Landgericht Saarbrücken: Obdachloser wegen versuchten Totschlags verurteilt

Urteil wegen versuchten Totschlags : Obdachloser zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt

Im April fanden Autofahrer einen schwer verletzten Obdachlosen unter der Westspangenbrücke in Saarbrücken. Das Landgericht Saarbrücken hat jetzt einen anderen Obdachlosen für die Tat verurteilt.

Eine Autofahrerin und ihr Beifahrer hatten den Obdachlosen am 7. April entdeckt. Er lag auf der Fahrbahn unter der Westspange in einer übersichtlichen, schlecht beleuchteten Kurve (wir berichteten). Der 40-jährige Verletzte kam ins Krankenhaus. Dort wurden eine Nasenbeinfraktur, Knochenbrüche im Gesicht und Rippenbrüche festgestellt.

Die Polizei wurde durch Schleifspuren auf den jetzt verurteilten Obdachlosen aufmerksam. Sie entdeckten ihn unter der Brücke an seinem Schlafplatz. Der 36-Jährige wurde festgenommen und schwieg zunächst zu der Anklage.

Vor dem Landgericht Saarbrücken wurde er jetzt wegen versuchtem Totschlag zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass er das Opfer durch Schläge schwer verletzt habe und außerdem gewollt habe, dass das Opfer auf der Fahrbahn schließlich überfahren wird.

Als mögliches Motiv der Tat kommt Diebstahl in Frage. Das Opfer habe andere Obdachlose bestohlen, was unter Obdachlosen als Todsünde gelte, so das Landgericht Saarbrücken. Allerdings hätte dieser Umstand nicht nachgewiesen werden können.

Das Urteil des Landesgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl Angeklagter als auch die Staatsanwaltschaft haben noch die Chance, Revision einzulegen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung