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Landesfachstelle im Saarland warnt vor der Gefahr von Online-Glücksspielen

Aktionstag gegen die Glückspielsucht : Werbeverbot für Online-Spiele gefordert

Online-Glücksspiele sollen auch in Deutschland ab 2021 legalisiert werden. Beim Aktionstag gegen die Glückspielsucht an diesem Mittwoch wird dagegen im Saarland protestiert.

Mehr als 5500 Saarländerinnen und Saarländer sind entweder spielsüchtig oder sind in Gefahr, es zu werden. Das sagt Christine Hensler, die Leiterin der Landesfachstelle Glücksspielsucht des katholischen Caritas-Verbandes in Saarbrücken. Sie sehe mit großer Sorge, dass nun Online-Glücksspiele legalisiert werden sollen. Bisher werden viele dieser Spiele im Ausland angeboten, ohne dass sie eine deutsche Konzession hätten, erklärt Hensler.

Der neue Glücksspielstaatsvertrag, der einheitliche Rahmenbedingungen für die 16 Bundesländer schaffen soll, könnte Mitte 2021 in Kraft treten. Hensler fürchtet, dass die Glücksspielsucht deutlich steigt. „Die Öffnung der Werbung für diese Spiele ist eine große Gefahr“, so die Expertin.  Damit meint sie Online-Casinos, Online-Automatenspiele und Online-Sportwetten. Die Saar-Uni war in die Schlagzeilen geraten, weil sie von Mitte 2016 bis Februar 2020 auf ihrer Internetseite einen Link zu Online-Glücksspielen installiert hatte (die SZ berichtete). Für Hensler ist klar: „Das war eine versteckte Glücksspiel-Werbung.“ Und das sei kein Einzelfall. Deshalb fordert sie ein Werbeverbot für Online-Spiele oder zumindest eine deutliche Einschränkung.

Hensler befürchtet, die Online-Werbung werde neue Spieler anlocken, und diejenigen, die jetzt schon ein Spielproblem haben. Bisher illegale Anbieter könnten künftig ganz offiziell eine Lizenz bekommen. Der illegale Online-Markt ist nach ihren Angaben ein riesiger Wirtschaftsfaktor. Im „Jahrbuch Sucht“ 2018 betrugen die Bruttospielerträge von Online-Spielen rund 2,6 Milliarden Euro deutschlandweit, beim regulierten Markt mit Geldspielautomaten, Spielbanken, Toto und Lotto waren es 12,1 Milliarden Euro, teilt Hensler mit.

Sie räumt ein, dass im Glücksspielstaatsvertrag auch der Spielerschutz berücksichtigt wird. Das Einsatz-Limit betrage 1000 Euro pro Monat, das gelte aber nicht für Gewinne. Sie fordert in einer Stellungnahme zum Glücksspielstaatsvertrag, dieses Limit mindestens zu halbieren. Zu den Schutzregeln zählt auch, dass sich alle Spieler registrieren lassen müssen. So solle auch verhindert werden, dass Minderjährige online spielen.

Für alle Spielformen soll nach ihren Angaben ein Sperrsystem für Spielsüchtige geschaffen werden. Das sei zwar positiv, meint Hensler. Aber der Gesetzgeber hätte illegale Online-Spiele auch unterbinden können, indem er die Internet-IP-Adressen sperrt. Nun sei das Risiko  groß, dass das Online-Spiel gesellschaftsfähig gemacht werde.

Auf diese Gefahr wird die Landesfachstelle Glücksspielsucht auch beim bundesweiten Aktionstag an diesem Mittwoch, 30. September, aufmerksam machen. 50 000 Brötchentüten werden in saarländischen Bäckereien der Bäckerinnung, den Bistros von Berufsschulen und Kantinen von großen Firmen während der gesamten Woche verteilt. Darauf steht: „Verspiel nicht Dein täglich Brot.“ Außerdem wird Hensler mit Vertretern der Landtagsfraktionen über Spielsucht und den neuen Glücksspielstaatsvertrag am 2. Oktober diskutieren.

Weitere Infos zu den Beratungsangeboten der Fachstelle Glücksspielsucht gibt es im Internet: www.gluecksspielsucht-saar.de