Litfaßsäulen kommen in Saarbrücken nicht aus der Mode

Wirtschaft regional : Litfaßsäulen kommen nicht aus der Mode

Fast 250 dieser Werbeträger gibt es derzeit im Regionalverband Saarbrücken. Manche leuchten auch nachts.

Sie sind rund, zweieinhalb Meter hoch, werden von Tag zu Tag dicker und ziehen doch täglich die Blicke Tausender Passanten auf sich: die etwa 400 immer wieder mit bunten Plakaten überklebten Litfaßsäulen im Saarland, von denen knapp 250 im Regionalverband stehen. Obwohl schon im Jahr 1855 vom Berliner Buchdrucker Ernst Litfaß als „Annonciersäule“ erfunden, sind die Litfaßsäulen bis heute „in“. Und sie sind auch im Smartphone-Zeitalter als Werbeträger nicht wegzudenken, heißt es dazu beim Außenwerbung-Spezialisten Werbe Fabry in Saarbrücken-Güdingen, dem praktisch alle massiven Säulen gehören.

Drei davon sind mit Solarmodulen versehene Modelle, die in Saarbrücken an der Wilhelm-Heinrich-Brücke, am Ludwigskreisel und in der Präsident-Baltz-Straße auch nachts leuchten. Ähnliches gilt noch für sieben City-Light-Säulen aus Leichtmetall mit Plakaten hinter Glas, die der Außenwerber Wall im Rahmen bundesweiter Netzkampagnen in der Saar-Metropole betreibt. Sein Slogan bei der Kundensuche in Saarbrücken übrigens: „Deutschlands freundlichste Großstadt“.
 „Im Saarland sind die Litfaßsäulen alle nach und nach in den letzten 50, 60 Jahren aufgebaut worden“, erzählt Martina Birkenbach von der Werbe-Fabry-Geschäftsführung. „Im Moment stagniert ihre Zahl zwar etwas, aber das liegt nur daran, dass manche städtebaulich nicht mehr ins Bild passen.“

Der Körper jeder traditionellen Säule besteht aus Beton, hat vier Säulenringe als Stützen und oben einen meist steinernen oder metallischen Deckel drauf, manchmal auch eine Art Krone. „Wir hatten auch schon mal eine Werbesäule wie einen großen Klebestift gestaltet oder mit einer anderen Säule einen Leuchtturm für den Saarländischen Rundfunk gebaut“, erzählt die Fabry-Vizechefin.

Neue Litfaßsäulen für „ein paar hundert Euro“ pro Stück seien im Moment im Regionalverband bis Herbst nur in der St. Johanner Straße und in der Metzer Straße in Saarbrücken geplant.

Mit großformatigen Plakaten, die die Werbekunden selbst anliefern, sowie Kleister werden die Litfaßsäulen von zwei Plakateuren, die dazu täglich praktisch im ganzen Saarland unterwegs sind, nass beklebt. „Das ist schon sehr aufwendig“, sagt Birkenbach: „Wir kleben die Säulen immer erst weiß aus, damit sie schön aussehen, und überkleben dann die jeweils abgelaufenen Plakate.“ Auf jede Litfaßsäule passen beispielsweise 18 Plakate in doppelter Postergröße (DIN A 1).

90 Prozent der Plakate auf den Litfaßsäulen enthalten nach Angaben von Werbe Fabry Kultur- und Veranstaltungshinweise.

Werden die Litfaßsäulen zu dick mit Plakaten überklebt, dann muss das Papier mit der Kettensäge aufgeschnitten werden. Dabei tauchte vor einiger Zeit Am Staden am Saarufer in Saarbrücken als unterste Schicht noch ein Plakatrest aus dem Jahr 1958 auf, den Werbe-Fabry-Frau Birkenbach gern mal als gerahmte Reminiszenz vorzeigt.

Gemäß dem Motto „Je größer das Plakat, desto größer die Werbewirkung“ bevorzugen Unternehmen oder politische Parteien in Wahlkampfzeiten auch eher die deutlich teureren Werbegroßflächenwände.

Als Werbehits gelten nach Angaben von Fabry im Regionalverband die Litfaßsäulen am Schillerplatz, Gerberplatz und Beethovenplatz sowie im Nauwieser Viertel in Saarbrücken, wo sich täglich besonders viele Fußgänger und Radfahrer bewegen.

Martina Birkenbach. Foto: Werbe Fabry
Martina Birkenbach vom Unternehmen Werbe Fabry. Foto: Werbe Fabry

„Wir freuen uns auch über jeden Hundehalter, der mal vor einer Säule stehenbleibt“, sagt Birkenbach: „Zum Glück machen uns Hundehäufchen und Vandalismus kaum Probleme. Größer waren kürzlich die Schäden, als uns im Deutsch­mühlental ein Lastkraftwagen in eine Säule reinfuhr“.

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