Einst Schuttwüste, jetzt Garten

Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) Saar-Mosel hatte zu einem lehrreichen Spaziergang durch den Bürgerpark geladen. Unterwegs informierte Saarbrückens Grünamtschefin Carmen Dams über Geschichte und Architektur des Parks.

Blick über den Teich zum Aquädukt. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel
Carmen Dams (Mitte) erklärt den Park. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel

Als "eine der spannendsten Parkanlagen Deutschlands" und als "postmodernsten Park" bezeichnete Grünamtschefin Carmen Dams am Sonntagnachmittag den Bürgerpark. Die in Trier ansässige Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) Saar-Mosel hatte sich für die Anlage interessiert - und der öffentlichen Führung schlossen sich zahlreiche Saarbrücker an.

Wo die nachträglich bei der Congresshallen-Erweiterung eingebaute Treppe in den Park führt, gab es zunächst allerhand Geschichtliches zum Gelände. Wie die Namen Hafenstraße und Alter Hafen schon sagen, war dort einst ein Umschlagplatz - selbstverständlich für Saarkohle, die zunächst auf Halden geschüttet und dann auf Penichen verladen wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Saar-Altarm und Hafen zum Sammelbecken für die Trümmer der stark zerstörten Landeshauptstadt. Und als die Autos die Stadt eroberten, wurde die Hafeninsel zum großen, anfangs kostenlosen Parkplatz, auf dem lange auch Schausteller und Zirkusse zu Gast waren. Mitte der 1980er Jahre habe der damalige Baudezernent Günter Niedner dann andere Pläne mit dem Gelände gehabt. Mit der Westspange habe er den Autobahn-Brückenschlag geplant - und weil mit der Westspange ein Riesenklotz aus Stahl, Beton und Asphalt entstand, wurden Ausgleichsmaßnahmen für die Natur notwendig. Also musste der Bürgerpark her, für den Peter Latz den Gestaltungsauftrag erhielt. Und was da entstanden ist, sorgte vor exakt einem Vierteljahrhundert schon gleich bei der Einweihung für einen Riesenaufruhr.

"Der Bürgerpark wurde als Schuttwüste mit kleinen Bäumchen bezeichnet", berichtete Dams und zeigte mit einer Luftbildaufnahme aus der Einweihungszeit, wie es zu diesem Vergleich kommen konnte. Die Saarbrücker haben den Park nur zögerlich angenommen. An der ersten Station ihrer Führung - auf dem "Baumplatz" - erläuterte Dams, dass Latz die Bäume dort mitten in das vorhandene Pflaster setzen ließ. Laut Dams blieben die Bäume dann lange Zeit "Kummerbäumchen". Inzwischen hätten sie sich aber gut entwickelt, weil die Experten sich irgendwann dazu entschlossen, die Kronen auszudünnen. Oberhalb des "Baumplatzes" sollten eigentlich Veranstaltungen organisiert werden. Ein großer Teil dieser Fläche wurde aber dem Parkhausbau geopfert. So blieb nur ein größerer Boule-Platz.

Die Bauten um den Teich zeigen postmodernen Stil - laut Dams - "die Vereinigung von Industriekultur und römischer Bauweise". Der Teich selbst solle den dunklen Raum unter der Brücke mit Reflektionen erhellen. Positive Nachricht am Rande: "Dies ist meine erste Führung im Bürgerpark mit fast sauberem Teichwasser." Denn wegen der Netze auf der Brücke bleibt den Tauben dort kaum noch Platz. Folglich gibt es auch weniger Taubenkot, der von oben in den Teich fällt. Und so scheinen die Saarbrücker ihren Bürgerpark dann doch langsam, aber sicher anzunehmen, glaubt Dams.

Der Triererin Cornelia Schmidt, Vorstandsmitglied der DGGL, hat er jedenfalls gefallen: "Ich kannte ihn bisher noch nicht, ich kenne Saarbrücken aber auch nur abschnittsweise."

Das Picknick, das die Gruppe eigentlich zum Abschluss im Rondell genießen wollte, fiel kleiner als geplant aus. Schuld war der Regen, der die Gruppe lange Zeit begleitet hatte.