Loch in der Camphauser Straße halb gefüllt

Kostenpflichtiger Inhalt: Reparaturarbeiten in Saarbrücken : Loch in der Camphauser Straße halb gefüllt

Die Reparaturarbeiten im Saarbrücker Stadtteil Malstatt kommen gut voran. Die Ursache des riesigen Hohlraums ist noch unbekannt.

Die Höhle unter der Camphauser Straße wurde gestern zur Hälfte verfüllt. Schön am frühen Morgen wurde ein spezieller wässriger Sand in die Mulde gespült, der das Loch momentan bis zur Hälfte ausfüllt. Wenn sich das Material gesetzt hat, wird die nächste Füllung vorgenommen, bis das Loch verschlossen ist und die Straße neu asphaltiert werden kann.

In der vergangenen Woche war bei einer Kabelbohrung der Hohlraum unter der Fahrbahn entdeckt worden. Als man ihn öffnete, stieß man auf einen Hohlraum von der Größe eines Autos (wir berichteten). Die Straße wurde gesperrt, dann begannen die  Auffüllarbeiten, deren Ende nun absehbar ist.

Gerätselt wird über die Ursache des Lochs, denn in der Nähe sind weder ein Kanal noch eine Wasserleitung. Eine Unterspülung hält die Stadt Saarbrücken eigenen Angaben zufolge für ausgeschlossen. Es gab bei der Öffnung der Straßendecke auch keine sichtbaren Anzeichen dafür. Nach Auskunft der Pressestelle der Stadt Saarbrücken gibt es zwei Hypothesen. Die erste: Der Ludwigsberg diente nach dem Flächenbombardement im Zweiten Weltkrieg als Abraumhalde für die Trümmer der zerbombten Häuser. Der Untergrund sei damals sicher nicht richtig verdichtet worden, so ein Baufachmann. Ob das Loch in der Camphauser Straße allerdings im Bereich des Schuttberges liegt, ist fraglich. Ausgegraben wurde dort nur Sand. Auf Bauschutt ist man nicht gestoßen. Er könnte allerdings darunter liegen.

Hypothese Nummer zwei ist die Existenz einer längst vergessenen Bunkeranlage, die in den Ludwigsberg hineingegraben worden sei. Auch diese Anlage habe man bei den Arbeiten nicht gefunden, so die Stadt. Man beschränke sich nun auf die Reparatur der Straße, in der es keine Anzeichen für weitere Absenkungen gebe, teilte die Stadt mit.

Neue Nahrung für die Bunkertheorie gab uns ein Leser der Saarbrücker Zeitung. Der Zahnarzt Hans Joachim Zewe war nach eigenen Angaben zu Beginn der 60er Jahre persönlich in den Bunker unter dem Kassenvorplatz des Stadions geklettert. „Damals war direkt neben der Camphauser Straße auf einem flachen Wiesenstück ein Schacht, verschlossen mit einem Gullydeckel. Mit Freunden haben wir den geöffnet und sind etwa zehn Meter über eine Leiter in die Tiefe geklettert. Dahinter war ein Stollen in den Naturstein gehauen, von dem zu beiden Seiten etwa 20 Kammern abgingen. Dahinter war ein großer Gemeinschaftsraum, der vielleicht als Küche diente. Die Kammern waren komplett leer, in dem großen Raum stand noch etwas Gerümpel. Nirgendwo waren Fliesen, die Wände waren aus rohem Gestein“, erinnert sich Zewe. Beim Ortstermin versucht er den Bunkereingang zu finden, findet ihn aber nicht.  „Man konnte den Eingang von der Straße aus sehen, er war nicht weit entfernt“, erinnert er sich und geht an den Büschen und Bäumen entlang.

Heute ist alles zugewachsen. Wenn dort ein Schacht ist, dann sieht man ihn nicht mehr. Nach 20 Minuten gibt Zewe auf, der Schachteingang ist nicht mehr zu finden. In seiner Erinnerung ist er bis heute präsent. Als Junge, der auf dem Homburg wohnte, war die Schachterkundung ein willkommenes Abenteuer, wenn er mit Spielkameraden vom Rodenhof durch die Gegend zog. Aus Erzählungen weiß er auch von dem noch heute durch das Zivilschutzamt genutzten Stollen, der von der Kaiserstraße unter dem Bahnhof hindurchführt und von einer vermeintlich noch größeren Bunkeranlage unter dem Stadion, für die er aber keinen Beleg hat. „Uns wurde damals erzählt, die sei so groß, dass man ein Krankenhaus evakuieren könne.“ Gesehen habe er das aber nie. Für den kleineren Bunker unter der Camphauser Straße und Kassenvorplatz stehe er als Zeitzeuge. „Allein der Gemeinschaftsraum hatte bestimmt zehn auf zehn Meter. Da konnten mehrere Familien im Krieg Schutz finden.“

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