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Liedermacher Manuel Sattler geht unter die Filmemacher

Im Kino Achteinhalb : Wenn sie seufzt: „Mach dat lo mo nommo“

Eine Saarbrücker Filmwerkstatt mit dem kultigen Liedermacher-Original Manuel Sattler im Kino Achteinhalb mit viel Musik und viel Humor.

Der auf Saarländisch singende Liedermacher Manuel Sattler ist ja von Berufs wegen Sozialarbeiter; er hat aber noch ein weiteres Talent, nämlich ein solches als Filmemacher. Grund genug fürs saarländische Filmbüro, ihn in der Reihe „Filmwerkstatt“ mal ins Kino Achteinhalb einzuladen und dort einige Sattler-Videos zu zeigen.

Das fing an mit einer Episode „Wohnwahn TV“, einer Youtube-Serie, die der Liedermacher vor etwa zehn Jahren produzierte. Damals lebte er tatsächlich in einem Wohnwagen, die saarländische Aussprache führte zu diesem Wortwitz und Titel der Serie. „Die Idee war, dass wir die Musik aus der Region zeigen“, sagte Sattler im Gespräch mit Lydia Kaminski vom Filmbüro. Die Bands saßen in der Enge des „Wohnwahn“ bei ihm um den Tisch und spielten dort auch eigene Songs.

Dann aber habe er sich dazu entschieden, richtig gute Live-Videos der Bands zu drehen. Das machte er im Saarbrücker Club Das Modul unter dem Namen Live Record Club. Die Besucher im Achteinhalb sahen dazu Konzertausschnitte von Thee Cherylinas, Oku and the Reggaerockers und Gammablitzboys.

Irgendwann sei ihm das zu viel Arbeit geworden, erzählte Sattler, er habe keine Lust mehr gehabt auf 20 Stunden Arbeit für den Schnitt. Für seine damalige Besessenheit vom Videodrehen hatte Sattler eine witzige Anekdote parat. „Wir sind einmal in den Mediamarkt gegangen und haben uns vorher geschworen, dass wir keine Kamera kaufen. Nach zehn Minuten kamen wir mit drei neuen Kameras wieder raus.“

Highlight des Filmabends im Achteinhalb war sicherlich das Video der mit Sattler befreundeten pfälzischen Band Geld et nelt. „’s Lied mit da Farwe“ kann von Hartgesottenen gerne auf Youtube angeschaut werden – wenn man sich eben nicht am Inhalt stört, der davon handelt, dass die Farbe des Erbrochenen im Gegensatz zu jener von Kot und Urin variiert.

Sattler hat dazu ein bizarres Freak-Video gedreht, von dem er behauptete, er habe nur die Kamera draufhalten müssen – Geld et nelt seien immer so. Immerhin hat er dafür den Regionalpreis des Landauer Filmfestivals La.Meko gewinnen können.

Aber schließlich wollte Sattler auch mal seine eigene Musik mit Bildern unterlegen. „Meine Kameraden“ zeigt eine Fahrt Sattlers mit einigen Mitstreitern nach Berlin. Mit dem Song wollte er Stammtischgespräche auf die Schippe nehmen – wo dann etwa jemand behauptet, er würde mal nach Berlin fahren, um der Merkel die Meinung zu geigen, aber leider keine Zeit dafür habe.

Durchdachter wirkte das Video zu „Für immer Irma“, das viele kleine Details der Saarbrücker Innenstadt kombiniert – Aufkleber, Annoncen und kleine Graffiti, alle auf dem Weg von Sattlers Wohnung zu seiner Stammkneipe Nilles. Für „Sovill Zeit“ hat der 42-jährige mit alten Super-8-Aufnahmen aus den Siebzigern gearbeitet, die vor allem Kinder zeigen – der Song dreht sich thematisch um gescheiterte Beziehungen, die der Kinder zuliebe aufrechterhalten werden.

Ein Musikvideo des Indie-Duos „The Autumn Art Festival“ und ein weiteres von Geld et nelt rundeten den Filmteil des Abends ab. Schließlich stand ja noch Manuel Sattler live auf dem Programm, wie so häufig unterstützt von René Müller am Bass und Simon Bollinger an Blockflöte, Melodica und Trompete.

Lieblingsthemen des Liedermachers sind Politik und die Liebe, beides mal ernst, mal humorvoll betrachtet. Da geht es um ehemalige Linksradikale, denen jetzt alles scheißegal ist und die ihr Che Guevara-T-Shirt bei H&M kaufen. Oder darum, dass Sattler doch so gerne beim Ordnungsamt in die Lehre gehen würde, dann könnte er anderen Leuten so richtig den Tag versauen.

Um die Liebe ging’s in „Kartoffelsalat“, dem „neuen Hit“, weil er darin „sein Innerstes nach außen“ kehre. Beliebt ist der Song bei den Fans aber darum, weil darin die Schüssel Kartoffelsalat ja als erotischer Magnet agieren soll.

Auch an einem Filmwerkstatt-Abend kann gefilmt werden: Lydia Kaminski (rechts vorne) interviewte nicht nur, sie machte auch Filme von Manuel Sattler (Mitte) und Band. Foto: Sebastian Dingler

Aber Sattler hat ja noch mehr Hits, zum Beispiel jene über die Moselfränkisch sprechende Freundin, die im Bett „Mach dat lo mo nommo“ stöhnt oder den Song über das Problem mit der vielen Freizeit und der Freiheit, wenn man „frei heit“ hat. Insgesamt erlebten die Zuschauer einen umfassenden Einblick in all das, was Manuel Sattler in den letzten 15 Jahren an Kunst geschaffen hat. Da war Nachdenkliches dabei und politischer Protest, vor allem aber: viel gelungener Humor.