Kolumne : Wann kommt das „Wagalaweia“? Sehnsucht nach Theater

Kulturelle Entzugserscheinungen hat unsere Kollegin bereits. Vor allem das „Rheingold“ betrauert sie gerade.

Wissen Sie, was an diesem Samstag eigentlich gewesen wäre? Am Samstag wäre die Premiere der Oper „Rheingold“ am Saarländischen Staatstheater (SST). Seit Wochen habe ich mich darauf gefreut. Ich liebe diese bombastische Wagner-Musik und erinnere mich noch mit großer Wonne daran, wie das SST vor über 30 Jahren (!) zuletzt den kompletten „Ring des Nibelungen“ an Ostern spielte - und ich quasi vier Tage im Theater verbrachte. Es war herrlich!

In der neuen Runde, die Intendant  Bodo Busse in Saarbrücken wagt, werden zwei Frauen sich Wagners wuchtiger Musik annehmen: Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka sind das Regie-Team, natürlich dirigiert Sébastien Rouland. Ich bin so gespannt, wie sie dieses Riesenopernding angehen. Und jetzt muss ich warten.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich vermisse nach nur zwei Wochen schon das Theater. Natürlich bin ich in normalen Zeiten nicht dauernd im Theater. Manchmal hab ich auch gar keine Lust darauf. Aber dass ich jetzt nicht darf, das ist hart. Mir fehlt dieses immer wieder herrliche Gefühl, wenn langsam das Licht des großen Kronleuchters erlischt, das Tuscheln im Publikum abebbt und auf der Bühne eine neue Welt entsteht.

Der Blick aufs echte Bühnenbild zu Wagners „Rheingold“ bleibt uns leider verwehrt. Zum Trost immerhin ein Foto des Modells. Foto: Magdolna Parditka

Ein Kollege konnte bei den Proben zum „Rheingold“ einen ersten Blick auf das Bühnenbild erhaschen: Göttervater Wotan, so schrieb er in seinem Artikel, werkele da als eine Art Wissenschaftsmanager in einem Labor herum. Gibt es ein aktuelleres Bild für eine Oper in Zeiten von Corona? Ich bin so gespannt, in welchem Umfeld das „Wagalaweia“ der Rheintöchter erklingen wird. Aber da werden wir uns alle noch etwas gedulden müssen.