Kontrollen gegen Partys auf offener Straße im Nauwieser Viertel

Partytourismus in Saarbrücken : Lärm im Viertel: Ab sofort neue Kontrollen

Saarbrücker Ruhebewahrer sollen sich um Straßenpartygäste im Nauwieser kümmern. Anrainer setzen auf Toleranz.

Wird bereits derjenige kriminalisiert, der am späten Abend auf offener Straße vor einer Nauwieser Kneipe ein Glas Wein trinkt? Eine junge Frau offenbarte damit während einer Diskussionsrunde mit mehr als 100 Anwohnern ihr Unverständnis über die anhaltende Debatte zum Partylärm im Nauwieser Viertel. Seit Monaten beherrscht dies das Leben vieler  Menschen des Saarbrücker Quartiers. Und genauso lange streiten die Menschen darüber, wer für Krawall im Freien bis tief in die Nacht verantwortlich ist.

Unwidersprochen auf allen Seiten: Besonders an den Wochenenden pilgern in erster Linie junge Leute aus allen Landesteilen hierher, um lautstark draußen zu feiern. Zumeist bringen sie ihre Getränke selbst mit. Deshalb setzen seit Wochen Gastwirte an Wochenenden Türsteher ein, die darauf achten, dass nach Mitternacht niemand mit Getränken das Lokal verlässt. Dies ist das Ergebnis, das Bürgermeister Ralf Latz (SPD) mit den betroffenen Kneipiers geführt hat.

Latz war es auch, der nun Bürger zu einer Runde lud, um von ihnen zu erfahren, was sich seitdem getan hat. Sehr unterschiedlich waren die Reaktion darauf. Von Unverständnis gegenüber Beschwerdeführern über Erleichterung wegen der verstärkten Kontrollen bis hin zu Ärger deswegen, weil es nach wie vor zu laut sei.

Latz kündigte unterdessen an, dass an diesem Freitag die „nächste Eskalationsstufe“ in Kraft treten werde. Was das heißt?  Ab sofort patrouillieren an Wochenenden zwei Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma Sachs und Klein aus Saarbrücken im Auftrag der Landeshauptstadt durchs Viertel. Der Auftrag der von Latz als „Ruhebewahrer“ titulierten Männer: freitags und samstags jeweils ab 22 Uhr unterwegs sein. Marc Stenger vom beauftragten Unternehmen während der Versammlung: „Wir sind dafür da, um mit den jungen Leuten zu reden, bevor es zu spät ist.“ Sie seien im Einsatz, um deeskalierend zu wirken. Polizeiliche Befugnisse hätten sie nicht. „Aber wenn es gefährlich wird, haben wir eine Nummer bei der Polizei. Und es sei Ihnen versichert: Die ist dann sofort da“, sagte Stenger. Bis 3 Uhr seien die Ruhebewahrer pro Schicht unterwegs. Das Projekt ist nach Latz’ Angaben vorerst auf drei Monate angelegt. „Sollte es sich bewähren, werde ich dafür sorgen, dass es verlängert wird.“

Zusätzlich bereite das Stadtmarketing Plakate vor, die bei Viertel-Besuchern für Toleranz werben sollen. Toleranz – das war das meist gebrauchte Schlagwort bei der Anrainer-Zusammenkunft. So forderten zum einen jene Verständnis, die laue Sommernächte gern im Freien verbringen wollen. Andere wiederum verlangten, Nachtruhe zu respektieren. Verwaltungsmann Latz versuchte, beide Interessen unter einen Hut zu bekommen. „Wir wollen ein buntes Viertel. Es ist schon immer als ein offenes Viertel bekannt. So soll es auch bleiben.“ Er setze weiterhin nicht auf strenge Polizeiaktionen, sondern hoffe auf Verständnis von allen Seiten.

Richtig sauer werden Anwohner, wenn es um Zerstörungswut und Dreck geht. Und vor allem, wenn Rauschgiftsüchtige ihre Spritzen auf den Kinderspielplatz werfen. Hier sicherte Latz zu, dass sich die Stadt mit dem Drogenhilfezentrum in der Brauerstraße der „veränderten Lage“ annehmen werde. So beklagten Nachbarn, dass die Zahl junger Junkies dramatisch zugenommen habe, die sich im Nauwieser Viertel tummeln.

Gerade wegen der gegensätzlichen Auffassungen der Diskussionsteilnehmer appellierte ein Besucher inständig, dass sich die Bewohner doch nicht entzweien lassen dürften. Sie sollten gemeinsam an einer Lösung interessiert sein, die Bedürfnisse aller in Einklang bringen. Hier der Wunsch nach ungestörtem Schlaf, eine Frau bemühte in diesem Zusammenhang sogar das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Da der Wunsch nach unbeschwertem, geselligem Leben in aller Öffentlichkeit bis in den späten Abend hinein, ohne dafür schief angeschaut zu werden.

Voller Saal während der Debatte mit Nachbarn.

In drei Monaten, kündigte Latz an, soll eine weitere Versammlung folgen, um die Ergebnisse auszuwerten. Wenn es dann keine spürbaren Erfolge gibt, werde die nächste Eskalationsstufe eingeleitet. Sprich: der Druck auf jene erhöht, die sich nicht an Gesetze und Vorschriften halten wollen.

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