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Künstlerpaar in Saarbrücken ergänzt sich

Beruflich und privat : Künstlerpaar ergänzt sich voll und ganz

Paar arbeitet in Saarbrücken an verschiedenen Projekten mit unterschiedlichen Materialien. Dennoch passt alles zusammen.

Wer sich mit Lydia Kaminski und Philipp Neumann über Kunst unterhält, stellt fest: Die beiden diskutieren viel und leidenschaftlich. Eenn‘s dabei hitziger zugeht, liegt das  an dem Stress, dem Druck und der Hektik, die durch die Ansprüche und Erwartungshaltungen anderer an sie.

Kaminski und Neumann sind ein Künstlerpaar, er ist Techniker und Lichtdesigner, sie Filmemacherin und Malerin. Zusammen sind sie das Studio Lydia Kaminski/Philipp Neumann und machen multimediale Installationen. Im Dezember bekamen sie den Kulturförderpreis der Landeshauptstadt. „Wahrnehmung ist unser gemeinsamer Nenner“, sagt Neumann. „Ich sehe den Raum, Lydia sieht die Emotionen eines Themas.“ Ideen haben die zwei viele. Aber für ein gemeinsames Projekt, ergänzt Kaminski, brauche es vor allem zwei Dinge: einen festen Termin und ein Budget.

Neumann bezeichnet sich als „Freak“ und meint damit Tüftler, Besessener. Er ist als Installations- und Objektdesigner, aber auch in Theatern, bei Zirkusproduktionen und als Licht- und Raumgestalter gefragt. Geboren wurde Neumann 1982 in Dresden. Seine Mutter  Sängerin an der Semper-Oper, der Vater freier Bildhauer und Maler. „Ich bin mit den Konflikten zwischen freier Kunst und staatlicher, also subventionierter Kunst, aufgewachsen.“

Diese Konflikte spürt Neumann heute noch: Als Freak eckt er schnell an, wenn er mal in festen Strukturen arbeitet. Gleichzeitig genießt er es, dass er sich da um vieles nicht selber kümmern muss. Aber: „Es macht dich halt frei, wenn du frei bist.“

Bei seiner Arbeit schlägt Neumann Brücken zwischen Kunst und Handwerk: „Für mich beginnt Kunst oft mit einem Akkuschrauber und einer Dachlatte.“ Für seine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker kam er 2003 ins Saarland, weil der Zeltpalast Merzig ihm das Rundum-Paket bieten konnte, das er suchte. 2007 begann er ein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK), das er 2013 mit Auszeichnung abschloss. Seit August vergangenen Jahres ist Neumann angestellter Beleuchter am Staatstheater.

Eine seiner liebsten Spielwiesen ist das Festival Perspectives, bei dem er ab 2008 als Techniker und seit 2016 auch als Künstler im Einsatz ist. „Perspectives ist der Grund, warum ich im Saarland geblieben bin“, bekennt Neumann.

Lydia Kaminski lernte er 2005 kennen, seit 2016 sind die beiden auch beruflich verbandelt. Installationen machen die beiden Christo-Fans, seit 2017 Eltern eines Sohns, am liebsten gemeinsam. Dazu zählen etwa die Metamorphose im E-Werk, die dokumentarische Video-Installation Gassenlichter über Perspectives, eine Arbeit in der Stadtgalerie während der Landeskunstausstellung oder ihre Teilnahme beim Rotationen-Club 2017 am Pingusson-Bau. „Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Neumann. „Ich agiere oft spontan, Lydia reflektiert mehr.“

Lydia Kaminski, 1984 in Merzig geboren, arbeitete nach ihrem Diplom in Modedesign an der Trierer Fachhochschule 2009 einige Jahre als Kostüm- und Modedesignerin. Sie lebte in Schweden und den Niederlanden. 2013 bis 2015 studierte sie Social-Design in Wien und machte dort ihren Master mit ihrem Film So Far. Erst seitdem widmet sie sich ganz ihrer künstlerischen Arbeit.

„Alles andere vorher war ein Kompromiss“, sagt Kaminski. „Das Mode-Studium war sehr industriell geprägt, diese ganze Welt war mir zu oberflächlich. Nie hat sich jemand wirklich mit Themen beschäftigt.“ Auch der Versuch, 2011 als Modedesignerin im Saarland Fuß zu fassen, scheiterte. Das verzweifelte Bemühen schließlich, als Social-Designerin gesellschaftliche Probleme mit künstlerischen Methoden lösen zu wollen, führte dazu, dass „wir Studenten alle intensiv darüber nachdachten, wer wir überhaupt sind und was wir wollen.“ Darüber fand Kaminski zu ihrer künstlerischen Bestimmung und fing an, Filme zu drehen. Dabei widmet sie sich den Fragen, wie sich Dinge, Orte und Menschen verändern und wie sich Selbstbewusstsein bildet.

Parallel fand sie zurück zu ihrer Jugendliebe: der Malerei. Kaminski malt klassisch, figürlich. Licht, Bewegung, Wasser und Natur inspirieren sie.