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Malen unter dem Einfluss von Demenz. Carolus Horn: „Wie aus Wolken Spiegeleier werden“

Ausstellung im Bürgeramt : Der Weg eines Künstlers in die Demenz

Eine Ausstellung, die schmerzt und fasziniert. Carolus Horn: „Wie aus Wolken Spiegeleier werden“. Eine Reise ins Vergessen.

Die Ausstellung „Wie aus Wolken Spiegeleier werden“ macht betroffen. Denn sie zeigt Kunstwerke des begnadeten Werbegrafikers und Künstlers Carolus Horn (1921-1992) unter dem Einfluss seiner fortschreitenden Demenz-Erkrankung.

Es sollte jedoch erwähnt werden, dass der aktuelle Ausstellungsort, die 2. Etage des Bürgeramtes City in der Gerberstraße, zwar stark frequentiert ist (derzeit befindet sich das Wahlamt dort), aber auch zu lebhaft ist, um sich auf die Kunstwerke konzentrieren zu können. Die Ausstellung ist aber eine Kooperation der Landeshauptstadt Saarbrücken mit dem Malteser Hilfsdienst und der Pfarrei St. Jakob Saarbrücken. Und genau dort, in der Kirche St. Jakob, wird die Ausstellung ab dem 19. Mai zu sehen sein. Vielleicht hat man dort mehr Muße.

Die braucht man nämlich, denn die Arbeiten von Carolus Horn sind aufwühlend. Die Präsentation beginnt mit seinen Werbezeichnungen für die Automarke Opel oder die Uhrenfirma Dugena. Ganz im Zeitgeschmack der 1950er Jahre zeichnet er atemberaubend genau und präzise deren Waren. Aquarelle mit Ansichten aus Frankfurt aus dieser Zeit belegen das große künstlerische Können des Grafikers.

Aber bereits Ende der 1970er Jahre wird seine Farbpalette dunkel, erste Einflüsse der Alzheimer Erkrankung machen sich bemerkbar. In den 1980er Jahren verändern sich seine Farben und seine Darstellung zusehends. Die Formen und Figuren werden immer einfacher, Schattierungen und präzise Binnenzeichnung verschwinden, die Farben werden bunter, die Konturen stärker, die Perspektive fehlerhaft. Seine Figuren und Architekturen erinnern mehr und mehr an die Naive Kunst des 19. Jahrhunderts.

Dann, ab Ende der 1980er Jahre werden die Darstellungen düsterer, noch einfacher. Und die Wolken werden zu Spiegeleiern. Die letzten Arbeiten aus den frühen 1990er Jahren zeigen dann Figuren, deren Einfachheit an Kinderzeichnungen erinnert, denen aber deren Leichtigkeit fehlt. Seine vorletzte Arbeit reduziert sich auf fast farblose Bleistiftlinien.

Dieser in den Zeichnungen sich abspielende sichtbare Verfall des Künstlers schmerzt. Aber er fasziniert auch. Denn selten kann man wohl so tief in die Gefühlswelt eines Demenzkranken eintauchen wie in dieser Ausstellung.

„Wie aus Wolken Spiegeleier werden“, eine Ausstellung mit Werken des an Demenz erkrankten Künstlers und Werbegrafikers Carolus Horn ist bis 17. Mai im Bürgeramt City, Gerberstraße 4, zu sehen. Vom 19. Mai bis zum 26. Mai wird die Ausstellung in St. Jakob gezeigt, geöffnet dort werktags von 15 bis 18 Uhr.