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Bibbernde Gäste wegen Garderobenchaos
Mallorca-Party in Saarbrücker Disco E-Werk läuft völlig aus dem Ruder

Polizisten sichern in der Nacht auf Sonntag (14. Januar 2018) die Garderobe in der Saarbrücker Disco E-Werk. Dort war es zu Tumulten gekommen, weil Besucher nicht an ihre Jacken gelangten. Grund soll ein logistischer Fehler gewesen sein.
Polizisten sichern in der Nacht auf Sonntag (14. Januar 2018) die Garderobe in der Saarbrücker Disco E-Werk. Dort war es zu Tumulten gekommen, weil Besucher nicht an ihre Jacken gelangten. Grund soll ein logistischer Fehler gewesen sein. FOTO: Brandon-Lee Posse
Saarbrücken. Wegen Chaos an der Garderobe ist es am Samstag (13. Januar 2018) zu Tumulten während einer Veranstaltung in einer Disco gekommen. Rund 2500 Besucher mussten bei Minusgraden ohne Jacken den Tanztempel verlassen, berichtet ein Polizeisprecher. Der Veranstalter hatte die Party vorzeitig abgebrochen. Von Matthias Zimmermann und Christine Kloth
Matthias Zimmermann

Hunderte von wütenden Besuchern einer ausverkauften Mallorca-Party im Saarbrücker E-Werk haben am Samstagabend für einen Eklat gesorgt. Auslöser war Chaos bei der Ausgabe an der Garderobe. Nur der Einsatz eines Polizeigroßaufgebotes verhinderte weitere Ausschreitungen während der Veranstaltung in der Großraumdisco. Tausende Menschen mussten daraufhin nach dem vorzeitigen Ende ohne Mäntel und Jacken vor dem Gebäude in der Kälte ausharren.



Tumulte an der Garderobe

Nach Angaben von Enrico Voß, Dienstgruppenleiter bei der Burbacher Polizeiinspektion, hatte sich der Tumult gegen 21 Uhr angebahnt, als die ersten Feiernden nach Hause wollten. Beginn der Fete war bereits um 15 Uhr gewesen. Auslöser für den Krawall: Kunden blitzen an der Garderobe ab, verlangten erfolglos nach ihren Kleidungsstücken, die sie dort hatten gegen Bezahlung anscheinend sicher aufbewahren lassen. Die Teile waren aber nicht zu finden. „Sie waren nicht richtig zugeordnet“, berichtet der Beamte. Konkret: Die an die Partygäste ausgegebenen Nummern, gegen deren Vorlage sie ihre Jacken bekommen sollten, waren inkorrekt zugeordnet, so dass die Bediensteten diese nicht entdecken konnten. Voß: „Der Unmut war so groß, dass einige Besucher über den Tresen der Garderobe sprangen und selbst nach ihren Jacken suchten.“ Die Beschäftigten hatten die Lage nicht mehr im Griff, der Veranstalter alarmierte daraufhin die Polizei. „Wir mussten die Garderobe mit einem Großaufgebot schützen und absperren.“ Rund 20 Kollegen riegelten den Zugang ab. Ab diesem Zeitpunkt wurde keine Kleidung mehr ausgegeben.

Polizist am Kopf verletzt

Dass die Garderobe „nicht richtig gemanagt“ war, sprach sich rasch in der Disco herum. Polizeisprecher Voß: „Rund 3500 Eintrittskarten waren für die Mallorca-Party verkauft. Zu dem Zeitpunkt, als das Problem auffiel, waren etwa 2500 Menschen da.“ Es entwickelten sich Tumulte. Einige Besucher, die Polizei spricht von zumeist alkoholisierten, attackierten Beamte, die zum Schutz der Garderobe abgestellt waren. Sie warfen mit allem, was sie zwischen die Finger bekamen, und trafen dabei einen Wache schiebenden Polizisten am Kopf. Er wurde leicht verletzt.

Veranstalter bricht Party ab

Da abzusehen war, dass sich die Lage nicht beruhigen wird, fand die Party ein jähes Ende. Enrico Voß betont: „Der Veranstalter ließ über Mikrofon durchsagen, dass die Party vorzeitig abgerochen wird. Es war nicht, wie fälschlicherweiser mitgeteilt, die Polizei.“ Das war gegen 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag. Dabei sollten eigentlich noch weitere Künstler auftreten. Buhrufe und Pfiffe erfüllten den Raum, wie ein Augenzeuge berichtet.

