der Fall. Die Stadt kann nach Angaben der Verwaltung auch nicht selbst über ein Lkw-Fahrverbot entscheiden. Die Lebacher Straße ist eine Bundesstraße. "Neue Verkehrsregelungen müssen mit der obersten Verkehrsbehörde des Landes abgestimmt und von dort genehmigt werden", teilt Pressesprecher Thomas Blug weiter mit. Der Lärmaktionsplan soll jetzt auch mit Bürgern diskutiert werden. Wenn die darum bitten, ein Lkw-Verbot zu prüfen, werde sich die Verwaltung nicht verschließen, erklärt Bouillon. Der Stadtrat muss den Lärmaktionsplan noch beschließen. Dann könnte spätestens zum Jahresende Tempo 30 zwischen Cottbuser Platz und Rheinstraße eingeführt werden. Um den Saarbahnlärm zu mindern, will das Unternehmen Räder an den Zügen, die wegen des Bremsverschleißes sehr laut sind, austauschen. Es gibt aber Lieferschwierigkeiten, erklärt Sprecherin Sarah Schmitt. Außerdem sollen zwei besonders laute Züge abends möglichst nicht mehr eingesetzt werden.