| 20:16 Uhr

Konzert in der Breite 63
„Die Muttersprache hat sich Zeit gelassen“

Christina Lux hat ihren eigenen Stil entwickelt.
Christina Lux hat ihren eigenen Stil entwickelt. FOTO: Sebastian Niehoff
Saarbrücken. Die Liedermacherin Christina Lux erzählt im SZ-Interview, wie sie zu ihrem Stil fand.  Am 30. November tritt sie in der Breite 63 auf. Von Thorsten Hengst

Christina Lux ist eine Autodidaktin mit viel Selbstdisziplin. Das Gitarrespielen hat sie sich vor Jahren selbst beigebracht und derart perfektioniert, dass sie ab und an sogar Kurse und  Workshops gibt. Auch das Singen hat die aus Karlsruhe stammende Liedermacherin praktisch auf der Bühne mit eigenen Bands gelernt. Beim jahrelangen Einsatz als Background-Sängerin unter anderem für Jule Neigel, Edo Zanki oder Laith Al-Deen und später in einer A-Cappella-Formation hat sie ihre Stimme geschult. Nun kommt sie mit ihren neuen und alten Songs nach Saarbrücken und gastiert zusammen mit ihrem Produzenten Oliver George im Rahmen des „FrauenThemenmonats“ am Freitag, 30. November, ab 20 Uhr in der Breite 63.


Frau Lux, Ihr neues Album heißt „Leise Bilder“. Wofür steht der Titel?

Christina Lux: „Leise Bilder“ steht für Dinge, die wir in uns tragen und die uns beeinflussen – oft zunächst ohne wirklich wichtig zu sein. Aber sie wirken leise in uns. Mir hat es gutgetan aufzuräumen und klar hinzusehen, was ich noch tragen will und was nicht. So wurden die leisen Bilder hörbar.



Gibt es demnach auch „laute Bilder“?

Lux: Interessante Frage – laute Bilder wären für mich die Gedanken, die sofort ganz klar wissen, wo es langgeht. Gedanken, die einem sehr bewusst sind und die sich nicht leise einschleichen, sondern auf den Tisch hauen und vielleicht sagen: Nein, so machen wir das nicht!

Welche Farbtöne dominieren auf Ihrem neuen Album?

Lux: Es sind die Töne, die auch in dem Blauton des Albumcovers für mich sichtbar werden. Melancholie ist etwas Kraftvolles, wenn man sie nicht unterdrückt, sondern sich ihr hingibt.

Seit Ihrem letzten Studioalbum „Playground“ sind rund sechs Jahre vergangen. Warum hat es so lange gedauert?

Lux: Ich habe mir bewusst viel Zeit gelassen. 2015 erschien das Live-Album ‚Embrace‘ zu meinem 50. Geburtstag schon mit einigen deutschsprachigen Liedern. Ich wollte mir aber genug Zeit für Arrangements und Texte lassen und wirklich an den neuen Songs feilen. Im Englischen kann man schnell über Feinheiten hinweghören, im Deutschen geht das nicht. Jedes Wort liegt plötzlich auf der Goldwaage. Mich dahin anzunähern, brauchte eine Zeit der Entwicklung.

Wie hat sich dieser Sprachwechsel herauskristallisiert?

Lux: Es ist einfach passiert! Es kamen immer weniger englische Textzeilen angeflogen. Schon seit 12 Jahren mische ich beide Sprachen auch innerhalb der Songs.

Dabei habe ich festgestellt, dass es die Leute näher in die Geschichte bringt, wenn sie den Text komplett mitbekommen – und mich übrigens auch.

In meiner Zeit mit meinem amerikanischen Mann war meine ganze Welt im Englischen verwurzelt. Als junge Frau habe ich fast nie deutschsprachige Musik gehört. Die Muttersprache hat sich Zeit gelassen, zu mir zu kommen.

Warum?

Lux: Auf meinen ersten Alben habe ich viele bittere Erfahrungen verarbeitet, in denen die englische Sprache mir wie ein Schutzraum gewesen ist. Man konnte ganz einsteigen, aber auch einfach nur mit der Musik gehen. Jetzt ist alles direkt, und die Themen sind andere. Ich mag das inzwischen sehr.

Gibt es einen roten Faden, der das Album zusammenhält?

Lux: Erst wenn sich die Songs sammeln wird mir klar, ob ein roter Faden da ist oder nicht. In diesem Fall ist es eine schöne Reise geworden. Jedes Album ist wie die Momentaufnahme einer Lebensphase mit den Gedanken, die mich umtreiben.

Was treibt Sie momentan um?

Lux: Es gibt vieles in dieser Welt, das mich zunehmend irritiert. Das Auftauchen von Populismus und Fremdenhass habe ich in dem Song ‚Reise‘ verarbeitet. Wir müssen uns eine sehr wichtige Frage stellen: Was für ein Mensch möchte ich sein? Jeder Hetzer macht sich mitverantwortlich für Übergriffe, weil er dabei hilft, blind zu machen für das, was wirklich und echt ist. Diese Leute reden zwar oft über andere Menschen, aber wenig mit ihnen. Musik kann verbinden – da bin ich ein echtes Blauauge.

Auf dem Album haben Sie mit  Gästen zusammengearbeitet. Wie sind auf Stefan Stoppok gekommen?

Lux: Stoppok ist einer meiner Helden, der schon viele Jahre sein Ding macht. Ich habe ihn auf einigen Konzerten begleitet, und wir haben dort meinen Song ‚Meer‘ live gespielt. Als wir das Lied dann für mein Album aufnahmen, hatte ich sofort seine zwölfsaitige Gitarre im Ohr und so ist es dazu gekommen.

Mit dem Sänger Laith Al-Deen hatten Sie früher schon gemeinsam auf der Bühne gestanden. Nun hat er Sie auf dem letzten Song ‚Losfliegen‘ begleitet – war das Ihr besonderer Wunsch?

Lux: Ja, mit Laith Al-Deen war ich schon vor 14 Jahren auf Tournee. Und als im Studio der Song ‚Losfliegen‘ an der Reihe war, wusste ich, dass ich ihn dafür fragen werde.