Anzeigen im Minutentakt

Das Ausmaß des Schadens wurde im Laufe des Sonntags allmählich deutlich. Voß nochmal: „Fast minütlich melden sich bei uns Geschädigte, um Anzeige zu erstatten.“ Denn es verschwanden nicht nur Jacken, als einige die Garderobe stürmten. Aus zurückgebliebenen Jacken sollen Mobiltelefone und Geld geklaut worden sein. „Da wird einiges an Schadenersatzansprüchen auf den Veranstalter zukommen“, propheizeit der Dienstgruppenleiter. Und nicht nur daraus kann sich Regress ergeben, der den Veranstalter teuer zu stehen kommen kann. Möglicherweise geht es auch um den Eintrittspreis, der zumindest teilweise rückerstattet werden muss, weil die Party abgebrochen wurde. Voß dazu: „Das ist aber eine zivilrechtliche Angelegenheit. Hier müssen die Geschädigten selbst klagen. Wir ermitteln da nicht.“

Ausgabe am Sonntag

Nach dem Chaos bei der Mallorca-Party im E-Werk am Samstagabend stehen Besucher am Sonntagmorgen (14.01.2018) Schlange, um ihre verschollenen Jacken abzuholen. Foto: Becker&Bredel
Nach dem Chaos bei der Mallorca-Party im E-Werk am Samstagabend stehen Besucher am Sonntagmorgen (14.01.2018) Schlange, um ihre verschollenen Jacken abzuholen. Foto: Becker&Bredel FOTO: BeckerBredel

Unterdessen öffnete das selbst ernannte Mallorca-Party-Team am Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr das E-Werk, um geordnet die verbliebenen Oberteile an die Besucher der verunglückten Feier zu verteilen. Es bildeten sich lange Warteschlangen am Eingang. Melina (26) aus Kleinblittersdorf hatte sich gestern vergebens auf den Weg ins E-Werk gemacht: „Meine Jacke bleibt verschollen. Ich schreibe jetzt mal eine Mail an den Veranstalter und hoffe, dass ich sie ersetzt bekomme“, sagt die dunkelhaarige junge Frau und wirkt trotz des Ärgers noch sehr entspannt. Sascha (27) aus Saarbrücken hat seine graue Jacke zwar wiederbekommen, ist aber erstaunt, dass er sich beim Abholen durch nichts legitimieren oder die Rückgabe der Jacke quittieren musste. „Ich hätte mir jetzt da heute auch eine andere schöne Jacke aussuchen können, die gar nicht mir gehört. Das lief aus meiner Sicht nicht gut“, sagt er und bedauert im Nachhinein die Frauen, die nachts im dünnen Top ohne Jacke frieren mussten und jene, die nicht mehr an ihren Haustürschlüssel kamen, weil sie ihn in der abgegebenen Jacke hatten.

Der Organisator entschuldigte sich via Internet bei den Besuchern. Er sieht aber auch eine Mitschuld bei den „drei ungeduldigen Gästen“, die über die Absperrung stiegen, das Personal abgedrängt und „aus Frust vier komplette Garderobenständer auf der Suche nach ihren Jacken“ umgerissen haben sollen. Danach sei eine Zuordnung nicht mehr möglich gewesen. Die Ausgabe wurde beendet. Wer die drei waren, ist bisher nicht bekannt.

Nummern doppelt ausgegeben

Diesem Zwischenfall sei vorausgegangen, dass Mitarbeiter versehentlich 200 Mal die Nummern an Kunden doppelt vergeben hatten. Dadurch sei es zu längeren Wartezeiten bei der Ausgabe gekommen. Der Veranstalter mit dem eingetragenen Namen Eventful Deutschland UG mit Sitz in Merzig in seiner Internet-Botschaft zeigt sich überzeugt: „Bis zu diesem Zeitpunkt hätten wir das Problem, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung, selbstverständlich in den Griff bekommen.“ Etwaige Verluste würden ersetzt, versichert das Mallorca-Team. „Bei allen, die heute Nacht auf dem Heimweg frieren mussten, entschuldigen wir uns ganz besonders.“ Es herrschten in der Nacht Außentemperaturen um den Gefrierpunkt.

Trotzdem geile Party?

Trotz des Wissens um den Ärger, dem sich viele Party-Besucher im Netz Luft machten, heißt es im letzten Satz der Mitteilung: „Alles in allem glauben wir, Euch trotzdem eine geile Party geliefert zu haben und versprechen, aus unseren Fehlern zu lernen.“ Ein Sprecher des Unternehmens war am Sonntag nicht zu erreichen.

Auch per E-Mail können sich Geschädigte an den Veranstalter wenden: info@mallorcaparty-saarbruecken.de