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Krankenhausträger Marienhaus meldet wegen Corona-Krise Kurzarbeit an

Wegbrechende Einnahmen durch leerstehende Betten : Krankenhausträger Marienhaus meldet wegen Corona-Krise Kurzarbeit an

Um Betten für Corona-Patienten freizuhalten, müssen die Kliniken seit Wochen alle planbaren Operationen absagen. Als erster Klinikträger im Saarland hat Marienhaus für bestimmte Bereiche nun Kurzarbeit beantragt – die Einnahmeausfälle sind aus Sicht der Unternehmensspitze auf die Dauer nicht zu verkraften.

Der katholische Krankenhausträger Marienhaus fürchtet angesichts der Corona-Krise eine finanzielle Schieflage und sieht sich daher gezwungen, auch für seine saarländischen Kliniken in Losheim, Saarlouis, St. Wendel, Ottweiler und Kohlhof Kurzarbeit anzumelden. Ohne diesen Schritt seien „Teilbetriebsschließungen und betriebsbedingte Kündigungen“ unvermeidlich, heißt es in einem Brandbrief der Marienhaus-Spitze an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Betroffen seien Teilbereiche, die nicht unmittelbar zur Versorgung aktueller und eventuell zukünftiger Covid-19-Patienten benötigt würden, sagte ein Marienhaus-Sprecher der SZ. Ärzte und Pflegekräfte sollen nicht in Kurzarbeit geschickt werden.

Grund für die Schwierigkeiten sei die Anweisung der Politik vom 16. März, alle medizinisch nicht zwingend notwendigen Leistungen und stationären Aufnahmen einzustellen, um sich so auf die zu erwartende Belastung durch die Behandlung von Covid-19-Patienten vorzubereiten. Daraufhin sei die Belegung in den Krankenhäusern eingebrochen, derzeit liege sie bei weniger als 40 Prozent. Gleichzeitig habe sich der Träger für die Corona-Pandemie gewappnet, fünf Krankenhäuser zu Corona-Häusern umfunktioniert und die Zahl der Beatmungsplätze um mehr als 50 Prozent erhöht.

In dem Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn fordert die Spitze der Marienhaus-Unternehmensgruppe, den Rettungsschirm zum finanziellen Schutz von Krankenhäusern in der Corona-Krise nachzubessern. Die Pauschale von 560 Euro, die für ein freigehaltenes Bett pro Tag gezahlt wird, reiche bei weitem nicht aus. Nötig seien 700 Euro.

„Wenn sich nicht rasch etwas auf Bundesebene zugunsten der Kliniken ändert und die Corona-Krise noch mehrere Monate so weitergeht, muss die Marienhaus hochgerechnet auf das Jahr 2020 von einer zu erwartenden Erlös- und Liquiditätslücke von über 30 Millionen Euro ausgehen“, heißt es in dem Brief weiter.

Diese Lücke habe sich auch durch den Abbau von Überstunden, mit Urlaub und dem Aufbau von Minusstunden nicht annähernd schließen lassen. Deshalb sehe sich Marienhaus gezwungen, in Teilbereichen Kurzarbeit anzumelden. Dies geschehe in enger Abstimmung mit der erweiterten Gesamt-Mitarbeitervertretung. Die Kurzarbeit erfolge in einem gestuften Konzept, wobei schrittweise Dienstleistungs- und Verwaltungsbereiche, dann Therapiebereiche und Teile der Rehabilitation betroffen sein werden.

Marienhaus hofft auch auf die Unterstützung der saarländischen Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU). Das Saarland hatte bereits bei der Abstimmung im Bundesrat über den Rettungsschirm für Kliniken im März Nachbesserungen gefordert. In einer Erklärung gab die Landesregierung damals zu Protokoll, dass die vorgesehenen Maßnahmen „voraussichtlich bei weitem nicht ausreichen werden, um die Covid-19-bedingten finanziellen Belastung der Krankenhäuser angemessen auszugleichen“.