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Das Frankfurt Jazz Trio, Johannes Müller und Pierre-Alain Goualch spielten in der Breite 63

JazzZeit in Saarbrücken : Bestens aufgelegte Jazzer vor vollem Haus in Malstatt

Prominenter Besuch auf der Bühne der Breite 63: Das Frankfurt Jazz Trio war am Freitag zu Gast. Zum Auftakt spielte Top-Pianist Pierre-Alain Goualch.

Na also, es geht doch! Ähnlich voll wie in den Zeiten der eintrittsfreien Konzerte des Debütjahrs 2019 präsentierte sich die Breite 63 in Malstatt am Freitag beim aktuellen Termin von „JazzZeit“. Kurator des zweiten kostenpflichtigen Abends der Reihe, die vom Saarbrücker Kulturamt veranstaltetet wird, war der saarländische Saxofonist Johannes Müller. Bevor Müller mit dem prominenten Frankfurt Jazz Trio aufs Podium stieg, spielte er ein Set mit dem französischen Top-Pianisten Pierre-Alain Goualch. Beide Teile des Doppelkonzerts waren in diesen Konstellationen übrigens Weltpremieren, so ließ Müller das Auditorium im Lauf von seiner ebenso kurzweiligen wie launigen Moderation wissen.

Zur ersten Programmhälfte: Gemeinsam mit Goualch nahm Müller sich hinlänglich bekannte Klassiker wie etwa „The Entertainer“, „Jitterbug Waltz“, „Think of One“ oder „Cantaloupe Island“ vor, um diese dann auf ganz persönliche und originelle Art und Weise zu verändern und zu verfremden, dass manche kaum noch zu erkennen waren. Vor allem in rhythmischer Hinsicht war hier äußerst Kniffliges zu hören. Dass es dennoch groovte und pumpte, dass man sich beinahe anschnallen musste, war der Qualität dieses Duos zu verdanken: Müller und Goualch teilten sich in der Besetzung zwar noch nie die Bühne, arbeiten aber seit fast zehn Jahren sozusagen hinter den Kulissen zusammen und brüten derlei jazzige Preziosen aus – daher das perfekte Miteinander. Müller konnte dabei seine ganze gestalterische Palette vom samtweichen Saxofonsäuseln bis zum knackigen Staccato ins Feld führen, während Goualch das Klavier zum Orchester wachsen ließ: Mit bewundernswert unabhängigen Händen verband er Bässe und Melodie- Akkordkombinationen, alles rhythmisch äußerst komplex versetzt, zu einer durch und durch stimmigen Einheit. Das war spannend und mitreißend zugleich, ließ eine Menge Freiraum zu solistischen Exkursen beider Partner und erntete hochverdienten Beifall.

Während Müller/Goualch Musik zum aufmerksamen Hinhören boten, erlaubten nach der Pause das Frankfurt Jazz Trio & Johannes Müller ein entspanntes und wohliges Eintauchen – Salbei für die Lauscher. Seit 1998 sind der Schlagzeuger Thomas Cremer und Olaf Polziehn am Klavier unter dem gemeinsamen Nenner unterwegs, 2001 stieß bereits der Kontrabassist Martin Gjakonovski zu dem Frankfurt-Dreier. Entsprechend funktionierte das Miteinander hier sozusagen in schlafwandlerischem Einvernehmen. Ins Ohr sprang der Kontrast zwischen Goualchs Spiel vor der Pause und nun dem Stil Polziehns: Goualch, der virtuose Schwerarbeiter mit den gemeißelten Tönen (ein wenig an Michel Petrucciani erinnernd) auf der einen, und nun der relaxte Piano-Poet Polziehn mit dem feinen, seidigen Anschlag und den geschmackvoll-geordneten Tastenexkursionen. Thomas Cremer zählt ohnehin zu den Vorzeige-Altmeistern am Drumset. In nahezu symbiotischer Eintracht harmoniert er mit Martin Gjakonovski, der den Abend um Tieftonsoli wie aus dem Jazz-Bilderbuch bereicherte. Kompositionen aus der Feder von Olaf Polziehn und Johannes Müller beherrschten das Programm, sie waren einem zeitlosen modernen Jazz verpflichtet und fanden den Weg unmittelbar in die Gehörgänge. Wie bereits im Duo mit Goualch, so konnte sich Johannes Müller, der Kurator des Ganzen, auch hier wieder prächtig entfalten und peppte den Sound der Frankfurter mit einer gehörigen Dosis Saxofon-Biss auf. Die entzückten Jazzjünger erklatschten Zugaben.

Die nächsten „JazzZeit“-Termine in der Breite 63: 17. April: Kurator Manuel Krass präsentiert seine Formation Blankx und das Lynx-Trio. 8. Mai: Kurator ist Rudi Schaaf; es spielen „Artett“ und das Duo Wollie Kaiser/ Michel Wagner. Beginn 19.30 Uhr, Eintritt 12/10 Euro.

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