„Eisen-Becker vermissen viele“

Leerstände können schnell die Wohnqualität eines ganzen Viertels ruinieren. In Malstatt haben sich engagierte Bürger getroffen, um sich gemeinsam das Viertel anzuschauen und Ideen zu sammeln, wie Leerstände schnell verschwinden können.

Für die Alteingesessenen im oberen Malstatt sind alte Geschäftsbezeichnungen noch immer exakte Ortsbestimmungen: "De Uhl, de Grieser, es Tempo und de Bolz" heißen unter ihnen noch immer die markanten Punkte auf der einen Seite der Lebacher Straße. Minas, Eisen-Becker, Schuh-Leismann und Sparkasse die auf der anderen. Klar, dass die Häuser und ihre Geschichten auch am Samstagnachmittag eine Rolle spielten, als der Verein Mags (Malstatt gemeinsam stark) zum Stadtteilrundgang geladen hatte, um sich speziell den heute leerstehenden Geschäften zu widmen.

Der Mags-Vorsitzende Siegfried Gress zur Situation: "Die Lebacher Straße ist die Lebensader des oberen Malstatts sowie des Rastpfuhls. Hier trifft man sich, tauscht sich aus und kauft ein. Die Besetzung der Läden hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert: Während Besuchermagneten wie der CAP-Markt und der Rewe-Markt hinzugekommen sind, sind andere, alt eingesessene Einzelhändler wie zum Beispiel Eisen-Becker und Metzgerei Grieser, verschwunden." Geblieben seien damit auch etliche Leerstände. Nicht, dass die leerstehenden Geschäfte Überhand nähmen, oder dass im oberen Malstatt eine Versorgungslücke klaffte. Schön für das Ortsbild sind abgehängte Schaufenster aber auch nicht, sagte Siegfried Gress. Anlass für den Verein, schon jetzt zu handeln.

Deutlich in der Mehrzahl sind Geschäfte , die sich verändert haben. Für das einstige Asko ist längst der CAP-Markt nachgerückt und der gilt unter den Molschdern auch bereits als feststehender Begriff. Anders sieht das weiter unten aus. Der Balkan-Imbiss an der Ecke Schillstraße heißt unter den Einheimischen noch immer Grieser. Mit dem Geschäft im einstigen Tapeten-Schmidt an der Ecke gegenüber kann noch kaum jemand was anfangen. "Cosmic-Ink" steht da groß, kleiner darunter die Erklärung: "Tattoo-Studio". Und im einstigen Eisen-Becker ist ein Discounter heimisch geworden.

Eisen-Becker - dieser Name fällt immer wieder während des Rundgangs und bei der Abschlussrunde in der einstigen Filiale der Deutschen Bank - seit längerem ein Leerstand. Statt wie heute Schrauben in Schachteln in zu großer Anzahl zu kaufen, gingen die Malstatter damals zu Eisen-Becker, um zielgerichtet alles Mögliche aus Eisen kaufen und wenn es nur eine einzelne passende Schraube war. Ein Gespräch gehörte dazu - entweder wie das gekaufte Teil richtig einzubauen ist, oder einfach nur so. Werner Lorscheider stellte fest: "Den Eisen-Becker vermissen viele." Wie aber umgehen mit den alten, leeren Geschäften? "Einige wurden schon in Wohnungen umgebaut", so Annemarie Marx vom Stadtteilbüro. "Eine Pflegestation, etwa von der Awo, könnten wir noch gebrauchen", so Bürgerin Ingrid Bröder. Ein einhelliger Wunsch galt dem inzwischen schäbigen Kiosk an der einstigen Bushaltestelle Leipziger Straße stadteinwärts. "Am besten abreißen und was neues hinbauen, vielleicht ein Wohnhaus." Zu Wort meldete sich auch Steffi Westermayer von der Internetseite "leerstandsmelder.de", mit der Mags zusammenarbeitet: "Mit dem Leerstandsmelder können wir gemeinsam Informationen tauschen, Leerstände können von allen Nutzern direkt und unkompliziert eingetragen werden, es entsteht unabhängig von städtischen Informationskanälen ein frei zugänglicher Datenpool zur kreativen und konstruktiven Nutzung von Leerstand."

Gress hat seinen Stadtteil beim Rundgang ein bisschen neu erlebt: "Wenn man gezielt von A nach B geht, fällt einem vieles nicht so auf, als wenn man wie wir heute speziell nach Leerständen schaut."

malstatt-gemeinsam-

stark.de