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Unsere Woche
Gut für Kunden, nicht für Mitarbeiter

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Längere Öffnungszeiten für Einzelhändler am St. Johanner Markt: Das hört sich innovativ an, um der Internetkonkurrenz Paroli zu bieten. Mag sein, dass dies der ein oder andere Geschäftsmann als Rettungsanker sieht. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Und Kunden dürften das Angebot für attraktiv halten. Doch was ist mit den Beschäftigten? Schon heute müssen viele Mitarbeiter lange Schichten schieben, weil ausgedehnte Öffnungszeiten im Einzelhandel selten zu mehr Personal führen. Zeitlich lang gestreckte Mittagspausen sind an der Tagesordnung, um gesetzliche Vorgaben der Ruhephasen sowie die Tarifverträge zur Arbeitszeit einzuhalten. So sind Verkäufer von morgens bis in den Abend hinein ohne Schichtwechsel einsatzbereit. An Freizeit und Kontakt im sozialen Umfeld wird sukzessive geknapst.


Die Idee, Ladenschlusszeiten nach hinten zu schieben, stammt aus dem Rathaus von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Einer Sozialdemokratin. Ihre Partei hatte sich einst auf die Fahnen geschrieben, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Wahrscheinlich argumentiert die Verwaltung, damit Arbeitsplätze sichern zu wollen. Das aber bedeutet längere Arbeitszeiten. Ist das die soziale Errungenschaft? Ich meine nicht.