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Einzelhandel
Kommt eine Quote für kleine Läden?

Eine belebte Bahnhofstraße wie hier an einem verkaufsoffenen Sonntag freut die Saarbrücker Einzelhändler. Manch einer ärgert sich aber, dass mittlerweile in allen Innenstädten dieselben Ketten das Bild bestimmen.
Eine belebte Bahnhofstraße wie hier an einem verkaufsoffenen Sonntag freut die Saarbrücker Einzelhändler. Manch einer ärgert sich aber, dass mittlerweile in allen Innenstädten dieselben Ketten das Bild bestimmen. FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. Die Innenstädte veröden oder sehen alle gleich aus. In München will man gezielt inhabergeführte Geschäfte fördern. Von Jörg Wingertszahn

Sehen die deutschen Innenstädte bald endgültig völlig gleich aus? Sieht Saarbrücken dann aus wie Frankfurt oder Mannheim? Weil sich sowieso nur große Ketten ansiedeln und kleinere Geschäfte sich die Mieten nicht mehr leisten können? Damit das zumindest in München nicht so kommt, hat sich dort eine Initiative gegründet, die eine Quote für kleine Läden in der City vorschlägt. Auf dem Wohnungsmarkt ist die Stadt schon tätig geworden. In Neubaugebieten müssen schon 30 Prozent geförderte Wohnungen entstehen. Nun wird diskutiert, ob man auch Investoren verpflichten soll, 30 Prozent der Verkaufsfläche an inhabergeführte Geschäfte abzugeben – und das zu niedrigeren Mieten als auf dem freien Markt. Die Stadt München selbst vermietet in ihren eigenen Gebäuden wie dem Rathaus schon zu niedrigeren Preisen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Um das Stadtbild zu verändern, dürfte das aber nicht reichen.


Und wie denkt man im Saarbrücker Rathaus über solche Pläne? „Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Filialisten und individuellen, eigentümergeführten Betrieben steigert sicherlich die Attraktivität einer Innenstadt“, sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Allerdings sei die Festsetzung einer Quote für eigentümergeführten Einzelhandel sowie die Unterscheidung zwischen Filialisten und eigentümergeführten Betrieben rechtlich nicht möglich.

„Bei der gut besuchten Veranstaltung unserer Wirtschaftsförderung Anfang Juni zur Einzelhandelsentwicklung in der Innenstadt war eine wichtige Erkenntnis, dass eine zielgerichtete Entwicklung einer Innenstadt die ‚Abstimmung‘ aller Akteure erfordert, insbesondere stehen auch die Eigentümer in der Verantwortung. Ein ausgewogenes Angebotsverhältnis von Filialisten und eigentümergeführten Betrieben kann nur über ein abgestimmtes Handeln der Vermieter und Immobilieneigentümer erreicht werden“, berichtet Thomas Blug. Die Steuerungsmöglichkeiten einer Stadt seien in dieser Hinsicht beschränkt, daher müsse der Dialog gesucht und geführt werden. „Unsere Wirtschaftsförderung sieht das als Auftrag und wird an diesem Thema weiterarbeiten“, erklärt Blug.



Die Entwicklung bei den Mieten für Ladenlokale im Saarland verläuft nach Angaben des Immobilienverbands West nicht einheitlich, wie dieser in einer aktuellen Studie ermittelt hat. Die leichte Erholungswelle aus dem Vorjahr sei abgeebbt. Flächendeckende Preisabschläge waren den Angaben zufolge erneut in Saarbrücken (minus zehn Prozent) zu beobachten. Preisanstiege von bis 20 Prozent hatten hingegen St. Ingbert und Dillingen zu vermelden.

Mit einem Quadratmeterpreis von 30 Euro (Vorjahr: 32 Euro) in der Französischen Straße hat Saarlouis die zweitteuerste Lage im Saarland. Nur in Saarbrückens Bahnhofsstraße liegen die Ladenmieten mehr als doppelt so hoch: „Mit 70 Euro (Vorjahr: 80 Euro) pro Quadratmeter Verkaufsfläche sind sie allerdings in den letzten zwölf Monaten deutlich gesunken“, stellt der Immobilienverband West in seiner Studie fest.