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Kritik an Einsatzbereitschaft
Saarbrücker Berufswehr in personeller Not?

Ist die Einsatzbereitschaft der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken wie hier am 20. Juli beim Brand auf dem Alt-Saarbrücker Gelände des Entsorgungsunternehmens Veolia gesichert? Kritiker zweifeln.
Ist die Einsatzbereitschaft der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken wie hier am 20. Juli beim Brand auf dem Alt-Saarbrücker Gelände des Entsorgungsunternehmens Veolia gesichert? Kritiker zweifeln. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Ehrenwehrführer der Freiwilligen hat arge Bedenken. Pressesprecher der Landeshauptstadt: Lage entspannt sich zusehends. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Wie angespannt ist die Lage tatsächlich? Während sich die Landeshauptstadt all erdenkliche Mühe gibt, zu beteuern, dass die Einsatzfähigkeit nicht im Geringsten gefährdet sei und sich die Bürger keine Sorgen um Leib und Leben machen müssten, will die Kritik an der Personalsituation bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr nicht verstummen.


Auslöser für vehemente Widersprüche,es gebe, wenn auch knapp, ausreichend Beamte, um den Dienst zu verrichten, ist weiterhin Sonntag, 23. September. Für diesen Tag hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Unwetter für die Region gewarnt. Das hatte zur Folge, dass auch Kollegen der freiwilligen Feuerwehr einspringen mussten. Im Grunde ein Sachverhalt, der von keiner Seite beanstandet wird.

Richtig sauer reagiert allerdings Gerhard Norheimer. Der Ehrenwehrführer der freiwilligen Feuerwehr in Saarbrücken hinterfragt in einem Schreiben an die SZ-Redaktion: „Es entspricht nicht der Realität, dass die freiwillige Feuerwehr zur Kompensation des Personalmangels der Berufsfeuerwehr bereits zu Dienstbeginn in ihr Gerätehaus beordert wurde?“ Die Stadt hatte dies dementiert.



Der erfahrene Ehrenamtler  kontert mit Dienstplänen für jenen Tag, die ihm nach seinen Angaben vorliegen. So habe die freiwillige Feuerwehr  „schon um 7 Uhr im Gerätehaus“ sein müssen, obwohl der von Meteorologen erwartete Sturm erst „zum späten Nachmittag vorhergesagt war“, schreibt Norheimer. Das sei, anders als von Stadtpressesprecher Thomas Blug erklärt, kein Standard. Des Weiteren sollen vier Beamte der städtischen Berufswehr erst um 14 Uhr ihren Dienst angetreten haben, behauptet Norheimer. Die vier technischen Einsatzleiter seien „gar erst ab 16 Uhr alarmiert“ worden.

Diese Angaben „sind so nicht nachzuvollziehen“, sagt Thomas Blug, ohne konkret auf die von Norheimer genannten Daten einzugehen. Die Berufsfeuerwehr besetze die beiden Wachen der Landeshauptstadt jeden Tag rund um die Uhr, so auch an dem besagten Sonntag. Dass ehrenamtliche Feuerwehrleute den Dienst unterstützen, beruhe auf dem Zwei-Säulen-Modell in der Landeshauptstadt. Dies sehe eben eine „Verzahnung von Berufsfeuerwehr und freiwilliger Feuerwehr“ vor. Damit könnten die Helfer „auf unvorhergesehene Ereignisse schnell und effizient reagieren“, sagt Blug.

Erfahrungen des Frühjahrs hätten die Verantwortlichen dazu bewogen, wegen des drohenden Unwetters am 23. September die zwei Löschzüge der Berufsfeuerwehr als Grundschutz um eine Einheit des Löschbezirks 13 der freiwilligen Feuerwehr in St. Johann zu verstärken. Als der Sturm am Nachmittag losging, habe die Leitung weitere Freiwillige alarmiert. Blug wiederholt in diesem Zusammenhang: „Dies ist standardmäßiges Vorgehen bei Unwetterereignissen.“

Unabhängig davon untermauert ein weiterer Informant die Angaben des Ehrenwehrführers Norheimer, wonach die Berufsfeuerwehr unterbesetzt gewesen  und es deswegen zum Einsatz der Freiwilligen schon in den frühen Morgenstunden gekommen sei. „Von 24 absolut erforderlich zu besetzenden Plätzen im Brandschutz auf den Fahrzeugen der beiden Feuerwehrwachen waren gerade einmal 17 besetzt.“ Der Schreiber wertet dies als „Bankrotterklärung“. So weit will Norheimer indes nicht gehen. Allerdings empfindet er es ebenso, dass der Dienstbetrieb  „nur noch durch Ehrenamtliche und Auszubildende am Laufen gehalten“ werde. Eine Entlastung durch acht Brandmeisteranwärter gebe es somit nicht, da diese bereits seit Monaten während ihrer Schulung im regulären Schichtdienst eingesetzt würden.

Personelle Not sieht Blug dennoch nicht. Von 161 Stellen im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst seien 159 besetzt. Fünf angehende Berufsfeuerwehrmänner starteteten aktuell ihre 18-monatige Ausbildung. Zudem stünden im gehobenen Dienst  Beförderungen nach Ausbildungsende an, kündigt Blug an.