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Netzwerk
„Machen ist wie wollen, nur krasser“

Anne von Teutul organisiert Hilfe, wo sie nötig ist.
Anne von Teutul organisiert Hilfe, wo sie nötig ist. FOTO: Teultul
Saarbrücken. Ein Netzwerk von 44 Unternehmen hilft Organisationen mit Beratung, Sachspenden und Zeit. Von Martin Rolshausen

Es gibt Menschen, die sind überzeugt oder vermuten zumindest, dass sich viele Probleme mit Geld lösen lassen. Anne von Teutul gehört nicht zu diesen Menschen. Wenn die Koordinatorin der „Saarbrücker Herausforderung“ Menschen sucht, die helfen können und wollen, dann hat sie eine klare Botschaft: „Es geht alles außer Geld.“ Die 44 Unternehmen, die sich dem Netzwerk bisher angeschlossen haben, überweisen keine Spenden. Sie helfen mit Kompetenz, mit Sachspenden und mit Zeit.


Die Idee, erklärt Anne von Teutul, stammt aus den Niederlanden. Rund 70 Städte und Gemeinden haben dort Unternehmens-Netzwerke gebildet, die sich den Herausforderungen stellen, die gemeinnützige Organisationen an sie herantragen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend will wissen, ob so etwas auch hierzulande funktioniert – und hat Saarbrücken als Test-Stadt auserkoren. Wohl deshalb, weil über die Ehrenamtsbörse hier schon einiges getan wird, wenn es darum geht, Hilfe für die gute Sache zu organisieren.

Seit Herbst 2017 läuft das vom Bund finanzierte und von Stadt und Regionalverband mit Wohlwollen begleitete Pilotprojekt in Saarbrücken. Und es läuft gut, findet Anne von Teutul. „Die Idee ist: Dort, wo sich Kompetenz bündelt, nämlich in den Unternehmen, Dinge anzusprechen – so lange, bis man jemanden im Netzwerk gefunden hat, der helfen kann“, erklärt sie. Vertreter der 44 Unternehmen treffen sich regelmäßig und besprechen die Hilferufe von Vereinen, karitativen Einrichtungen und wohltätigen Organisationen.



So hat zum Beispiel das Stadtteilbüro der Paritätischen Gesellschaft für Gemeinwesenarbeit in Alt-Saarbrücken von der Agentur „echtgut markeninszenierung“ ein optisch und inhaltlich neues Konzept für die eigene Außendarstellung bekommen. Die Wohnungslosenarbeit des Diakonischen Werks erhielt im vorigen Winter 30 Schlafsäcke dank der Unterstützung des Rotary-Clubs Völklingen und weiterer Spender. Das Theresienheim in Burbach wurde von der Sparkasse Saarbrücken mit zehn Computermonitoren unterstützt. Die Wirtschaftsjunioren kümmerten sich um Computer für den Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes. Als die Saarbrücker Fairtrade-Initiative einen Drucker und einen Kopierer brauchte, kam Hilfe von der Firma Kessler aus Dudweiler.

 „Über die Vermittlung eines Unterstützungspartners konnte das Drogenhilfezentrum in Saarbrücken erstmals 120 Weihnachtsgeschenk-Pakete an die Betroffenen abgeben“, berichtet Anne von Teutul. Metallbau Paul, die Firma Kessler und Gartenbau Schnur unterstützen und beraten die Projekte des Stadtbauernhofes im Saarbrücker Almet handwerklich. Schlüssel Neisus, Maler Stief und Kessler versorgen den Kinderschutzbund in Saarbrücken mit einer neuen Schließanlage, einem Anstrich für die Räume und einem eigenen Messestand. Der Verein Geographie ohne Grenzen erhält eine Beratung zum Thema Kostenkalkulation von Sandra Garn Consulting und Alexander Kuntz.

Diese Art der Hilfe ist mitunter schwieriger, als eine Spende zu überwiesen. Aber diese Art der Hilfe mache auch den Mitarbeitern der beteiligten Unternehmen Spaß. Oder wie es Teutul sagt: „Dass es gelingen kann, neue Wege zivilgesellschaftlicher Verantwortung gemeinschaftlich zu beschreiten, macht den Mitwirkenden Mut, die Initiative weiter auszubauen und zu einem verlässlichen Ansprechpartner für gemeinnützige Organisationen und Unternehmen zu werden.“ Die Koordinationsstelle der Saarbrücker Herausforderung selbst wird auch unterstützt, und zwar durch das junge Saarbrücker Unternehmen Marvya, das die Internetseite betreut, die Blackdoor Filmproduktion und die Inszene Media GmbH. Letztere sponsert eine Werbeaktion mit 15 000 Postkarten. Die Botschaft der Karte soll Organisationen, die Hilfe brauchen, ebenso ansprechen wie weitere Unternehmen fürs Netzwerk: „Machen ist wie wollen, nur krasser.“

 Kontakt: Anne von Teutul, Tel. (06 81) 93 85 97 40, E-Mail wirtschaft@pro-ehrenamt.de