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Saarbrücken: Kriminalität: Trotz sinkender Fallzahlen wächst die Angst

Saarbrücken : Kriminalität: Trotz sinkender Fallzahlen wächst die Angst

Viele fühlen sich auf Straßen und Plätzen nicht mehr sicher. Obwohl die Statistiken keinen Grund dafür hergeben. Die Sicherheitskonferenz der SPD-Stadtratsfraktion sollte Auswege zeigen.

Das Fazit des Kriminologen Christian Pfeiffer bei der Sicherheitskonferenz der SPD-Stadtratsfraktion überraschte am Freitag die rund 100 Gäste im Rathausfestsaal. Er sagte: „Die Zahl der Gewalttaten geht kontinuierlich zurück, lediglich Cybermobbing und Kriminalität im Internet nehmen zu.“ So weit die Statistik. Jedoch leugnet er nicht, dass das Sicherheitsempfinden anders aussieht. Und in gewissen Bereichen habe die Zahl der Gewalttaten tatsächlich zugenommen. Das lasse sich aber an entsprechenden Fehlern festmachen. In Flüchtlingsunterkünften sei es etwa vermehrt zu Auseinandersetzungen gekommen, wo man verfeindete ethnische Gruppen unter einem Dach vereint hatte.

Auch erstatten Pfeiffer zufolge Menschen heute eher Anzeige, etwa wegen Kampagnen wie „Me too“ oder „Ein Nein bedeutet auch Nein.“ Der Forscher nannte mit Blick auf die Bereitschaft, bei Konflikten zur Polizei zu gehen,  weitere Phänome: „Max zeigt nicht unbedingt Moritz an. Heißt es aber Max gegen Mehmet, steigt die Prozentzahl sofort an. Wenn es Mehmet gegen Mohammed heißt, liegt die Anzeige-Wahrscheinglichkeit bei null. Heißt es aber Mehmet gegen Igor, läuft man sofort zur Polizei.“ Weiter trage zur Angst vor Gewalttaten bei, dass sich negative Nachrichten wegen der Medienvielfalt und des Internets rasant verbreiten.  Fazit der anschließenden Diskussion: Integration ist wichtigster Ansatzpunkt für noch mehr Sicherheit. Beteiligt waren Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Udo Schneider, Leiter der Polizei in St. Johann, Stefan Pauluhn, Chef der SPD-Landtagsfraktion, sowie Behnaz Abdan. Sie arbeitet an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in der Forschungs- und Transferstelle „Gesellschaftliche Integration und Migration“.

Der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Mirco Bertucci, bewertete die Konferenz so: „Der Vortrag von Professor Christian Pfeiffer und die Diskussion haben deutlich gemacht, dass wir dringend differenzierter über tatsächliche und gefühlte Unsicherheit diskutieren müssen. Insgesamt ist Saarbrücken eine sichere Stadt. Die Kriminalität, insbesondere Gewaltdelikte, gehen seit vielen Jahren zurück.“ Aber jede Straftat sei eine zu viel. Und gegen das Gefühl von Unsicherheit, von dem Bürger berichten, müsse die Politik „in unserer lebendigen, liebenswerten und quirligen Stadt“ etwas tun. Dafür brauche die Stadt Polizeipräsenz, insbesondere an den neuralgischen Punkten in der Innenstadt.