| 20:57 Uhr

„In Love with“ im Theater im Viertel
Geometrische Rhythmik einer musikalischen Liebesgeschichte

St. Johann. Von Josefine Hoffmann

Diesen Abend im Theater im Viertel (TiV) kann man alles nennen: kurios, genial, eine akustische Herausforderung – aber nicht langweilig. Der französische Schlagwerker und Komponist Sylvain Darrifourcq (*1979) kündigte seine Komposition „In love with“ als „eine seltsame Liebesgeschichte“ an, welche er auf Einladung der Initiative für Musikkunst „ini-Art“ im rappelvollen TiV aufführte.


Die Darbietung des Stückes verlangte von Darrifourqc und seinen Mitmusikern, dem Violinisten Théo Ceccaldi und seinem Bruder Valentin Ceccaldi am Cello, absolute Konzentration, denn ohne rhythmische Präzision ging an diesem Abend gar nichts.

Zu Beginn hätte der Eindruck entstehen können, dass hier nur die gleichen Töne wiederholt wurden. Das wichtigste Element des Werkes war tatsächlich die präzise Repetition, aber dank dieser entstanden allmählich komplexe Klangflächen mit verschiedenen, übereinandergeschichteten Rhythmen.



Hin und wieder tauchten Melodiefetzen auf, kaum hatte man einen erkannt, folgte auch schon etwas Neues. Die Übergänge zwischen verschiedenen Werkteilen waren abrupt oder wurden mit Pausen und angehaltenem Atem zelebriert.

Das Trio legte stets Wert auf exakte Einsätze und hatte Spaß beim Musizieren. Technisch bot Darrifourcq so ziemlich alles, was am Schlagzeug möglich ist, stellenweise ertönte Weckerklingeln und anderes „Uhrwerk“.

Cello und Violine wurden meist gezupft, was den perkussiven Effekt begünstigte. Hohes Tempo und rasche dynamische Wechsel verlangten den Musikern auch körperlich einiges ab, ihre Energie jedoch schien unerschöpflich.

In welchem Genre dieses Werk nun aber zu verorten wäre, darf der geneigte Hörer selbst entscheiden. Erlauschen ließen sich Elemente von Jazz, Klassik, Rock oder beinahe das Peter Gunn Theme.

Darrefourcq selbst hat „In love with“ als „rhythmisch-geometrische Komposition“ bezeichnet, was es wohl am besten trifft.

Diese chaotische Liebesgeschichte fand ihren Endpunkt nach 45 Minuten. Wer sich darauf einließ, konnte an diesem Abend tatsächlich neue Klangwelten entdecken. Der Großteil des Publikums war auch genau deswegen gekommen und verließ nach Ende des Konzertes entsprechend begeistert das Theater im Viertel.